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WikiLeaks-Chefredakteur: "Assange hat keine Chance auf ein faires Verfahren in Großbritannien"

Kristinn Hrafnsson, Chefredakteur von WikiLeaks, hat gestern im Interview mit RT die Haftbedingungen des WikiLeaks-Gründers Julian Assange scharf verurteilt. Hrafnsson erklärte, dass Assange "die meiste Zeit in seiner Zelle verbringt, de facto in Isolationshaft". Hrafnsson warnte, dass die bevorstehende Anhörung von Assange zur möglichen Auslieferung in die USA im Februar "eine Frage von Leben und Tod" sei.
WikiLeaks-Chefredakteur: "Assange hat keine Chance auf ein faires Verfahren in Großbritannien"

Er kritisierte zudem, dass Assanges Anwälte erst seit zwei Wochen ihrem Mandanten Dokumente zur Vorbereitung seiner Anhörung  hinterlassen konnten.

Aber das zeigt, meine ich, und unterstützt das, was Nils Melzer, der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Folter, darüber sagte, wie korrupt und befallen das gesamte System im Vereinigten Königreich, einschließlich der Justiz und der Medien, geworden ist, wenn es um Julian Assange geht. Wir haben es Anfang des Jahres vor britischen Gerichten gesehen, und diese Art von Bestätigung, dass, was Nils Melzer sagte, scheint wahr zu sein, nämlich, dass Julian Assange keine Chance auf ein faires Verfahren in Großbritannien hat, so Hrafnsson. 

Assange war 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet, weil er befürchtete, dass britische Behörden zulassen würden, dass er in die USA ausgeliefert wird. Im April diesen Jahres hatte Ecuador Assange das Asylrecht entzogen, woraufhin britische Beamte ihn festnahmen. Assange musste dann im Londoner Belmarsh-Gefängnis wegen Verstoßes gegen die Kautionsauflagen eine Haftstrafe absitzen. Seine derzeitige Freiheitsstrafe hätte am 22. September erstmals auf Kaution ausgesetzt werden können. Das Gericht entschied aber, ihn bis zu seiner Auslieferungsverhandlung wegen seiner "Flucht-Vergangenheit" inhaftiert zu lassen. 

Die USA fordern seine Auslieferung wegen Spionage. Assange hatte ihm zugespielte Dokumente, Daten und Videos veröffentlicht, die in den USA als geheim galten. Durch seine Veröffentlichungen wurden unter anderem Kriegsverbrechen durch US-Soldaten aufgedeckt. Während diese und die Verantwortlichen jedoch nach wie vor ein Leben in Freiheit genießen, soll Assange der Prozess gemacht werden. Immer wieder weisen Aktivisten, Menschenrechtsvertreter und Experten daraufhin, dass Assange in den USA nicht nur eine lebenslange Haft, sondern auch Folter oder gar die Todesstrafe drohen.

Viele seiner Unterstützer und Kollegen sind der Meinung, dass an ihm ein Exempel statuiert werden soll, um Journalisten überall auf der Welt einzuschüchtern, kritische Informationen über die USA zu veröffentlichen, da ihnen dann droht, verfolgt und in die USA ausgeliefert zu werden, wie etwa auch der renommierte Journalist John Pilger warnte

Laut WikiLeaks-Chefredakteur Hrafnsson zeigt das Vorgehen der britischen Behörden eine voreingenommene Haltung gegenüber dem WikiLeaks-Gründer Assange.