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Wegen hoher Asylzahlen: Insel für Migranten in Australien wird wiedereröffnet

Das Inhaftierungslager für Australiens ungewollte Migranten auf der Weihnachtsinsel hatte zu Protesten geführt und wurde geschlossen. Jetzt will die Regierung die Anlage neu eröffnen, da sie einen Anstieg der Asylzahlen erwartet. In den Auffangzentren herrscht Perspektivlosigkeit.
Wegen hoher Asylzahlen: Insel für Migranten in Australien wird wiedereröffnet Quelle: Reuters © Beawiharta

Australien hält an seinem harten Kurs in der Flüchtlingspolitik fest. Im Herbst hatte die australische Regierung das Lager für Flüchtlinge auf der Weihnachtsinsel geschlossen. Dieses wurde 2008 eröffnet. Aufgrund der Bedingungen der Unterbringung gab es Proteste und Todesfälle. 

Nun soll es wieder eröffnet werden, so der Premierminister Scott Morrison. Ausschlaggebend sind steigende Flüchtlingszahlen und ein Gesetz, welches Asylbewerbern auf Nauru und Papua-Neuguinea ermöglicht, sich in Australien medizinisch behandeln zu lassen. Nauru ist ein Inselstaat im Pazifischen Ozean mit etwa 10.000 Einwohnern.

Über den Transport entscheiden künftig Mediziner und nicht Politiker. Dort sind jene Flüchtlinge untergebracht, die bereits vor fünf Jahren versucht hatten, Australien per Boot zu erreichen. Diese Methode dient nach Angaben der Regierung auch der Abschreckung. Premierminister Morrison: 

Mein Job ist es jetzt, sicherzustellen, dass die Boote nicht mehr kommen. 

Die ersten Asylsuchenden erreichten die Registrierungsstationen Australiens in Nauru und Papa-Neuguinea im Jahr 2012. Von dem Krankentransport nach Australien wird eine iranische Frau profitieren, die dem Guardian ein Interview gegeben hat. Dennoch hat sie wenig Grund für Optimismus. In Nauru ist sie täglichen sexuellen Belästigungen ausgesetzt. Sie traut nach eigenen Angaben weder Ärzten noch Politikern. Seit mehreren Jahren sitzt sie dort fest. Unter den Flüchtlingen versuchen viele, ihr Leben zu beenden und verletzen sich selbst schwer.

Schon acht Jahre alte Kinder wiesen Anzeichen von Selbstmordgefährdung auf, so die Aussagen von Medizinern und Psychologen. Auf die Traumata folgt ein Resignations-Syndrom, der Wille zum Leben geht verloren. Die Mehrheit der Flüchtlinge stammt aus Myanmar, dem Iran, Irak und dem Libanon. 

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