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Silber-Run der Kleinanleger? Finanzexperte Halver zum Silberpreisanstieg

Der Edelmetallmarkt erlebte seit letzter Woche einen echten Run auf Silber. Vor allem in den USA kamen Edelmetallhändler der teilweise "beispiellosen" Nachfrage an physischem Silber nicht mehr hinterher. Erstmals seit 2013 knackte dann der Silberpreis für eine Feinunze am Montag zeitweise die 30-Dollar-Marke. Aktien von Silberproduzenten schellten ebenfalls in die Höhe.

Der jüngste Run auf das Edelmetall ging mit dem Twitter-Trend #silversqeeze​ einher. Zahlreiche Medien rechneten den Silver-Run den aufständischen WallStreetBets-Kleinanlegern zu, und dass dies ein weiterer Feldzug der Bewegung aus dem Reddit-WallStreetBets-Forum sei.

Diese hatten es durch einen Zusammenschluss von sehr vielen Kleinanlegern geschafft, den Wert der GameStop-Aktie zeitweise zu vervierzigfachen, während große Hedgefonds auf einen Kursverfall der Aktie gesetzt hatten und somit großen Playern am Markt, einen schweren Schlag verpasst. Dabei handelt es sich eigentlich um eine künstlich in die Höhe getrieben Nachfrage. Nachteil: Wer zuletzt verkauft hat das Nachsehen.

Nun gehen die WallStreetBets auf das Edelmetall Silber los, wie es in zahlreichen Berichten von der Börse heißt. Die Überlegung ist: Wenn der Preis über einen längeren Zeitraum genügend ansteigt, müssten jene Großinvestoren, die gegen Gold und Silber gewettet haben, diese Geschäfte schließlich rückgängig machen und zurückkaufen - und würden so den Preis noch weiter in die Höhe treiben. Zum Teil war die GameStop-Aktie auch deshalb so massiv angestiegen.

Große Hedgefonds hatten hier in Spekulation auf fallende Preise, geliehene GameStop-Aktien verkauft, um sie dann später zu einem gewissen Termin "zum gefallenen Kurs" zurückzukaufen. Die Differenz zum vorherigen Verkauf wäre dann der Gewinn. Wenn die Aktie allerdings wider Erwarten im Kurs steigt, wird aus dem "Shortseller-Geschäft" ein Minus-Geschäft, denn sie müssen die Aktien zu den gestiegenen Preisen zurückkaufen. So hatten es die WallStreetBets geschafft, Gladiatoren der Wall Street, einen Milliarden-schweren Schlag zu verpassen.

In Deutschland würden bei dieser Art von Geschäft rund 25 Prozent Steuern auf den Gewinn anfallen. Robert Halver, Finanzmarktspezialist der Baader Bank, erklärt dazu, dass diese "Aktien-Strategie bei GameStop" theoretisch auch bei Silber funktionieren könne. Er selbst bezeichnet den Silbermarkt als "den Markt, der am meisten 'geshortet' wird", weshalb auch hier ein ähnliches Szenario und unermessliche Silberpreise möglich wären. "Die Hedgefonds haben nun eine starke und ernstzunehmende Gegenmacht bekommen" so Halver.

Im berüchtigten Forum r/wallstreetbets stößt man aber allerdings auf wenig Silber-Euphorie, sondern eher auf Ablehnung, was den Run auf Silber angeht. Durch einen Run auf Silber würden eben viele jener Großbanken und Hedgefonds profitieren, denen man eigentlich den Kampf erklärt habe, heißt es von Kritikern. Denn nicht wenige dieser halten die größten Long-Positionen im Silbermarkt. Sie würden also von einem Silber-Kursanstieg profitieren.

Alleine am Freitag hat etwa iShares, die ETF-Tochter des größten Vermögensverwalters der Welt BlackRock, einen Rekordzufluss von 944 Millionen US-Dollar in den iShares Silver Trust erlebt. Strittig ist auch, ob die großen Hedgefonds und Banken überhaupt verstärkt auf einen sinkenden Kurs des Edelmetalls gewettet haben. Bloomberg zitiert dazu einen Experten von "Metals Focus", der frisch eingestiegene Silberinvestoren warnt: "Ihre Ausgangsprämisse ist, dass der Markt manipuliert wird und wir deshalb nicht den wahren Silberpreis sehen. Wir teilen diese Ansicht aber nicht. Sie versuchen, gegen etwas anzukämpfen, das vielleicht gar nicht existiert."

Einige Reddit-Nutzer spekulieren bereits, ob sich professionelle Händler der "feindlichen" Hedgefonds unter sie gemischt haben, um die "Bewegung WallStreetBets" zu ihren Gunsten zu lenken. Andere rufen dazu auf, nur physisches, kein Papier-Silber zu kaufen. Ausgelöst wurde der Silberrun wohl auch durch einem inzwischen gelöschten Thread auf WallStreetBets von letzter Woche. Darin war dazu aufgerufen worden, massenhaft in Silber zu gehen und den Unzen-Preis auf unglaubliche 1.000 Dollar zu pumpen.

Der Preis werde künstlich von der "Großbanken" nach unten gedrückt. "Lasst JP Morgan abstürzen, kauft Silber!", hieß es darin. Einen solchen Squeeze, also das Ausquetschen des viel volatileren Silbermarkts zu erreichen, dürfte sich aber als mehr als schwierig erweisen, wie Experten warnen. Der Silbermarkt ist um ein Vielfaches größer als eine Einzelaktie à la GameStop. Die Silber-Euphorie scheint zumindest heute gedämpft und erstmals gestoppt. Mittlerweile liegt der Preis wieder bei 27,60 Dollar die Feinunze. Auf lange Sicht zeigen sich aber viele Finanzexperten optimistisch, was einen Preisanstieg des Edelmetalls angeht. Es bleibt also vorerst unklar, ob das Interesse von Kleinanlegern an Silber kurzfristig anhalten wird.

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