Meinung

Militärdienstleister aus Dubai übermittelt für RKI Corona-App-Schnelltestdaten

Ecolog International arbeitet sowohl für die Bundeswehr als auch die US-Armee und war im Irak sowie Afghanistan dabei — ein Diagnostikunternehmen ist Ecolog nicht. Das Unternehmen ist auch Mitglied von Lobbyorganisationen der Rüstungsindustrie.
Militärdienstleister aus Dubai übermittelt für RKI Corona-App-SchnelltestdatenQuelle: www.globallookpress.com © Robert Michael/dpa

von Vlad Georgescu

Die vom Robert Koch-Institut (RKI) verantwortete Corona-Warn-App des Bundes kann in der neusten Version auch Ergebnisse der Corona-Antigen-Schnelltests anzeigen. Was für Befürworter des Verfahrens als Vorteil propagiert wird, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Geschäft mit Geschmäckle.

Denn nicht jedes deutsches Testzentrum darf die Ergebnisse ins System speisen. Auf der Liste der Auserwählten stehen Namen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) oder die Drogeriekette dm. Mit dabei ist allerdings auch ein Unternehmen, dessen Hauptsitz in Dubai liegt und das sich seit rund 20 Jahren einen Namen als globaler Militärdienstleister erkämpfte: Ecolog.

Die Nähe von deutschen Regierungsorganen, in diesem Fall vertreten durch die zum Bundesgesundheitsministerium zählende Bundesbehörde RKI, zur Firma aus Dubai mit Niederlassung in Deutschland ist nicht neu.

Schon der von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geführte Freistaat Bayern beauftragte Ecolog im Sommer vergangenen Jahres, PCR-Tests an drei Flughäfen auf dem Territorium der Bundesrepublik durchzuführen. Mit PCR-Diagnostik hatte Ecolog damals ebenso wenig am Hut wie heute: Bekannt wurde das Unternehmen unter anderem für die Versorgung von Truppen der ISAF in Afghanistan und der "Koalition der Willigen" im Irakkrieg 2003.

Trotzdem sollte Ecolog Deutschland GmbH für die Durchführung der PCR-Tests an den Flughäfen Memmingen, Nürnberg und München verantwortlich zeichnen. Internen Papieren, die RT vorliegen und die von der US-amerikanischen Seuchenschutzbehörde CDC stammen, belegen indes, dass PCR-Tests nur von geschultem medizinischem Fachpersonal und unter BSL-2-Laborbedingungen durchgeführt werden sollten.

Allein die Einhaltung der Kühlkette ließe sich praktisch außerhalb der von der CDC genannten Umgebungen nicht realisieren. Das Robert Koch-Institut (RKI) teilt auf seinen Webseiten im Wesentlichen die Sichtweise der CDC.

Warum der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im August 2020 als Verantwortlicher einen Militärdienstleister mit Sitz in Dubai über dessen Tochter Ecolog Deutschland GmbH beauftragte, PCR-Tests mit sensiblen personenbezogenen Daten durchzuführen, ist heute nach wie vor fraglich.

Womöglich ließ sich Söder durch die vollmundigen PR-Töne des Unternehmens bei der Eröffnung des sogenannten Walk-Inns, der PCR-Testanlage am Flughafen Eindhoven, blenden.

Zur Einweihung der Corona-Testanlage von Ecolog sagte Ali Vezvaei, Group CEO von Ecolog International: "Die Einführung von COVID-19-Tests wird als eine der effektivsten Methoden zur Bekämpfung dieser Pandemie angesehen. Um dies zu erreichen, sollten die Tests zu den Menschen kommen. Und sie müssen bezahlbar werden – das ist die Mission unserer Eco-Care (TM) Division."

Dabei hätte Söder schon damals das Wesentliche bei Wikipedia nachlesen können:

"Ecolog ist Mitglied verschiedener Lobbyorganisationen der Rüstungsindustrie, darunter die German Defence Technology Group, der Förderkreis Deutsches Heer, die Association of the United States Army, die International Peace Operations Association und das Corporate Council on Africa."

Für Ecolog International indes ist Bayern nicht der einzige Kunde. Auch die Flughäfen Brüssel und Eindhoven stehen auf der PCR-Test-Liste des Konzerns, der weltweit über 12.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Schwerpunkte liegen, historisch bedingt, ganz anders, wie Wikipedia ebenfalls erklärt:

"Während die 'Gruppe verbundener und assoziierter Unternehmen' in der deutschen Öffentlichkeit bis 2009 fast unbekannt war, ist Ecolog für in Afghanistan oder im Kosovo eingesetzte Bundeswehrsoldaten hingegen ein fester Begriff, da das Unternehmen in den dortigen Feldlagern Dienstleistungen wie Müllbeseitigung, Abwasserentsorgung und die Reinigung der Schmutzwäsche erledigt."

Heute jedoch, nur neun Monate nach der bayerischen Auftragsvergabe, findet sich Ecolog in einer weiteren höchst lukrativen Nische mit deutschen Steuergeldern wieder: Als lizenziertes Testzentrum für Antigen-Schnelltests – und mit dem begehrten Zugang zum Corona-Warn-App-System des Bundes, in das es die Testergebnisse einspeisen darf. Das zum reinen Wiedergabeorgan von Pressemitteilungen verkommene Magazin Der Spiegel listete die Namen der Beteiligten investigativlos auf:

"Zum Start sind auch nur acht offizielle Partner an das System angeschlossen: Bundeskanzleramt, das Bayerische Rote Kreuz, dm-Drogerie markt, Doctorbox, EcoCare, die Healthcare Marke von Ecolog Deutschland GmbH (mit u. a. Lidl), Huber Health Care, das Ministerium für Bildung und Kultur Saarland sowie Testbuchen.de/No-Q."

Doch mit Ecolog auf der Payroll des Staates, der immerhin für den Betrieb der RKI-Warn-App aufkommt und sich auch an der Finanzierung der Schnelltests beteiligt, könnte neben Markus Söder in Bayern jetzt ebenso Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in die Bredouille geraten. Denn das Unternehmen war bereits 2009 aufgefallen.

Laut Wikipedia berichtete der NDR Info nämlich im Dezember 2009, "dass die Bundeswehr Ecolog bis 2007 Aufträge erteilte, ohne die vom Vergaberecht vorgeschriebenen europaweiten Ausschreibungen durchzuführen. Das Bundesverteidigungsministerium begründete diese Freihändige Vergabe mit den 'Gegebenheiten vor Ort'."

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