
Kanada strebt assoziierte EU-Mitgliedschaft an

Wie das Wall Street Journal (WSJ) unter Berufung auf anonym bleibende Quellen berichtet, erwägt die kanadische Regierung angesichts des eskalierenden Handelskriegs mit den benachbarten USA die Möglichkeit einer Assoziierung Kanadas mit der Europäischen Union. Der kanadische Premierminister Mark Carney soll seinen politischen Beratern mitgeteilt haben, er plane, Kanadas Wirtschaft und öffentliches Leben, die bisher stark mit den Vereinigten Staaten verknüpft waren, neu auszurichten.
Durch die Partnerschaft mit der EU könnte Kanada den durch die US-Zölle spürbar zurückgegangenen Handel zumindest teilweise ersetzen. Schon jetzt ist die EU mit einem Anteil von 8,7 Prozent zweitgrößter Handelspartner des nordamerikanischen Landes. Der Gesamtwert der gehandelten Waren und Dienstleistungen betrug im Jahr 2025 rund 178 Milliarden kanadische Dollar.
Durch die Assoziierung mittels eines speziellen völkerrechtlichen Abkommens erhielte Kanada weitere politische und wirtschaftliche Vorteile, ohne EU-Vollmitglied zu werden. Allerdings müsste das EU-Parlament zustimmen und der Rat der Europäischen Union die Assoziierung einstimmig verabschieden. Je nach Umfang des Assoziierungsabkommens müssten auch die nationalen Parlamente Kanadas und der EU-Mitgliedstaaten ihr Plazet geben. Ein Stimmrecht in den Entscheidungsgremien der EU hätte Kanada als assoziiertes Mitglied nicht.

Der Schilderung des WSJ zufolge hat der kanadische Premierminister Mark Carney bereits Kontakt zu den europäischen Spitzenpolitikern aufgenommen, darunter Vertreter Frankreichs, Deutschlands und Italiens. Die kontaktierten Staats- und Regierungschefs sollen sich aufgeschlossen gegenüber dem Vorschlag gezeigt haben, das 41,5 Millionen Einwohner zählende Land näher an die EU heranzuführen.
Womöglich setzt der kanadische Premier bereits kommende Woche entsprechende Sondierungsgespräche fort. Denn in einer Pressemitteilung verkündete die kanadische Regierung gestern, Carney werde vom 15. bis zum 17. September Straßburg als Sitz des EU-Parlaments sowie das Vereinigte Königreich besuchen.
Dazu passt ein Bericht des Medienunternehmens Bloomberg, demzufolge die EU und Kanada am 16. September eine strategische Allianz in den Bereichen Handel, Verteidigung und Technologie ankündigen wollen. Im Oktober soll zudem ein EU-Kanada-Gipfel stattfinden.
In der Pressemitteilung der kanadischen Regierung heißt es bezüglich der Europa-Reise Carneys: "In einer sich rasant verändernden Welt konzentriert sich die neue kanadische Regierung auf das, was wir beeinflussen können. Wir stärken unsere Position im Inland und diversifizieren unsere Partnerschaften im Ausland. Unsere europäischen Verbündeten sind dabei natürliche Partner."
Bereits vor der Eskalation des Handelsstreits verdichteten sich die Beziehungen Kanadas zu den EU-Staaten. So erteilte der NATO-Staat im Juli 2026 dem deutschen Rüstungsunternehmen TKMS den Auftrag für die Lieferung von bis zu zwölf U-Booten des Typs 212CD, die für ein deutsch-norwegisches U-Boot-Projekt konzipiert worden waren. Ein Bild-Artikel erklärte Ende August 2026 Kanada bereits zum neuen "strategischen Superpartner" Deutschlands. Vom Aufbau einer neuen Achse über den Atlantik hinweg war da die Rede.
Zudem ist Kanada bereits jetzt Mitglied des EU-Rüstungsbeschaffungsfonds SAFE, der eine Summe von 150 Milliarden Euro umfasst. Im Juni 2025 hatten das nordamerikanische Land und die EU außerdem eine Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft unterzeichnet.
Kanada zählt zu den maßgeblichen Unterstützern des Selenskij-Regimes. Bei einem Kanada-Besuch des ukrainischen Machthabers Anfang September kam es zur Verkündigung einer kanadischen Militärhilfe in Milliardenhöhe. Zudem wurde eine Vereinbarung über eine Drohnen-Kooperation geschlossen.
Auch kulturpolitisch kommt die Eingliederung Kanadas voran: Im Jahr 2027 wird das Land mit dem Ahorn-Symbol auf der Flagge erstmals am Musikwettbewerb Eurovision Song Contest (ESC) teilnehmen, der dann in Bulgarien stattfindet. Im Falle eines Sieges will Kanada den Wettbewerb im Folgejahr ausrichten. Dann fände der ESC 2028 in Toronto oder Vancouver statt.
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