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Anwältin der Sex-Opfer von Milliardär Epstein: Sie haben wirklich Angst, dass man ihnen etwas antut

Rechtsanwältin Gloria Allred, die eine Reihe von Frauen in einem Verfahren wegen Sexualverbrechen gegen den Milliardär Jeffrey Epstein vertritt, erklärte, dass der Prozess wohl nicht vor Juni 2020 stattfinden wird. Dies sagte sie gestern vor einem Bundesgericht in Manhattan in New York der Presse.
Anwältin der Sex-Opfer von Milliardär Epstein: Sie haben wirklich Angst, dass man ihnen etwas antut

Die Anwältin betonte, dass die Verzögerung auf eine Reihe von Anträgen zurückzuführen ist, die von Epsteins Anwälten aufgrund angeblicher verfassungsrechtlicher Fragen und einem Deal zur  Nichtverfolgung von Epstein eingereicht wurden. Sie äußerte den Verdacht, dass sein Team so möglichst viel Zeit schinden möchte, um sich bestmöglich auf den Prozess vorzubereiten, denn Epstein droht eine lebenslange Haftstrafe.

"Mr. Epstein könnte, wenn er verurteilt wird, für den Rest seines Lebens im Gefängnis sitzen, das ist möglich. Also wollen sie sicherstellen, dass sie gut vorbereitet sind", erklärte sie.

Epstein, der beschuldigt wird, Dutzende minderjähriger Mädchen sexuell missbraucht zu haben, plädiert auf unschuldig.

Neu sind die Vorwürfe nicht. Bereits vor über zehn Jahren warfen Dutzende Mädchen dem Milliardär vor, sie missbraucht und sexuell ausgebeutet zu haben. Eine erste Klägerin hatte 2005 den Stein ins Rollen gebracht und eine regelrechte Klagewelle ausgelöst. Es kam zu einem Schneeballsystem. Erst sagte ein Mädchen aus, die kannte weitere Opfer, von denen einige aussagten, die dann wieder weitere Opfer kannten.

Am Ende lag eine 53-seitige Anklageschrift der US-Bundesstaatsanwaltschaft gegen Epstein vor. Er soll gezielt junge Mädchen aus sozial schwachen Verhältnissen rekrutiert und mit diesen gegen Bezahlung intime Begegnungen gehabt haben.

Die bis dahin ermittelten 36 minderjährigen Opfer hätten theoretisch ausgereicht, um Epstein lebenslang ins Gefängnis zu bringen. Doch der nicht nur schwerreiche, sondern auch politisch sehr gut vernetzte Investmentbanker konnte einen skandalösen Deal mit der Justiz aushandeln.

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Im Oktober 2007 traf sich Epsteins Anwalt Jay Lefkowitz mit dem damaligen obersten Staatsanwalt der US-Bundesbehörden in Florida Alexander Acosta, der vor rund zwei Wochen wegen des Epstein-Skandals als Arbeitsminister zurücktrat.

Die beiden handelten einen Deal aus, bei dem Epstein mit einer viel zu milden Strafe davonkam. Epstein bekannte sich in zwei Fällen der Kuppelei für schuldig, wofür er 18 Monate einsitzen musste.

Doch büßte er seine Strafe nicht in einer Gefängniszelle ab, sondern in einer eigens eingerichteten Wohnung in einem Polizeirevier. Darüber hinaus wurden ihm an sechs Tagen in der Woche zwölf Stunden Ausgang gewährt. Die Staatsanwaltschaft willigte dafür ein, keine weiteren Ermittlungen gegen Epstein aufzunehmen.

Dieses Polizeivideo soll eines der Epstein-Opfer bei der Aussage zeigen:

Dass der Fall um Epstein wieder aufgenommen wurde, ist unter anderem einer investigativen Journalistin zu verdanken, die nicht locker ließ und die Angelegenheit weiter verfolgte. Unter dem Titel "Perversion of Justice" veröffentlichte die Miami Herald-Reporterin Julie K. Brown zahlreiche Artikel zu Epstein.

Nachdem am 2. Juli 2019 nach einer Beschwerde die Wiedereröffnung des Epstein-Falls in New York genehmigt und Epstein vier Tage später verhaftet wurde, sagte die Enthüllungsjournalistin:

Es ist fast unnötig zu erwähnen, dass dies sehr mächtige Leute sind, und ich denke, dass sie ein bisschen schwitzen – besonders heute. [...] Es gibt also wahrscheinlich eine ganze Reihe wichtiger Leute, mächtige Leute, die das gerade sehr aus dem Konzept bringt.

Wir müssen abwarten, ob Epstein Namen nennen wird oder über welche Art von Informationen er versuchen wird, zu verhandeln, um vielleicht auf irgendeine Weise hier herauszukommen oder seine Schuld zu mindern.

Epstein soll zu den Reichen und Mächtigen enge Kontakte gepflegt haben, wie etwa zu Ex-Präsident Bill Clinton sowie dem heutigen Präsidenten Donald Trump.

Hier sind einige Fotos, die Epstein mit mächtigen Menschen, wie Donald Tump und Henry Kissinger zeigen:

Letzte Woche wurde Epstein halb bewusstlos und mit Verletzungsspuren am Hals auf dem Boden seiner Zelle aufgefunden. Es ist unklar, was vorgefallen war, ob er etwa einen Selbstmordversuch inszenierte oder unternahm oder von einer anderen Person angegriffen wurde, etwa seinem Zellenmithäftling.

Gloria Allred, die Opfer-Anwältin im Epstein-Fall, wies auch darauf hin, dass die Opfer große Angst davor haben, gegen einen solch mächtigen Menschen zu klagen.

So befürchten viele von denen, die reiche, mächtige, berühmte Männer anklagen, dass ihnen in irgendeiner Weise Schaden zugefügt werden könnte. Das bedeutet Angst vor körperlichem Schaden, wirtschaftlichem Schaden, Reputationsschaden und, wie Sie wissen, emotionalen Angriffen von Menschen, die sie nicht kennen, und manchmal auch von Menschen, die sie kennen. Ich werde nicht sagen, ob diese Angst berechtigt ist, aber definitiv haben viele Anklägerinnen diese Angst."