Meinung

Paris, Nizza und Wien: Europa im Visier des IS-Terrors

Europa wird zunehmend vom Terror durch IS-Anhänger heimgesucht. Um den Kampf gegen den IS effektiv zu führen, braucht es die richtigen Verbündeten. Doch gemeinsam mit den USA schwächen die EU-Staaten die Gegner des IS im Nahen Osten.
Paris, Nizza und Wien: Europa im Visier des IS-TerrorsQuelle: www.globallookpress.com © Aurelien Morissard via www.imago-images.de

von Arkadi Shtaev

Anfang dieses Jahres wurde der iranische General Qassem Soleimani auf Befehl von US-Präsident Donald Trump getötet. Soleimani galt als einer der erfolgreichsten Militär-Strategen beim Kampf gegen die radikalsunnitischen Milizen des "Islamischen Staates"(IS) im benachbarten Irak. 

Diese Tat markiert den Höhepunkt einer verheerenden Politik des Westens im Nahen und Mittleren Osten, welche seit Jahren den Aufstieg des IS forcierte, flankiert von der Unterstützung und Aufrüstung Saudi-Arabiens – des Königreichs, wo die ideologischen Wurzeln des IS beheimatet sind.

Anleitung zum Mord

Im Westen wurde lange behauptet, der IS sei schon besiegt. Durch das Eingreifen Irans und Russlands, abgeschwächt auch der USA, wurde dem IS das Territorium entrissen, aber nicht die Ideologie. Inzwischen, wie in Paris, Nizza und Wien, agieren IS-Kämpfer als einsame Wölfe und praktizieren eine asymmetrische Kriegsführung.

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In dem inzwischen eingestellten IS-Kampfblatt Rumiyah, das auch auf Deutsch erschienen ist, waren vor einigen Jahren präzise Anleitungen bezüglich dieser Kriegsführung zu lesen. Rumiyah bedeutet Rom auf Arabisch, basierend auf dem Anspruch zur Eroberung der "Heiligen Stadt". Bei dieser Hochglanz-Publikation, die hochprofessionell aufgezogen war, wurde  die Rekrutierung neuer Terroristen im Westen, im ausgedehnten turksprachigen Raum und im bevölkerungsreichen, muslimischen Südostasien propagiert.

Ein besonderes Augenmerk des IS liegt weiterhin auf den westlichen Staaten, wo die sogenannten "einsamen Wölfe" zuschlagen und Attentate verüben sollen. Zu finden waren darin detaillierte Hinweise für Attentate mit Lastwagen ."Es ist eine der sichersten und einfachsten Waffen, die man gegen die Kuffar ("Ungläubigen") einsetzen kann", hieß es dort. Am stärksten wurde die Mordlust instrumentalisiert gegen Muslime, die den Weg des IS ablehnen, die in den Westen immigriert sind. Inzwischen gibt es eine französischsprachige Publikation mit dem gleichen Inhalt. 

Die Rolle Saudi-Arabiens und der USA

Saudi-Arabien hat in den vergangenen Jahrzehnten den Wahhabismus in der ganzen Welt durch Missionierung verbreitet und auch dschihadistische Gruppierungen unterstützt. Der Aufstieg von Al-Qaida, wie auch des IS, sind ein direktes Resultat dieser Politik, die auch durch westliche Waffenlieferungen an Riad verstärkt wurden und werden. Sicherlich, das saudische Königshaus hatte bereits nach den Anschlägen vom 11. September 2001 einige zweifelhafte Einrichtungen geschlossen und die Finanzierung solcher Strömungen reduziert, aber vorwiegend, um Anschläge im eigenen Land zu verhindern.

Die Politik von Donald Trump, der sich der Fehlerhaftigkeit der Politik seiner Vorgänger bewusst war – leider ohne die nötigen Konsequenzen daraus zu ziehen, denn seine eigenen merkantilen Interessen standen dem im Wege –, ist Wasser auf die Mühlen des IS. Trump hofiert Riad gegenüber dem gemeinsamen Feind Teheran. Strategisch aber, um eine wirksame Änderung der fatalen Fehlentwicklung einzuleiten, wäre ein Ausgleich mit dem Iran von Vorteil. Der ehemalige CIA-Agent Robert Baer hatte die engen Beziehungen der USA zu Saudi-Arabien als "sleeping with the devil" bezeichnet, als mit dem Teufel schlafen, in seinem dazu lesenswerten Buch

Europa ist zwar in zunehmenden Maße diesem Terror ausgesetzt, agiert aber hirntot im Nahen Osten, wie es der Journalist Aktham Suliman jüngst in einem Interview trefflich ausgedrückt hat

Es wäre im Sinne Europas, seine Anti-Assad und Anti-Iran-Politik zu überdenken, denn nur mit stabilen Staaten in der Region ist der IS zu besiegen.

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