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War es das Russengift? Deutschland scheitert erstmals in der Vorrunde einer Fußball-WM 

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist zum ersten Mal in ihrer Geschichte in der Gruppenphase einer Weltmeisterschaft gescheitert. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw unterlag am Mittwoch in Kasan mit 0:2 (0:0) gegen Südkorea.
War es das Russengift? Deutschland scheitert erstmals in der Vorrunde einer Fußball-WM Quelle: Reuters

Die deutsche Elf präsentierte sich in einer Verfassung, die eines Weltmeisters unwürdig war, und fiel auf den letzten Platz der Gruppe zurück. Youngg-won Kim und Hyeung-Min Son erzielten die Treffer für die Asiaten in der Nachspielzeit. 

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Schweden zog als Gruppenerster ins Achtelfinale ein, Mexiko erreichte Platz zwei. Die Skandinavier gewannen das Parallelspiel der Gruppe F in Jekaterinburg mit 3:0 (0:0). Der Bremer Bundesliga-Profi Ludwig Augustinsson brachte die Schweden in Führung (50.), Kapitän Andreas Granqvist erhöhte per Foulelfmeter (62.), der dritte Treffer war ein Eigentor des Mexikaners Edson Alvarez (74.).

Die Achtelfinalgegner werden am Abend in den letzten Spielen der Gruppe E ermittelt: Serbien trifft auf Brasilien, die Schweiz auf die bereits ausgeschiedenen Costa Ricaner.

Bereits bei den beiden zurückliegenden Weltmeisterschaften war der Titelträger in der Vorrunde gescheitert. Italien kam 2010 nicht ins Achtelfinale, Spanien musste 2014 nach der Gruppenphase abreisen.

Nach dem so wichtigen Last-Minute-Coup gegen Schweden setzte Löw seine WM-Rotation konsequent fort. Fünf Wechsel nahm er vor. Diesmal traf es zunächst auch Thomas Müller. Sein künftiger Münchner Kollege Leon Goretzka kam für den je fünfmaligen WM-Torschützen der Jahre 2010 und 2014 zu seiner Turnier-Premiere, hatte aber große Probleme, seine Rolle auf rechts zu finden. Auch Niklas Süle, der in der Innenverteidigung neben Rückkehrer Mats Hummels den gesperrten Jérôme Boateng vertrat, kam zu seinem ersten WM-Spiel. Die gegen Schweden aussortierten Mesut Özil und Sami Khedira durften im Mittelfeld wieder mitwirken. Löws Signal: Der Konkurrenzkampf wird hochgehalten. Aber: Der Effekt blieb aus.

"Wir hoffen auf eine gewisse Frische, Dynamik und Schnelligkeit", begründete Teammanager Oliver Bierhoff noch kurz vor dem Anpfiff im ZDF die Personalauswahl des Bundestrainers. Das hatte auch schon Assistenztrainer Marcus Sorg als ganz wichtiges Kriterium genannt.

Löws Taktik-Beobachter auf der Tribüne konnte aber per Funk keine guten Nachrichten auf die Bank übermitteln. Gerade Frische, Dynamik und Schnelligkeit fehlten im deutschen Spiel - auch bei Khedira und Özil, die eher im phlegmatischen Mexiko-Modus agierten. Eine lange Abtastphase beider Teams brachte vor allem Zeitlupenfußball im Mittelfeld. Schwerfällig und behäbig war der Aufbau. Ungenaue Pässe und Flanken, zu wenig Bewegung: So kam das Offensivspiel nicht in Schwung.

Zum Abschluss kamen die Südkoreaner. Torwart Manuel Neuer hatte bei einem Freistoß von Woo-Young Jung (19.) große Fangprobleme, rettete dann aber selbst mit wuchtigem Einsatz vor Heung-Min Son. Der Stürmerstar von Tottenham Hotspur kam kurz darauf zu einem Volley-Schuss (25.).

Die Hitze in Kasan konnte nicht als Ausrede dienen. Das deutsche Spiel plätscherte langsamer dahin, als die Wolga am Stadion vorbeifloss. Neben der fehlenden Dynamik gab es auch ein taktisches Manko. Wenn der noch recht agile Timo Werner immer wieder auf die Flügel auswich, fehlte eine Anspielmöglichkeit im Angriffszentrum. WM-Rekordtorschütze und Löw-Assistent Miroslav Klose sah es auf der Tribüne neben Boateng mit Sorge. Als Werner (43.) dann endlich einmal zum Abschluss kam und den Pfosten traf, hätte ein Tor wegen eines Foulspiels von Jonas Hector ohnehin nicht gezählt. Zur Halbzeit gab es Pfiffe aus dem deutschen Fan-Block.

Die große Chance zur Führung bot sich Goretzka (47.). Sein Kopfball wurde von Südkoreas Schlussmann Hyeon-Woo Jo glänzend pariert. Kurz nach der Führung der Schweden gegen Mexiko in Jekaterinburg vergab Werner eine weitere Großchance. Nun wurde der Druck immer größer. Löw reagierte und brachte Stoßstürmer Gomez für den so enttäuschenden Khedira.

Auch Müller (63.) wurde vom entthronten Weltmeister-Coach noch gebracht. Das zweite schwedische Tor machte die Ausganglage leichter. Nun fehlte wieder nur ein Tor, um den K.o. abzuwenden. Gomez hatte bei einem Kopfball (68.) eine gute Chance, kurz darauf traf er den Ball vor dem Tor nicht richtig. Es fehlte die Körpersprache, das Aufbäumen. Das waren nur noch Verzweiflungsaktionen. Nur Mats Hummels rüttelte immer wieder auf und hatte per Kopfball die Chance zum Lucky Punch (87.). Ohne Erfolg. Kim und Son besiegelten die historische deutsche Fußball-Pleite.

(dpa/rt deutsch)

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