
Indien verhaftet ukrainische und US-amerikanische Söldner: Was bisher bekannt ist

Sechs Ukrainer und ein US-Bürger wurden am Freitag, dem 13. März, von Indiens Anti-Terror-Behörde festgenommen. Ihnen werden Verbindungen zu Aufständischen in Myanmar sowie subversive Aktivitäten in Indiens nordöstlicher Region vorgeworfen, die an Myanmar, Nepal, Bhutan, China und Bangladesch grenzt.
Am Montag ordnete ein spezielles Gericht der National Investigation Agency (NIA) am Patiala-House-Gericht in Delhi ihre Haft bis zum 27. März an. Dies geschah auf Grundlage des Unlawful Activities (Prevention) Act (UAPA), der Verschwörung, Befürwortung, Beihilfe oder Vorbereitung terroristischer Handlungen unter Strafe stellt, wie die Nachrichtenagentur ANI berichtet.
#WATCH | Special NIA Court at Patiala House Court remanded 6 foreigners in 11 days of National Investigation Agency (NIA) custody. They were produced before the NIA court.It is alleged that they came to India on a visa and then entered Mizoram, which is a protected area.… pic.twitter.com/s7bXItPLTx
— ANI (@ANI) March 16, 2026
Was wird den Verdächtigen vorgeworfen?
Die NIA-Ermittlungen konzentrieren sich RT India vorliegenden Dokumenten zufolge auf die illegale Einreise der Personen in den indischen Bundesstaat Mizoram, wo Ausländer eine Sondergenehmigung benötigen. Außerdem geht es um den illegalen Grenzübertritt nach Myanmar "mit der Absicht, eine vorab geplante Ausbildung für myanmarische Ethnische Bewaffnete Gruppen (EAGs) durchzuführen".
Diese Aufständischen-Gruppen sollen Verbindungen zu Rebellenorganisationen in Indiens Nordosten haben, einer Region, die seit Jahrzehnten von Gewalt geprägt ist – besonders in den letzten Jahren. So steht der Bundesstaat Manipur seit 2023 im Fokus tödlicher ethnischer Konflikte mit Hunderten Toten und Tausenden Vertriebenen.

Die NIA hat offenbar auch Beweise dafür gefunden, dass die Beschuldigten mehrere Drohnen-Lieferungen aus Europa an Personen und Gruppen in Mizoram weitergegeben haben. Laut Indian Express teilte die NIA dem Gericht mit, die Verdächtigen hätten bei Verhören ausgesagt, sie stünden "in direktem Kontakt mit unbekannten Terroristen und haben terroristische Aktivitäten mit AK-47-Gewehren unterstützt".
Auszügen des First Information Report (FIR), die RT vorliegen, zufolge untersuchen die Sicherheitsbehörden auch die Handys der Festgenommenen, "um die Verschwörung aufzudecken, die von den Beschuldigten geplant wurde, um lokale ethnische Gruppen in Indien zur Beeinträchtigung der nationalen Sicherheit Indiens einzusetzen".
Was wissen wir über die festgenommenen Ausländer?
Neu-Delhi hat bisher keine offizielle Stellungnahme abgegeben, doch Dokumente, die RT vorliegen, nennen Namen, Nationalitäten und Aufenthaltsorte der von der NIA Festgenommenen. Es handelt sich um:
Matthew Aaron VanDyke (US-Bürger)
Petro Hurba (ukrainischer Staatsbürger)
Taras Slyviak (ukrainischer Staatsbürger)
Ivan Sukmanovskij (ukrainischer Staatsbürger)
Marian Stefankiw (ukrainischer Staatsbürger)
Maksim Hontscharuk (ukrainischer Staatsbürger)
Viktor Kaminskij (ukrainischer Staatsbürger)
❗️RT INDIA EXCLUSIVE - NAMED: American & Ukrainian Nationals Arrested For Alleged 'Terror Training' In MyanmarThe American named, Matthew VanDyke, has appeared in at least two films - one about his activities in Libya, and another about his 'security' firm, Sons of Liberty… https://t.co/68tmeaRBtIpic.twitter.com/pf5v8mfK4z
— RT_India (@RT_India_news) March 17, 2026
Wie kam es zu den Festnahmen?
Von den sechs Ukrainern in Gewahrsam der Anti-Terror-Behörde wurden drei am Flughafen in Delhi festgenommen. Die anderen drei nahmen NIA-Agenten am Flughafen der nordindischen Stadt Lucknow fest. Der US-Bürger wurde am Flughafen in Kolkata (Westbengalen) – einem wichtigen Tor zu den nordindischen Bundesstaaten – festgenommen.
Alle Festnahmen erfolgten am 13. März zwischen 20 Uhr und Mitternacht indischer Zeit. Das deutet darauf hin, dass die Geheimdienste den Verdächtigen bereits auf der Spur waren und umfangreiche Informationen gesammelt hatten – vermutlich von Interpol oder mit Unterstützung ausländischer Geheimdienste.
Wer ist der US-Söldner Matthew VanDyke?
Der US-Bürger Matthew VanDyke scheint die sozialen Medien zu lieben. Während die NIA eine größere Verschwörung untersucht, sticht sein Name besonders hervor. VanDyke, der als ehemaliger US-Soldat gilt, war bereits an den Fronten in Libyen und später in Syrien aktiv.
Auf seinem X-Account wird behauptet, er habe in Libyen und der Ukraine gekämpft und seit 2019 verdeckte Operationen mit einem venezolanischen Rebellenkommandeur durchgeführt. Er fordert lautstark "FREE IRAN", ohne viele Details zu nennen.
Seine politischen Äußerungen auf X zeigen eine rechtsgerichtete Tendenz, auch wenn es dafür kaum belastbare Beweise gibt. Auf seinem YouTube-Kanal beschreibt er sich mit einem Hauch von Söldner-Romantik, verpackt in demokratische Rhetorik, er bereite "eine unabhängige Mission im Irak vor, bei der er Iraker ausbildet, um sich gegen den Islamischen Staat zu wehren". Er gibt an, Gründer der Sicherheitsfirma Sons of Liberty International (SOLI) zu sein, die vulnerable Bevölkerungsgruppen berät, ausbildet und mit Ausrüstung versorgt, damit sie sich gegen Terroristen verteidigen können. Ein Video mit dem Titel "The Freedom Fighter" zeigt Männer in Tarnkleidung beim Waffentraining.
Ein weiteres Video namens "Point and Shoot" ist der offizielle Trailer eines preisgekrönten Films über die libysche Revolution. In einem X-Post nennt VanDyke die US-Transfrau und ehemalige Propagandachefin der ukrainischen Territorialverteidigung Sarah Ashton-Cirillo seine "Freundin".
VanDyke verdankt seinen Ruhm vor allem seiner Teilnahme am libyschen Bürgerkrieg als ausländischer Söldner im Aufstand gegen den damaligen Machthaber Muammar Gaddafi. Filmemacher, bewaffneter Kämpfer und Rebell – das sind weitere "glorreiche" Rollen, die er sich selbst zuschreibt.
Laut seiner Wikipedia-Seite hat er einen Bachelor-Abschluss in Politikwissenschaft von der University of Maryland, Baltimore County. 2004 soll er an der Georgetown University School of Foreign Service einen Master in Sicherheitsstudien mit Schwerpunkt Naher Osten erworben haben.
Warum ist die NIA-Untersuchung bedeutend?
Gerichtsdokumenten zufolge, die von Medien zitiert werden, gehörten die festgenommenen Ukrainer zu einer größeren Gruppe von 14 Ukrainern, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit Touristenvisa nach Indien einreisten. Sie flogen nach Guwahati, der Hauptstadt von Assam im indischen Nordosten und einem zentralen Knotenpunkt der Region.
Es ist noch unklar, ob VanDyke Teil dieser Gruppe war oder Verbindungen zu ihr hatte. Die NIA-Ermittlungen dürften sich genau darauf konzentrieren – ebenso wie auf die Frage, wie die Beschuldigten ohne angemessene Kontrollen nach Indien und in Sperrgebiete gelangen konnten.
Der Ministerpräsident von Mizoram, Lalduhoma, hatte 2025 erklärt, "Tausende" westliche Söldner mit Verbindungen zu Kiew seien über seinen Bundesstaat nach Myanmar eingereist. "Wir haben konkrete Hinweise, dass Ukraine-Kriegsveteranen über Mizoram in den Chin-Staat Myanmars gereist sind, um Rebellengruppen auszubilden, die gegen die Militärjunta kämpfen", sagte Lalduhoma dem Regionalparlament. Er warf der Regierung vor, dass Mizoram seit der Lockerung der Sondergenehmigungen 2011 zur Förderung des Tourismus als Durchgangsroute für Waffenschmuggel und Kämpferausbildung missbraucht werde. Deshalb wurde die Protected Area Permit später wieder eingeführt, wie lokale Medien berichteten.
Der Ministerpräsident des Nachbarstaats Manipur, N. Biren Singh, hatte 2024 ebenfalls vermutet, dass ausländische Söldner in die Gewalt im Bundesstaat verwickelt seien – darunter Kräfte mit Verbindungen zu Myanmar. Damals kündigte Neu-Delhi den Bau eines Zauns entlang der gesamten 1.643 Kilometer langen, porösen Grenze zu Myanmar an.
Wie hat die Ukraine reagiert?
Das ukrainische Außenministerium hat bei Neu-Delhi am Dienstag offiziell protestiert und die sofortige Freilassung seiner Bürger sowie Zugang zu ihnen gefordert. Das Ministerium behauptete, es gebe keine "festgestellten Tatsachen, die eine Beteiligung der genannten ukrainischen Staatsbürger an illegalen Aktivitäten auf indischem oder myanmarischem Territorium beweisen".
Es warf indischen und russischen Medien außerdem vor, "verzerrte Interpretationen der verfügbaren Fakten" zu verbreiten. Der ukrainischen Botschaft in Delhi sei keine offizielle Mitteilung der indischen Behörden zugegangen, und Konsularzugang zu den Festgenommenen sei nicht gewährt worden. Kiew wies zudem darauf hin, dass bestimmte Sperrzonen für Ausländer in Indien nicht klar gekennzeichnet seien, was das Risiko unabsichtlicher Verstöße erhöhe.
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