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Berlin: Arche besucht bedürftige Kinder zu Hause und bringt ihnen Ostergeschenke

Besonders für arme Familien ist die Corona-Krise eine Zerreißprobe. Zu den allgemeinen negativen Konsequenzen durch die Corona-Ausgangsbeschränkungen verschärfen sich auch die Geldnöte. Die Kinder konnten zuvor kostenlos in den Schulen essen. Da diese aber geschlossen sind, fallen die Mahlzeiten weg. Auch viele Tafeln sind geschlossen. Die Arche Berlin besucht die Familien deshalb zu Hause und bringt ihnen Lebensmittel. Zu Ostern verteilte sie Ostergeschenke.
Berlin: Arche besucht bedürftige Kinder zu Hause und bringt ihnen Ostergeschenke

Die Arche musste ebenfalls zahlreiche Einrichtungen schließen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Die Kinder, die zuvor noch die vielen Freizeitangebote des christlichen Hilfswerks nutzten, sitzen nun zu Hause. Die Schulen sind zu, vielen fällt sprichwörtlich die Decke auf den Kopf. Eltern sind überfordert, hinzu kommen Geldnöte, weil kostenlose Mahlzeiten in Schulen und Arche-Einrichtungen wegfallen. Quasi über Nacht mussten die Hilfsorganisationen und Tafeln schließen. Die Arche bringt deshalb Lebensmittel, Windeln, Seife und Kinderspiele direkt zu den Familien nach Hause. Am Ostersonntag war es dem Gründer und Leiter der Arche, Pastor Bernd Siggelkow, ein besonderes Bedürfnis, den Kindern eine Osterfreude zu bereiten. Rund 150 Familien in Berlin suchten er und sein Team auf, um den Kindern Schokoladeneier, andere Süßigkeiten und Spielzeug zu bringen. 

Bei seinem Besuch betonte eine Mutter, wie wichtig für sie diese Unterstützung sei. 

Ganz wichtig. Also, manchmal muss man schon wirklich mit Hartz IV gucken, wie man über die Runden kommt. Besonders, weil sie (die Kinder) jetzt zu Hause sind. Sonst haben sie kostenloses Essen in der Schule und in der Arche und auch im Kindergarten, deshalb ist es wichtig, [dass wir jetzt Unterstützung bekommen].

Siggelkow erklärt, dass in vielen Familien die Luft dünner wird. Schon Anfang April äußerte er sich sehr besorgt, da nun durch das ständige zu Hause sein, auch das Gewaltpotenzial in Familien zunimmt. Er hat in den Jahren seiner Arbeit besonders schwere Schicksale gesehen, vergewaltigte, verwahrloste und hungernde Kinder.

Wie er selbst schreibt: 

Oft gab es herausfordernde, schlimme Zeiten. Wir erlebten vergewaltigte Kinder, leere Kühlschränke, Verwahrlosung, Hoffnungslosigkeit, Spendenrückgänge und vieles andere. 

Nun befürchtet er, dass durch den Wegfall der Angebote der Kinderhilfsorganisation und das ständige "Aufeinanderhocken" die Stimmung in Familien kippt. Er versucht deshalb gerade in diesen Zeiten, regelmäßigen Kontakt zu den Familien und direkt zu den Kindern zu halten, um Notfälle frühzeitig zu erkennen und im besten Fall zu vermeiden. Zweimal die Woche rufen die Arche-Mitarbeiter bei den Kindern zu Hause an und fragen, wie es läuft.

In einem Radio-Interview warnte er:

Ich glaube, dass es im Moment sicherer ist, durch einen dunklen Park zu gehen, als in manchen Familien zu leben. 

Er erlebe aber auch Familien, die ihn positiv überraschen. Jene, die vorher noch als auffällig galten und nun durch die Krise zusammenwachsen und wieder echtes soziales Miteinander erleben. 

Die Wohltätigkeitsorganisation betreibt 27 Zentren und bietet in der Regel Kindern aus ärmeren Familien kostenloses Mittagessen, Nachhilfeunterricht und Unterstützung an. Die Arche schätzt, dass ohne die kostenlosen Mahlzeiten Familien durchschnittlich 250 Euro mehr im Monat für das Nötigste ausgeben müssen. Nach offiziellen Angaben leben in Deutschland fast zwei Millionen Kinder in Familien, die Grundsicherung beziehen.