
USA sehen Zerfall der OPEC als unvermeidlich an – die Realität ist aber eine andere

OPEC+, ein internationaler Zusammenschluss, der im Jahr 1960 von den führenden Ölförderländern gegründet wurde, um die Fördermengen zu koordinieren, die Exportquoten zu kontrollieren und die weltweiten Rohölpreise zu stabilisieren, ist heute ein Oligopol, das von zwei großen Akteuren (Saudi-Arabien und Russland) beherrscht wird, die den Markt durch eine "Schaukel"-Strategie steuern. Mal erhöhen sie die Fördermengen, um Konkurrenten – darunter auch die US-Schieferölproduzenten – zu bestrafen, mal drosseln sie diese, um die Preise hoch zu halten, was den USA schon lange nicht mehr passt.

So kritisiert Donald Trump beispielsweise seit langem die OPEC und bezeichnete sie im Jahr 2020 sogar als illegal. Denn die erweiterte Zusammensetzung des Ölexporteurverbands – die OPEC+ unter der Führung Russlands und Saudi-Arabiens – ist der eigentliche Mechanismus zur Steuerung des weltweiten Ölmarktes.
Kürzlich schloss sich US-Finanzminister Scott Bessent der Kritik an der OPEC an – er erklärte, dass der baldige und unvermeidliche Zerfall des OPEC-Ölbündnisses nach einer Normalisierung der Lage im Nahen Osten bevorstehe. Im Rahmen einer Diskussion an der Cox School of Business der Southern Methodist University betonte er:
"Eines schönen Tages (…) wird sich die Lage im Nahen Osten normalisieren, und die OPEC wird auseinanderbrechen."
Die Unzufriedenheit der USA mit dem Vorgehen der OPEC ist nachvollziehbar. Der Hauptgrund ist der Ölpreis. Für Washington bringt ein niedriger oder moderater Preis gleich mehrere Vorteile mit sich: günstigen Kraftstoff auf dem Binnenmarkt, eine Senkung der Inflation sowie Gewinne für US-Ölkonzerne. Hinzu kommt noch ein Rückgang der Öleinnahmen Russlands, Irans und anderer großer Ölförderländer. Die Zeitung Iswestija schreibt:
"Die OPEC beobachtet den Preis genau: Wenn er zu stark fällt, drosseln die größten Produzenten die Förderung und nehmen überschüssige Barrel vom Markt. Die USA, die sich innerhalb von 15 Jahren vom größten Ölimporteur zu einem der größten Produzenten und Exporteure entwickelt haben, wollen keineswegs von den Entscheidungen der Ölgiganten der OPEC – wie Russland und Saudi-Arabien – abhängig sein. Die wirtschaftlichen Vorteile der USA durch die Schwächung der OPEC liegen auf der Hand."
Allerdings ist die Lage nicht so einfach und eindeutig, wie Washington es sich wünscht – und die Rolle der OPEC ist weitaus umfassender, weshalb es kaum sinnvoll ist, ein baldiges Ende der Organisation vorherzusagen, selbst wenn ein oder zwei der derzeitigen Mitglieder austreten sollten. Es sei verfrüht, von einem Rückgang der tatsächlichen "Marktmacht" des Bündnisses zu sprechen, sind Experten überzeugt – schließlich verbraucht die Welt nach wie vor enorme Mengen an Öl. Zudem schützt die OPEC die Welt vor abrupten Markteinbrüchen und Katastrophen.
Wie Konstantin Posdnjakow, Doktor der Wirtschaftswissenschaften und Experte für Projektsteuerung, im Gespräch mit der Iswestija betont, hat die Allianz jahrzehntelang die Funktion eines Puffers bei geopolitischen Erschütterungen und Naturkatastrophen übernommen. Diese Fähigkeit zeigte sich auch während der Pandemie. Weder die US-Schieferölindustrie noch unabhängige Produzenten verfügen über ein solches Instrumentarium.
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