Meinung

Warum die Angst vor "Verschwörungstheorien"?

Die politisch-mediale Elite fühlt sich offenbar herausgefordert, denn in jüngster Zeit nutzt sie verstärkt den Terminus "Verschwörungstheoretiker" zur Diffamierung Andersdenkender. Doch woher kommt der Begriff eigentlich, und warum gibt es keinen ehrlichen Dialog?
Warum die Angst vor "Verschwörungstheorien"?Quelle: www.globallookpress.com © Christian Ohde via www.imago-ima

von Falko Looff

Seit geraumer Zeit hat der politisch-mediale Mainstream ein neues Wort im Setzkasten seiner Sprachgerüste: Verschwörungstheorie. Das ist für den Mainstream allerdings nicht etwa ein neutraler Begriff zur Beschreibung eines gesellschaftlichen Phänomens. Nein, es ist ein eindeutig negativ konnotiertes Wort und wird in der veröffentlichten Meinung in der Regel immer dann genutzt, wenn Einzelne oder auch Gruppen von Personen der "Geruch des Absonderlichen" angehängt werden soll. Zeit also, sich einmal näher mit diesem Thema zu befassen.

1. Ursprung und Bedeutung des Begriffs

Der Begriff hat seinen Ursprung im Englischen ("conspiracy theory") und erfuhr seine besondere Aufladung im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Kennedy-Attentat. Zur Aufklärung der Umstände des Mordes am US-Präsidenten wurde von dessen Nachfolger Lyndon B. Johnson eine Untersuchungskommission eingesetzt. Die nach ihrem Vorsitzenden, dem Obersten Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten Earl Warren, benannte Kommission gelangte zu dem Schluss, bei dem Attentäter Lee Harvey Oswald habe es sich um einen Einzeltäter gehandelt. Dem im Raum stehenden Verdacht einer Verschwörung wurde somit widersprochen.

Weitere Untersuchungen ergaben jedoch, dass FBI, CIA und Secret Service erhebliche Informationen vor der Warren-Kommission geheim gehalten hatten, die zu einem anderen Ergebnis hätten führen können. Auch wurden später Zweifel am Aufklärungsinteresse der Kommission laut, da deren Mitglieder von diversen staatlichen Institutionen abhängig waren bzw. ihnen sogar angehörten. Um dem "Unbehagen" an der offiziellen Version in der Gesellschaft (und damals auch in Teilen der Medien) zu begegnen, entwickelte die CIA 1967 eine geheime Handreichung zur Diskreditierung von "Zweiflern".

Ein Teil der darin vorgeschlagenen Strategien lag in der Verächtlichmachung von Kritikern. Jenen, die "Verschwörungstheorien" äußerten, sollte die Integrität abgesprochen werden – denn nach dem offiziellen Abschlussbericht gab es ja gar keine Verschwörung. Es wurde vorgeschlagen, den Kritikern zu unterstellen, sie seien etwa politisch motiviert, von finanziellem Interesse getrieben, hätten inakkurat recherchiert oder seien schlicht in ihre eigenen Theorien vernarrt.

Der Begriff erhielt später auch Einzug in den deutschen Sprachgebrauch und wird seit einigen Jahren verstärkt verwendet – in der Regel von Vertretern des politisch-medialen Mainstreams. Dabei stören sich einige jedoch an dem Wortteil "-theorie", denn dies suggeriere eine Wissenschaftlichkeit der vertretenen Inhalte, die so aber gar nicht gegeben sei. Empfohlen wird stattdessen beispielsweise der Begriff "Verschwörungsmythos". Damit soll ausgedrückt werden, dass die entsprechenden Inhalte keine substanzielle Basis haben. Oder es wird alternativ der Ausdruck "Verschwörungsideologie" vorgeschlagen. Damit will man wiederum darstellen, dass hinter den vertretenen Inhalten ein bestimmtes Weltbild, eine bestimmte Ideologie stehe.

2. Zweck und Verwendung des Begriffs

Kurz gesagt: Der Zweck ist genau derselbe wie 1967, und ebenso die Verwendung. Der Begriff fällt in der Regel dann, wenn Diskreditierung beabsichtigt ist. Wer so getroffen werden soll, wird diesen Begriff auch nicht für sich selbst wählen – natürlich nicht, denn dabei handelt es sich eben nicht um ein neutrales, beschreibendes Wort. Der Terminus ist schlicht ein Werkzeug im Baukasten manipulativer Sprache, die von Mainstream-Medien meist unterschwellig, aber doch gezielt eingesetzt wird.

Um die gewünschte psychologische Wirkung noch zu verstärken, verwendet der Mainstream zusätzlich gerne die Attribute "wirr" oder "krude". Dies ist jedoch eine jüngere Entwicklung. Parallel dazu lässt sich beobachten, wie "Verschwörungstheoretiker" oft in einen Topf mit "Rechtsextremen", "Rassisten", "Nazis" usw. geworfen werden, so als handele es sich dabei per se um das Gleiche. Auch dies dient aber letztlich nur der weiteren Verstärkung des eigentlichen Bestrebens, nämlich der Diffamierung. Denn ein Anhören, eine Prüfung und Abwägung von Inhalten und Argumenten – wie dies in einem offenen Diskurs doch eigentlich geboten wäre – erfolgt in der Regel nicht.

Der Begriff wird daher auch für gewöhnlich genau dann verwendet, wenn einerseits eine inhaltliche Debatte auf Augenhöhe vermieden werden soll, man sich andererseits aber bewusst ist, dass größere Teile der Adressaten eine Antwort auf kritische Argumente einfordern. Dies kann zum Beispiel in einer Situation vorkommen, in der Menschen an einer vom Mainstream ungeliebten Großdemonstration teilnehmen. Oder wenn Menschen das Gefühl haben, Medien berichteten einseitig und tendenziös. Oder auch ganz einfach dann, wenn sich jemand fragt, ob es um mehr als einen gemütlichen Gedankenaustausch im Kreis alter Freunde gehen könnte, wenn sich international hochkarätige Entscheidungsträger in streng abgeschirmten Tagungsorten wie beispielsweise dem Hotel de Bilderberg treffen.

3. Warum fürchtet sich die politisch-mediale Elite vor "Verschwörungstheorien"?

Für gewöhnlich wird zu den einschlägigen Themen erklärt, es handele sich um "wirre Verschwörungstheorien", "zwei Rechtsextreme waren auch dabei" und so weiter. Irgendetwas in dieser Art halt. Damit gibt man unterschwellig das Signal: "Ihr seid nicht gleichwertig. Und deswegen setze ich mich mit euren Argumenten gar nicht erst auseinander." Die Sache ist dann praktisch durch. Die Titulierung als "Verschwörungstheoretiker" fungiert damit sozusagen als eine Art Argumentersatz.

Natürlich ist die Sache nicht wirklich durch, sondern ganz im Gegenteil – sie wird größer. Und wer über etwas Empathie verfügt und bereit ist, die Ohren in die Gesellschaft hinein zu spitzen, wird wissen: Wir stehen hier erst am Beginn einer Entwicklung. Und es stellt sich dann eben doch die Frage: Warum ist es denn eigentlich ein Problem, über Chemtrails, Adrenochrom oder Echsenmenschen zu sprechen? Wenn etwas dran ist, würden wir es dann nicht wissen wollen? Und wenn alles erstunken und erlogen ist, warum dann die Aufregung? Dem gesellschaftlichen Zusammenhalt, der Demokratie und Meinungsfreiheit in diesem Land täte ein ehrlicher Austausch sicher gut. Diffamierungsstrategien sind jedenfalls nicht nur Ausdruck schlechten Stils. Sie werden auf Dauer auch nicht durchzuhalten sein.

Korrektur am 5.10.2020: Im zweiten Absatz wurde die Formulierung "... wurde erstmals im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Kennedy-Attentat verwendet." in "...erfuhr seine besondere Aufladung im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Kennedy-Attentat." geändert. Hintergrund: Wie sich herausstellte, ist der Begriff als solcher schon einmal bei sehr viel früherer Gelegenheit aufgetaucht. Bezüglich seiner heutigen Verwendung als gezielter politischer "Kampfbegriff" lässt sich jedoch eine klare Linie auf das CIA-Papier von 1967 ziehen.

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