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Nicht nur Russlands neuer Ansatz für den Kampf zur See: Schwärme unbemannter Marinefahrzeuge

Russland arbeitet weiter an der Entwicklung unbemannter Unter- und Überwasserfahrzeuge. Ähnlich wie es bei vielen militärischen Drohnen bereits der Fall ist, sollen auch diese Geräte in Schwärmen eingesetzt werden. Der Ansatz revolutioniert die Kriegsführung zur See.
Nicht nur Russlands neuer Ansatz für den Kampf zur See: Schwärme unbemannter MarinefahrzeugeQuelle: Sputnik © RIA Nowosti

von Michail Chodarjonok

Im Hinblick auf die zukünftige Kriegsführung dürfte die Wasserverdrängung solcher unbemannter Schiffe, ob Überwasserschiffe oder Unterseeboote, wahrscheinlich zwischen 500 und 1.000 Tonnen nicht überschreiten. Ihre taktische Funktion wäre das unbemerkte Anpirschen an ein Ziel, um dieses zu zerstören. Dank ihres relativ geringen Preises wird der Verlust einer Marinedrohne keine größeren Auswirkungen auf den Ausgang einer Marineoperation haben und damit auch nicht auf den gesamten Kriegseinsatz zur See.

Heute geht es darum, solche unbemannten Marinefahrzeuge nicht einzeln oder in kleinen Gruppen im Gefecht zu testen, sondern als Schwarm. Militärexperten sind der Ansicht, dass dieser Ansatz der optimale ist. Wenn dies aber der Fall ist, stellt sich die Frage nach der Einrichtung zuverlässiger Kontrollzentren für die Steuerung und Überwachung der Unterwasserschwärme vor allem auf luftgestützten Gefechtsständen, auf Überwasserschiffen sowie unmittelbar auf den jeweiligen Schiffen und U-Booten, die als Träger von Unterwasserdrohnen ausgerüstet sind.

Ein bemerkenswertes Detail, das vor nicht allzu langer Zeit experimentell bewiesen wurde, ist das Folgende: In größerer Seetiefe von acht oder sogar elf Kilometern wird die Übertragung von Signalen und Steuerbefehlen verglichen mit einer Tiefe von, sagen wir, einem Kilometer weitaus besser.

Einerseits verschafft dies der Unterseedrohne einen ernstzunehmenden Vorteil bei der Annäherung in mehreren tausend Metern Tiefe an ein Ziel. Zumal es derzeit keine Waffen gibt, die in der Lage wären, ein bewegliches Objekt in derart tiefen Gewässern zu vernichten. Auf der anderen Seite aber bleibt es eine Herausforderung, Signale und Steuerbefehle durch wechselnde Medien hindurch zuverlässig zu übertragen. Dieses Problem wird derzeit angegangen, und es gibt dabei bereits deutliche Fortschritte.

Was die zuverlässige Unterwassernavigation der Drohnen betrifft, so könnte dieses Problem durch den Einsatz fortschrittlicher Gyroskope gelöst werden: Auf einer Strecke von 1.000 Kilometern beträgt ihre Abweichung deutlich weniger als 100 Meter, was dabei helfen wird, eine Drohne mit großer Präzision nahe genug an ihr Ziel zu führen.

Als Nächstes stellt sich die Frage nach der Entwicklung und Produktion von Trägerplattformen für diese unbemannten Meeresfahrzeuge. Wie auch die transportierten Drohnen selbst, können und werden auch deren Trägerschiffe sowohl Überwasserfahrzeuge als auch U-Boote sein.

Seedrohnen stellen alle Schiffbaukonzepte wie zum Beispiel Länge, Breite, Kieltiefe, Wasserverdrängung, wie wir sie bisher von Überwasserschiffen kennen, auf den Kopf. Drohnen stellen ganz klar die Zukunft der Seekriegsführung dar.

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Führende schiffbauende Volkswirtschaften gehen in etwa den gleichen Weg wie auch Russland. Die Vereinigten Staaten arbeiten beispielsweise an einem sogenannten Sea Hunter, einem autonomen unbemannten Überwasserfahrzeug, das zur U-Boot-Bekämpfung vorgesehen ist. In den vergangenen Jahren hatte die US-Kriegsmarine die Fähigkeiten dieser Drohne erweitert. Sie soll nicht nur Aufklärung betreiben, sondern auch eigene Waffen gegen Oberflächenziele einsetzen und elektronische Kriegsführung betreiben können.

Die Entwicklung von Sea Hunter ist Teil des breiter angelegten Programms zur unbemannten U-Boot-Bekämpfung durch ausgedehnte Suchpatrouillen ACTUV, das im Jahr 2010 ins Leben gerufen wurde und von der US-amerikanischen Behörde für Forschungsprojekte der Verteidigung (DARPA) finanziert wird.

Laut der US-Behörde zur Kostenabschätzung und Programmauswertung (CAPE), die unabhängige Analysen zu den Programmen des Pentagons durchführt, wird die US Navy bald über Dutzende von unbemannten Über- und Unterwasserfahrzeugen verfügen – zu Lasten des dann kleineren Anteils an größeren Schiffen, wie z.B. Flugzeugträgern.

Aufgrund dieser Entwicklungen werden die US-Tarnkappenzerstörer der Zumwalt-Klasse zu Kontrollzentren für die Steuerung von Luft- und Wasserdrohnen in Seeschlachten umfunktioniert werden. Die US Navy plant eine umfassende Überholung und Aufrüstung ihrer Flotte, um mehr bemannte und unbemannte Seefahrzeuge miteinander zu integrieren.

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Apropos Zumwalt-Projekt: Die Pechsträhne der US Navy mit diesem Lenkwaffenzerstörer lässt sich durch die übermäßig hohe Anzahl neuer und unerprobter Anwendungen und Funktionen erklären. Denn es ist kein Geheimnis, dass neue Technik nicht immer zuverlässig ist. Die Wahrscheinlichkeit eines sofortigen Erfolgs beim Einsatz neuer Systeme liegt bei nur etwa 50 Prozent. Um ein Beispiel zu nennen: Bei der russischen Fregatte "Admiral Gorschkow" betrug die Anzahl neu verbauter experimenteller Lösungen und Funktionen 32, was weit über den 20 bis 25 Prozent lag, die von den meisten ausländischen und russischen Schiffbauunternehmen als das Standard-Maximum angesehen werden. Es war reines Glück, dass die Fregatte dennoch so gelang, wie sie sollte.

Was die Schwärme unbemannter Über- und Unterwasserfahrzeuge angeht, so ist eines sicher: Das Land, das diese Technologie als erstes einführt, wird gegenüber seinen Gegnern zweifellos einen Vorteil in der Seekriegsführung erlangen und im wahrsten Sinne des Wortes künftig der Herrscher über die Ozeane sein.

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Übersetzt aus dem Englischen

Michail Chodarjonok, Militärkommentator für RT.com, ist ein pensionierter Oberst. Er absolvierte im Jahr 1976 die Höhere Ingenieurschule für Raketengestützte Flugabwehr in Minsk und die Kommandoakademie der Luftverteidigungskräfte im Jahr 1986.

Laufbahn: Kommandierender Offizier eines S-75 Flugabwehrraketenbataillons (1980-1983). Stellvertretender Kommandeur eines Fla-Raketen-Regiments (1986-1988). Absolvent der Militärakademie des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation (1998). Leitender Offizier des Oberkommandos der Luftverteidigungskräfte (1988-1992). Offizier in der Haupteinsatzleitung des Generalstabs der Streitkräfte (1992-2000). Chodarjonok arbeitete als Analytiker bei der Nesawissimaja Gaseta (2000-2003) und als Chefredakteur von Wojenno-Promyschlenny Kurjer (2010-2015).

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