Venezuela als Langzeitprojekt: Jeffrey Sachs über US-Imperialismus und den Zerfall des Völkerrechts
Sachs weist die offiziellen Begründungen der USA für den Angriff auf Venezuela als Vorwände und propagandistische Narrative zurück. Er beschreibt die US-Politik gegenüber Venezuela als seit über 20 Jahren verfolgtes Projekt zum Sturz einer Regierung, die sich der US-Hegemonie und insbesondere der US-Kontrolle über die venezolanischen Ölressourcen widersetzt. Bereits Maduros Vorgänger Hugo Chávez habe die USA durch Putschversuche entmachten wollen. Unter Donald Trump sei die Idee einer direkten Invasion offen ausgesprochen und langfristig vorbereitet worden, maßgeblich unterstützt von US-Politikern wie Marco Rubio.
Sachs ordnet den Angriff in ein Muster langfristiger US-Interventionen (wie in der Ukraine und in Syrien) ein, bei denen strategische Ziele über Jahrzehnte verfolgt und mit wechselnden Begründungen legitimiert werden. Er kritisiert den Zustand der US-Innenpolitik scharf: Die Verfassungsordnung sei faktisch ausgehöhlt, der Präsident regiere per Dekret, bereichere sich selbst und führe Kriege, ohne dass es ernsthaften innenpolitischen Widerstand gebe.
International sieht Sachs eine gefährliche Erosion des Völkerrechts und der UN-Charta. Europa agiere entweder unterwürfig gegenüber den USA oder selbst kriegstreiberisch gegenüber Russland, ohne diplomatisches Gegengewicht. Trumps offene Aussagen zur Kontrolle über das venezolanische Öl deutet Sachs als unverhohlenen Imperialismus. Insgesamt warnt er vor einer Rückkehr zu einer gesetzlosen Machtpolitik – diesmal im Atomzeitalter –, durch die die Lehren aus den Weltkriegen und die Institutionen des internationalen Rechts nahezu vollständig zerstört würden.
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