Meinung

"Eklig weiße Mehrheitsgesellschaft" – die Weltsicht von Deutschlands Jugend?

Die aktuelle Vorsitzende der Grünen Jugend kritisierte im Jahr 2019 die "eklig weiße Mehrheitsgesellschaft". Das negative Deutschlandbild des grünen Nachwuchses und eine wahnwitzige Identitätspolitik stellen die Avantgarde einer von Dekadenz gezeichneten westlichen Gesellschaft dar.
"Eklig weiße Mehrheitsgesellschaft" – die Weltsicht von Deutschlands Jugend?Quelle: www.globallookpress.com © Bodo Schackow/dpa

Von Kaspar Sachse

Viel Wirbel gab es in letzter Zeit um die frisch gebackene Vorsitzende der Grünen Jugend – die in ihrer Vergangenheit durch provokante Aussagen auffiel, wie die Welt berichtet. Sarah-Lee Heinrich schrieb als Teenager auf Twitter, sie "hasse die Gesamtheit der weißen Menschen, die davon profitieren, dass mein Heimatkontinent ausgeraubt wurde". Als heute 20-Jährige distanzierte sie sich davon wie auch von ihrem Post aus dem Jahr 2016. Dort schrieb sie in den sozialen Medien:

"Ich werde mir irgendwann einen Besen nehmen und alle weißen Menschen aus Afrika rauskehren."

Doch nun stören sich zahlreiche Menschen an einem Interview mit dem Jugendmagazin Funk aus dem Jahr 2019, das besonders auf Twitter viel Aufmerksamkeit erfährt. Dort kritisierte Heinrich die Zustände in Deutschland, und speziell die weißen Führungsfiguren, und sprach von einer "eklig weißen Mehrheitsgesellschaft". Später zeigte sie zwar auch darüber Reue, doch lässt sich eine gewisse identitätspolitische Weltanschauung nicht verleugnen.

Die NZZ ordnet Heinrichs Entgleisungen so ein:

"[Sie zeigen,] wie lange die vermeintlich antirassistische Indoktrination junger Menschen in radikalen, teilweise auch parteinahen Kreisen bereits andauert."

Eine Ausnahmeerscheinung ist Heinrich als offensichtliche Anhängerin der "Critical Whiteness" jedoch nicht. Bereits im Jahr 2015 zu Beginn der Flüchtlingskrise äußerte sich die Grüne Jugend zum Tag der Deutschen Einheit folgendermaßen:

"Am 3. Oktober wurde ein Land aufgelöst und viele freuen sich 25 Jahre danach. Warum sollte das nicht noch einmal mit Deutschland gelingen?"

Der damalige Chef des Partei-Nachwuchses und heutige EU-Parlamentarier Erik Marquardt revidierte die Äußerung später dahingehend, dass es dabei um die "Vision einer europäischen Integration bis hin zu einem europäischen Staat ohne gesicherte Außengrenzen" gegangen sei. Einen EU-Staat, die "Vereinigten Staaten von Europa", strebt die Grüne Partei in der Tat an. 

Doch wie kommt es zu solchen Ideen? Die Grüne Jugend stammt zumeist aus dem urbanen Umfeld, ist gut sozial situiert und studiert fast immer etwas mit Medien, Politik oder Soziales. Diese jungen Menschen aus München oder Hamburg sind im Wohlstand aufgewachsen. Sie wissen weder, was Krieg ist, noch kennen sie materielle Not.

Sie kennen nur das alternativlose politisch-gesellschaftliche System, in dem sie schon immer gelebt haben – und in dem das Narrativ verkündet, dass Heimat oder Nation Dinge aus dem 19. und 20. Jahrhundert sind. Andere Lebensentwürfe oder Milieus sind unbekannt und interessieren nicht. Die Migrationsgesellschaft ist für die Grüne Jugend Realität. Dessen Vorzeichen sollen dann bitte schön ebenso wie bei der Klimafrage auch für alle anderen gelten. Die Frage ist jedoch, ob die "eklig weiße Mehrheitsgesellschaft" das möchte?

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