
Vor genau 40 Jahren: Maradonas "Hand Gottes" – das Tor, das die Welt spaltete

Das Viertelfinale Argentinien gegen England im Estadio Azteca in Mexiko-Stadt war mehr als nur ein Fußballspiel. Nur vier Jahre zuvor hatte der Falklandkrieg zwischen den beiden Ländern Tausende Tote gefordert.
Argentinien war militärisch und politisch gedemütigt worden. Die Stimmung im Stadion war entsprechend aufgeladen. Argentinische und mexikanische Fans sangen, englische Fans protestierten. 114.000 Zuschauer drängten sich unter der brütenden Mittagssonne.
🤯🇦🇷 40 years ago today, Diego Maradona's 'Hand of God' moment against England! Argentina went on to win the 1986 World Cup. 🏆 pic.twitter.com/joaRyCIx28
— EuroFoot (@eurofootcom) June 22, 2026
In der 51. Minute passierte es. Nach einer ungenauen Rückgabe des Engländers Steve Hodge sprang Maradona höher als Torwart Peter Shilton. Mit der linken Faust lenkte er den Ball ins Tor. Der tunesische Schiedsrichter Ali Bin Nasser und sein Assistent sahen es nicht – oder wollten es nicht sehen. Das 1:0 stand.
Nur vier Minuten später, in der 55. Minute, folgte das, was viele für das schönste Tor der WM-Geschichte halten: Maradona nahm den Ball im eigenen Mittelkreis auf, dribbelte an fünf englischen Spielern vorbei, täuschte Shilton aus und schob ein. Das 2:0 – später von der FIFA zum "Tor des Jahrhunderts" gewählt.
📅 On this day, in 1986, Diego Maradona scored the goal of the century against England at the World Cup. 🥶🇦🇷
— Football Tweet ⚽ (@Footballtweet) June 22, 2026
That is the best goal in World Cup history. 🔝 pic.twitter.com/p2xudRpiHa
Argentinien gewann 2:1, zog ins Halbfinale ein und wurde am Ende Weltmeister. Maradona war der unbestrittene Star des Turniers.
Nach dem Spiel wurde Maradona gefragt, ob er mit der Hand getroffen habe. Seine legendäre Antwort:
"Ein bisschen mit dem Kopf von Maradona und ein bisschen mit der Hand Gottes."
Damit war der Name geboren: "La mano de Dios" – die Hand Gottes.
In Argentinien wurde das Tor schnell zur Legende, fast schon zur nationalen Heldentat. Es passte perfekt in das Narrativ der "Viveza criolla" – der argentinischen Schlauheit und des Überlebenswillens der Armenviertel, aus denen Maradona stammte. Viele sahen darin eine symbolische Rache für die Niederlage im Falklandkrieg.

In England hingegen galt es als dreister Betrug. Peter Shilton protestierte sofort, die englischen Spieler waren außer sich. Bis heute bleibt die Episode in Großbritannien ein wundes Thema.
Auch 2026 ist die Diskussion nicht verstummt. Im englischsprachigen Raum erschien kürzlich ein vielbeachteter Artikel in The Conversation, der die Frage stellt:
"40 years on, Maradona’s 'Hand of God' goal is still celebrated. But should it be?" ("40 Jahre später wird Maradonas 'Hand Gottes'-Tor immer noch gefeiert. Aber sollte man das?")
Der Sportphilosoph argumentiert klar: Es war ein eindeutiger Regelverstoß und damit Betrug. Das zweite Tor hingegen verkörpere die wahre Schönheit des Spiels.
In Argentinien und weiten Teilen Lateinamerikas wird dagegen gefeiert. Medien wie El Destape oder Todo Jujuy berichten heute von beleuchteten Wandmalereien in den Armenvierteln von Buenos Aires und sehen Maradona weiterhin als Volkshelden.
Viele verknüpfen das Jubiläum mit Lionel Messi – als Übergabe des Staffelstabs.
The Hand of God goal is still one of, if not the most controversial moment in World Cup history.
— The Athletic | Football (@TheAthleticFC) June 22, 2026
In Argentina, it is celebrated as a cunning display of gamesmanship against an arch-rival by the best player of all time.
In England, it’s still mostly viewed as a shameful scandal… pic.twitter.com/64u0tH5WjZ
Das Hand-Tor steht für den menschlichen Makel, das Solo für das Göttliche im Sport. Zusammen ergeben sie ein perfektes Drama – und genau deshalb wird darüber 40 Jahre später noch genauso leidenschaftlich diskutiert wie 1986.
Maradona selbst hat später zugegeben, dass er den Ball mit der Hand gespielt hat. Aber er hat nie bereut, was er damit für sein Land und seine Fans bedeutete.
Heute am 40. Jahrestag wird deutlich, dass die Bewertung dieses Tors stark von der eigenen Perspektive abhängt. Was für die einen ein genialer Trick ist, gilt für die anderen als klarer Regelverstoß. Genau darin liegt die besondere Kraft dieses Augenblicks.
Ein einziges Spiel, eine einzige Minute und ein einziger Spieler vermögen die Welt noch immer zu spalten und zugleich zu verbinden. Diego Armando Maradona bleibt ein Name, der auch nach 40 Jahren nichts von seiner Strahlkraft verloren hat.
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