Meinung

Der Rostocker Oberbürgermeister, die Maske und ein Konzert

Rostocks dänischer OB Madsen wurde beim Spiel Dänemark-Tschechien ohne Maske gefilmt. Na und, mag man denken. Aber das "RedaktionsNetzwerk Deutschland" sieht darin einen Skandal, und es hat seine Gründe.
Der Rostocker Oberbürgermeister, die Maske und ein KonzertQuelle: www.globallookpress.com © © Bernd Wüstneck/dpa

von Dagmar Henn

Claus Ruhe Madsen ist für einen Oberbürgermeister einer Stadt mit 200.000 Einwohnern ungewöhnlich sichtbar. Das mag daran liegen, dass er als erster EU-Ausländer an die Spitze einer bundesdeutschen Großstadt gewählt wurde; dass seine Stadt Rostock lange mit ungewöhnlich niedrigen Zahlen positiv Getesteter auffiel, dürfte weiter dazu beigetragen haben.

Dank dieser niedrigen Zahlen erfreute sich Madsen im vergangenen Jahr sogar einer gewissen Beliebtheit als Gast diverser Talk-Shows und durfte seine Rezepte bundesweit verbreiten, auch wenn seine tatsächlichen Möglichkeiten, abzuweichen, durch die Zentralisierung der Corona-Maßnahmen immer geringer wurden.

Jetzt ist Madsen, der Däne, wieder einmal aufgefallen; diesmal im Stadion in Aserbaidschan beim Spiel Dänemark-Tschechien – er wurde ohne Maske abgelichtet, obwohl im Stadion Maskenpflicht herrschte.

Sofort kursierte Kritik auf Twitter, in der seine Aussagen aus dem März zitiert wurden, man könne keine Maske tragen oder keinen Abstand halten und damit Teil des Problems oder man könne Teil der Lösung sein.

Die Ostsee-Zeitung jedenfalls hat den Vorfall, der nur wenige Sekunden lang in der Übertragung zu sehen war, bereits am Samstag aufgegriffen. Ihr gutes Recht, schließlich liegt die Stadt Rostock in ihrem Verbreitungsgebiet. Interessant aber ist, dass auch das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) die Geschichte aufgriff. Das ist immerhin die Textfabrik, die die Inhalte für das SPD-Medienimperium beisteuert, wodurch die Sekunden des Rostocker Stadtoberhaupts ohne Maske zu einer bundesweiten Nachricht wurden.

Und hier kommt der Moment, an dem man nachdenken muss. Schließlich gibt es serienweise Fotos von Politikern, die ohne Maske erwischt wurden, Lauterbach vermutlich eingeschlossen, und die wenigsten davon werden mit mehr als zwei Zeilen bedacht. Klar, solche Fälle lassen immer an das klassische "Wasser predigen, Wein trinken" denken. Nur – Madsen kann gar keine weitere politische Karriere machen, da das passive Wahlrecht für EU-Bürger nur auf kommunaler Ebene gilt. Was macht ihn zum interessanten Ziel?

Es sind vermutlich nicht Aussagen wie "der Alltag muss für Ungeimpfte unangenehmer sein". Da ist Madsen ganz auf Linie. Aber es gibt eben auch andere Sätze von ihm. An der Lockdown-Strategie übt er deutliche Kritik. "So habe er keine Erkenntnisse darüber, dass in Schuhgeschäften erhöhte Ansteckungsgefahr bestehe, dennoch habe man sie geschlossen," berichtete im Februar T-Online, und Kinder-und Jugendsport sei ebenfalls keine Ansteckungsquelle. Im April erklärte er gegenüber der Welt, Aktivitäten im Freien sollten nicht eingeschränkt, sondern gefördert werden, und Kita- und Schulschließungen für mehr als zwei Wochen seien den Kindern aus psychologischen Gründen nicht zuzumuten.

Selbst die Aussage zu den Ungeimpften Ende Juni wurde von ähnlichen Bemerkungen begleitet: "Wenn mir der Chef der niedergelassenen Kinderärzte erzählt, dass er mittlerweile mehr Kinder in psychiatrischer Behandlung hat als jemals zuvor, dann ist das auch ein Thema. Und wenn ich daraufhin die Landesregierung bitte, einen Spielplatz öffnen zu dürfen, und mit dieser Bitte alle gegen mich aufbringe – dann kann das auch nicht richtig sein."

Nun, wenn die letzten Monate eines gelehrt haben, dann, dass man in dieser Republik keinen Zentimeter mehr vom Pfad der Tugend abweichen darf. Gleich, wie vernünftig es begründet wird, selbst wenn zugleich der Kotau vor anderen Teilen des Maßnahmepakets erfolgt, kritisiert wird nicht. Sollte das doch geschehen, wird prompt geahndet.

Nicht zu vergessen: Madsen hatte sich im Juni gegen eine Absage eines Konzerts von Xavier Naidoo in der Rostocker Stadthalle gewandt. Seine Begründung: Kein Veranstalter dürfe ausgeschlossen werden, weil man dessen politische oder religiöse Ansichten nicht teile. Der Artikel, aus dem seine Aussage zum Naidoo-Konzert stammt, ist übrigens ebenfalls vom RND, und äußert schon in der Überschrift das Bedauern darüber, dass soviel Meinungsfreiheit noch gewahrt wird: "Xavier Naidoo – Warum können Städte seine Konzerte nicht einfach verbieten?"

Dem Rostocker Oberbürgermeister kann man für die nächste Zeit nur ein dickes Fell wünschen.

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