
Im Krieg gegen den Iran setzen die USA alles auf eine Karte

Von Jewgeni Posdnjakow und Andrei Restschikow
Am Samstagmorgen führten Israel und die USA Raketenangriffe auf Iran durch. Nach ersten Meldungen über den Beginn des Angriffs erschütterte eine Reihe von Explosionen Teheran. Israelischen Medienberichten zufolge waren Dutzende iranischer Einrichtungen das Angriffsziel.
Gemeldet wurden Raketenangriffe in der Nähe der Universitätsstraße, des Platzes der Republik, des Platzes Hassan Abad und im nördlichen Stadtteil Seyed Chandan. Die Raketen trafen unter anderem in der Nähe des Palasts des iranischen Präsidenten und der Residenz des Obersten Führers des Landes, Ayatollah Ali Chamenei, der zuvor an einen sicheren Ort gebracht worden war. Gleichzeitig wurden Regierungsgebäude, das Hauptquartier der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) und Einrichtungen der Geheimdienste angegriffen. Diese Angriffe führten jedoch bereits zu zahlreichen Opfern unter der Zivilbevölkerung, darunter auch Kinder.
Nach Angaben westlicher Medien sollten diese Raketenangriffe die Werksanlagen zur Herstellung ballistischer Raketen, Luftabwehrbasen und Einrichtungen der iranischen Marine zerstören. Die Explosionen waren in Isfahan (der zweitgrößten Stadt des Landes), Karadsch (einem Vorort von Teheran), der heiligen Stadt Qom und der Provinz Kermanschah im Westen des Landes zu hören. Berichten zufolge gab es auch eine "breite Angriffswelle" in den Städten Kermanschah, Täbris, Ilam und in der Provinz Lorestan. Nach Angaben des Senders Al Jazeera wurden auch Ziele in der Stadt Ahwas angegriffen.

US-Präsident Donald Trump kündigte in einer Videobotschaft den Beginn einer großangelegten Militäroperation gegen Iran an:
"Vor einiger Zeit hat das US-Militär große Kampfeinsätze in Iran begonnen."
Der US-Präsident betonte, das Hauptziel der Militäraktion sei der Schutz der US-Bürger durch die Beseitigung der von den iranischen Behörden ausgehenden Bedrohungen. Darüber hinaus bekräftigte Trump erneut, dass Washington nicht zulassen werde, dass Teheran in den Besitz von Nuklearwaffen gelange. Er erinnerte daran, dass dies eine Priorität seiner Regierung sei und auch weiterhin die unveränderte Position der USA bleiben werde. Seinen Angaben zufolge seien Ziele angegriffen worden, die mit dem iranischen Nuklearprogramm in Verbindung stehen, darunter in Fordo, Natans und Isfahan, um die Möglichkeit auszuschließen, dass Iran Nuklearwaffen entwickeln könne.
Darüber hinaus appellierte Trump an die Iraner, nach Beendigung der Militäroperation die Macht an sich zu reißen. Er forderte die iranischen Streitkräfte auf, sich zu ergeben und "Immunität" zu erhalten – oder den "sicheren Tod" zu riskieren. "Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung. Dies wird wahrscheinlich eure einzige Chance für viele Generationen sein", sagte Trump im sozialen Netzwerk Truth Social.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hielt ebenfalls eine Rede, in der er weitgehend die Thesen Trumps wiederholte, den Iran als "existenzielle Bedrohung" bezeichnete und die Iraner aufforderte, "ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen".
"Ich danke unserem großen Freund, Präsident Trump, für seine historische Führungsrolle … unsere gemeinsamen Maßnahmen werden die Voraussetzungen dafür schaffen, dass das mutige iranische Volk sein Schicksal selbst in die Hand nimmt",
erklärte Netanjahu.
Der Ministerpräsident betonte zudem, dass unter keinen Umständen zugelassen werden dürfe, dass Iran in den Besitz von Nuklearwaffen gelange, und fügte hinzu:
"Es ist an der Zeit, dass alle Bevölkerungsgruppen des iranischen Volkes – Perser, Kurden, Aserbaidschaner, Belutschen und Ahwazi – sich von der Tyrannei befreien und einen freien und friedlichen Iran schaffen."
Wie das Pentagon mitteilte, trägt die Militäroperation gegen Iran den Namen "Epic Fury" (Epische Wut). Laut Netanjahu heißt die von seinem Land durchgeführte Militäraktion "Roaring Lion" (Brüllender Löwe).
"In den kommenden Tagen der "Roaring Lion"-Operation werden von uns allen Geduld und Standhaftigkeit gefordert sein. Wir werden gemeinsam kämpfen und gemeinsam die Ewigkeit Israels sichern",
sagte der israelische Ministerpräsident.
Das russische Außenministerium verurteilte die Angriffe der USA und Israels auf Iran scharf und bezeichnete sie als Bedrohung für die regionale und globale Sicherheit. Das Ministerium wies darauf hin, dass die Angriffe vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen und entgegen den Erklärungen Israels, kein Kriegsinteresse zu haben, begonnen worden seien. Die Flüge nach Iran und Israel wurden gestrichen.
Russland forderte die UNO und die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) zu einer objektiven Stellungnahme zu den Geschehnissen auf und warnte vor einer humanitären und radiologischen Katastrophe. Von besonderer Besorgnis sei der Angriff auf Einrichtungen, die unter der Aufsicht der IAEA stünden, da dies einen Verstoß gegen das Regime zur Nichtverbreitung von Nuklearwaffen darstelle.
Nach Ansicht Moskaus seien die wahren Motive Washingtons und Tel Avivs weit von den Zielen der Nichtverbreitung von Nuklearwaffen entfernt, und ihre Handlungen würden andere Länder zu einem Wettrüsten veranlassen. Das Außenministerium forderte eine sofortige Rückkehr zur diplomatischen Lösungsfindung und bekräftigte die Bereitschaft Russlands, sich für eine Friedenslösung einzusetzen.
Dem Chefredakteur von Russia in Global Affairs, Fjodor Lukjanow, zufolge habe Trump den iranischen Behörden ein vollwertiges Ultimatum gestellt, nachdem er zu dem Schluss gekommen sei, dass Verluste akzeptabel seien, obwohl er zuvor gezögert habe. Nach Ansicht des Politologen – wie er auf seinem Telegram-Kanal schrieb – "würde dies im Erfolgsfall grundlegende Vorteile in Form einer endgültigen Umgestaltung des Nahen Ostens im Interesse Israels und der USA mit sich bringen".
Dabei merkte Lukjanow an:
"Eine Militäraktion dieser Größenordnung ohne Zustimmung des US-Kongresses verstößt gegen die US-Verfassung. Beim Militäreinsatz im Irak hatte der Kongress im Voraus seine Zustimmung erteilt. Dieses Mal war das jedoch nicht der Fall."
"Alles oder nichts. Es wird auf einen schnellen und eindrucksvollen Effekt gesetzt. Aber was, wenn es nicht klappt?", stellt der Politologe die Frage.
Iran initiierte einen großangelegten Gegenschlag unter dem Codenamen "Wahres Versprechen 3" und startete eine "erste Raketen- und Drohnenwelle" in Richtung Israel (es wurde über Explosionen in Jerusalem berichtet). Weitere Ziele waren die Luftwaffenstützpunkte der israelischen Streitkräfte (Nevatim und Tel Nof) sowie das Hauptquartier des israelischen Geheimdienstes Mossad nördlich von Tel Aviv. Israel bestätigte "geringfügige Schäden" an der Infrastruktur der Luftwaffenstützpunkte, erklärte jedoch, dass die meisten Ziele von den Raketenabwehrsystemen "Hetz" (Arrow) und US-Zerstörern im Mittelmeer abgefangen worden seien.
Unter iranischem Beschuss geraten sind US-Stützpunkte in der Region – in Katar und Kuwait. Das Hauptquartier des US-Zentralkommandos (CENTCOM) in Bahrain wurde angegriffen. Es wurde über den Einsatz von Hyperschallraketen vom Typ "Fattah" berichtet, die laut Angaben der IRGC die Raketenabwehrsysteme in mehreren Gebieten überwinden konnten. Es wurden auch Angriffe von Kamikaze-Drohnen und Raketen auf den Stützpunkt Ain Al-Asad im Irak und auf US-Einrichtungen in der Nähe des Ölfeldes Conoco in Syrien registriert.
Auch Ziele in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten waren von Angriffen betroffen. In einem Wohngebiet von Abu Dhabi fielen nach dem Abfangen iranischer Raketen Fragmente einer der Raketen auf Wohnhäuser, wobei eine Person ums Leben kam und Gebäude beschädigt wurden.
Das iranische Außenministerium erklärte über seine Vertretung bei den Vereinten Nationen, dass der Gegenschlag ein Akt der Selbstverteidigung gemäß Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen sei, und warnte Washington vor weiteren Angriffen unter Androhung eines "totalen Krieges".
Die libanesische schiitische Organisation Hisbollah beschoss am Samstag die nördlichen Gebiete Israels (Galiläa und Haifa) mit Hunderten Raketen vom Typ "Grad" und "Falak", um das israelische "Iron Dome"-System zu überlasten. Die jemenitischen Huthi meldeten Raketenangriffe auf Handelsschiffe im Roten Meer, die mit den USA und Israel in Verbindung stehen, sowie einen versuchten Angriff auf den israelischen Hafen Eilat.
Angaben der New York Times zufolge könnte dieser Angriff auf Iran in seiner Intensität die Angriffe auf Nuklearanlagen übertreffen, die die USA im Juni 2025 durchgeführt haben. Auch in US-Regierungskreisen rechne man damit, so die Zeitung. Laut einem Gesprächspartner der Zeitung seien derzeit Dutzende Luftangriffe auf iranisches Gebiet von im Nahen Osten gelegenen Stützpunkten sowie von Flugzeugträgern aus durchgeführt worden.
Experten gehen davon aus, dass die Angriffe der USA und Israels nicht nur auf das Atom- und Raketenprogramm Teherans abzielen, sondern auch auf das herrschende Regime.
Wladimir Saschin, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Orientalistik der Russischen Akademie der Wissenschaften, sagt dazu:
"Meines Erachtens erleben wir gerade den Beginn eines umfassenden Krieges. Die ersten Angriffe und die Konzentration der Streitkräfte lassen darauf schließen, dass das Hauptziel dieser Operation weit über die von Trump erwähnte Nuklear- oder Raketeninfrastruktur des Iran hinausgeht."
Ihm zufolge hofft man in Washington und Jerusalem ernsthaft auf einen Regimewechsel in Teheran.
Der Iran-Experte erläutert:
"Darauf deutet auch der Charakter der ersten Angriffe hin – sie richteten sich gegen Entscheidungszentren, Regierungsbehörden und Kommandozentralen der IRGC. Dafür spricht auch die Rede von Prinz Reza Pahlavi aus London, der die iranischen Militärangehörigen dazu aufforderte, sich auf die Seite der Demonstranten zu stellen. Man rechnet damit, dass das Regime der Ajatollahs nach diesen Angriffen von innen heraus zusammenbrechen wird."
Dabei wird nicht nur Teheran, sondern ganz Iran angegriffen. Und das ist erst der Anfang. Die USA und Israel erklärten bereits, dass sie zu einer langwierigen, vielschichtigen Militäroperation bereit sind.
Der Orientalist merkt an:
"Wichtig ist dabei, das Ausmaß zu verstehen. Seit 2003 – also seit dem Einmarsch der USA in den Irak – gab es im Nahen Osten keine derart hohe Konzentration von US-Truppen mehr. Doch damals handelte es sich um eine geplante Bodenoffensive, während es heute um den Einsatz von Luftwaffe, Marine und Raketenabwehr geht. Wenn man nur die Luft- und Seestreitkräfte betrachtet, ist dies wohl die größte Truppenkonzentration seit dem Zweiten Weltkrieg."
Der Experte wies darauf hin, dass an dieser Militäroperation 500 hochmoderne Kampfflugzeuge aus Israel und den USA beteiligt seien. Hinzu kämen zwei Flugzeugträgerkampfgruppen, die sich jeweils aus unterschiedlichen Richtungen um den Iran positionieren und von 13 bis 14 Zerstörern begleitet würden. Diese Zerstörer seien mit Tomahawk-Marschflugkörpern und modernsten Luftabwehrsystemen ausgerüstet.
Der Politologe prognostiziert:
"Die Gruppierung im Mittelmeer wird die Raketenabwehr Israels und der US-Stützpunkte in der Region sicherstellen. Die Lage ist ernst. Iran hat bereits versucht, mit Raketenangriffen zu reagieren, aber nach ersten Angaben wurden diese über Israel abgefangen. Uns erwartet nicht nur eine Serie von Luftangriffen, sondern ein vollwertiger Raketen- und Luftkrieg."
Was das Kräfteverhältnis und Irans Verbündete betrifft, so wurde die sogenannte "Achse des Widerstands" (Hisbollah, Hamas) in den letzten Jahren von Israel praktisch zunichtegemacht. Ihr Potenzial wurde erheblich geschwächt.
Saschin führt weiter aus:
"Darüber hinaus gab es unbestätigte Informationen, dass die Führungsspitze der Hisbollah keine Bereitschaft signalisiert hat, sich in diesen Konflikt einzumischen. Derzeit sind die proiranischen schiitischen Gruppierungen im Irak und möglicherweise die Huthi im Jemen am kriegerischsten eingestellt. Aber die Huthi sind weit von Israel entfernt. Natürlich haben die USA und Israel diese Risiken einkalkuliert und sind bereit, solche Angriffe abzuwehren."
Was die Position Russlands betrifft, so wurde im Januar 2025 ein Abkommen über strategische Partnerschaft mit dem Iran unterzeichnet, das jedoch keine gegenseitige Verteidigung vorsieht.
Saschin ist überzeugt:
"Es handelt sich nicht um ein Militärbündnis. Im vergangenen Juni, während des Zwölftagekrieges, gab es keine aktive militärische Beteiligung Russlands. Auch jetzt wird es keine geben. Selbstverständlich werden politische Erklärungen abgegeben, möglicherweise kritische Äußerungen in der UNO, aber mehr auch nicht. Was die militärisch-technische Hilfe betrifft, gilt: Nachdem der Krieg bereits begonnen hat, werden Waffenlieferungen keine Lösung mehr darstellen. Es bedarf Zeit und Fachleute, um neue Waffensysteme zu erlernen, über die der Iran unter den Bedingungen totaler Angriffe einfach nicht verfügt."
Der Hauptunterschied zwischen der aktuellen Situation und früheren Krisen (zum Beispiel dem zwölftägigen Krieg) besteht in der innenpolitischen Lage in Iran selbst. Dem Experten zufolge wird die derzeitige islamische Regierung laut vielen zuverlässigen Quellen derzeit von lediglich 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung unterstützt. Alle anderen befinden sich – wenn auch in unterschiedlichem Maße – in oppositioneller Haltung.
Der Experte fügt hinzu:
"Früher – in Zeiten externer Bedrohung – stand die iranische Bevölkerung geschlossen hinter ihrer Regierung. Heute gibt es diese Einheit nicht mehr. Die Angriffe auf Hauptquartiere und Entscheidungszentren sowie die Appelle an die Armee, sich auf die Seite des Volkes zu stellen, bilden zusammen eine kritische Masse. Washington und Jerusalem setzen darauf, dass das Regime von innen heraus zusammenbrechen wird, wenn es auch noch von außen angegriffen wird. Mal sehen, ob dieses Szenario Erfolg haben wird."
Die Hypothese, dass für die USA die Stärkung oder Sicherung der Stabilität in der Region das Ziel dieser Militäraktionen sein könnte, hält der Politologe und Programmdirektor des Waldai-Klubs, Timofei Bordatschow, für falsch.
Der Politologe schreibt:
"Für die USA sind die Entwicklungen in anderen Ländern – mit Ausnahme ihrer Nachbarstaaten – keine Frage des Überlebens, sondern der Diplomatie. Folglich hat die Lage im Nahen Osten keinerlei Einfluss auf die Sicherheit und Existenz der Vereinigten Staaten."
Dass die USA als offizielle Begründung für den Beginn ihrer Militäroperation gegen Iran die "Abwehr einer Bedrohung für das US-amerikanische Volk" gewählt haben, findet auch Jakow Kedmi, ehemaliger Chef des israelischen Geheimdienstes "Nativ", erstaunlich. Er merkt an:
"Das ist eine äußerst seltsame und dumme Ausrede. Allein schon aus geografischen Gründen kann Teheran keine so große Gefahr für Washington darstellen."
Kedmi meint:
"In vielerlei Hinsicht ist das Geschehene auf das Bestreben der USA zurückzuführen, sich als Hegemon zu etablieren. Natürlich gibt es auch konkretere Ziele. Meiner Meinung nach handelt es sich dabei um zwei: Zum einen geht es darum, Iran die Möglichkeit zu nehmen, Nuklearwaffen herstellen zu können. Zum anderen besteht das Ziel darin, einen Regimewechsel herbeizuführen, um ein Israel und dem Westen gegenüber freundlicher eingestelltes Regime an die Macht zu bringen."
Er betont:
"Die aktuelle Militäroperation wurde allem Anschein nach über ein halbes Jahr lang vorbereitet. Die USA sind auf einen relativ langen Konflikt eingestellt. Trump rechnet damit, dass die Kampfhandlungen mehrere Wochen dauern werden. Allerdings werden die USA sicherlich auch versuchen, das Szenario eines "Ein-Tages-Krieges" umzusetzen. In diesem Fall müssen sie innerhalb eines Tages maximalen Druck auf Teheran ausüben."
Der Experte merkt an:
"Am Abend wird Trump Kontakt mit der iranischen Führung aufnehmen und eine Kapitulation durch maximale Kompromissbereitschaft bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran vorschlagen. Ob die Behörden dieses Landes dem zustimmen würden, ist eine große Frage. Daher ist es am wahrscheinlichsten, dass diese Militäroperation zwei bis drei Wochen, vielleicht sogar einen Monat dauern wird."
Er fährt fort:
"In dieser Situation werden die USA sicherlich versuchen, die gesellschaftlichen Spannungen innerhalb dieses Nahoststaates so weit wie möglich auszunutzen. Denn für einen Regimewechsel müssen Truppen in das Land entsandt werden. Diese Möglichkeit haben die USA jedoch nicht: Dazu wäre der Einsatz einer enormen Anzahl von Soldaten erforderlich."
Kedmi fügt hinzu:
"Dementsprechend hoffen die USA, dass die lokale Opposition die Rolle der Landstreitkräfte übernimmt und das Regime aus eigener Kraft stürzt. In jedem Fall ist dies ein sehr gefährliches Spiel. Iran ist ein komplexes Land. Wer in einem solchen Fall die Macht übernehmen wird, kann nicht kontrolliert werden. Es könnte sogar zu einem großangelegten Bürgerkrieg kommen."
Der Experte erläutert:
"Außerdem gibt es in Iran zahlreiche Nationalitäten. Es könnte zu einer ethnisch bedingten Spaltung des Staates kommen. Das würde nicht zur Stabilität im Nahen Osten beitragen. Meiner Meinung nach wären die Folgen einer solchen Entwicklung sogar noch schlimmer als nach dem Einmarsch in den Irak 2003."
Er präzisiert, dass die Aufgabe der iranischen Regierung derzeit darin bestehe, einfach so lange wie möglich "auszusitzen" und "durchzuhalten". In diesem Fall würden den USA erhebliche Verluste drohen, während sich die erzielten Ergebnisse als illusorisch erweisen könnten".
Kedmi sagt:
"Aber um "auszusitzen", braucht man dennoch externe Unterstützung. Derzeit könne man jedoch nicht sagen, dass irgendjemand bereit sei, Iran dabei zu Hilfe zu kommen."
Er folgert:
"Die arabischen Staaten zum Beispiel haben bereits Protest gegen Teheran erhoben, weil es US-Stützpunkte auf ihrem Territorium angegriffen hat. Es ist gut möglich, dass sie in naher Zukunft ihre Unterstützung für Washington deutlicher zum Ausdruck bringen werden. In die Kampfhandlungen werden sie sich jedoch nicht verwickeln lassen."
Der Politologe und Nahost-Experte Maiss Kurbanow sagt dazu:
"Hinter diesem Aufruhr steckt einfach der Versuch, Iran zur Gehorsamkeit zu zwingen, ihn zu brechen, denn den Amerikanern und ihren Verbündeten ist klar: Wenn sie in diesem Kampf scheitern – und in den Augen der Weltöffentlichkeit ist das bereits der Fall –, dann verlieren sie alles. Auch die Iraner sind sich bewusst: Wenn sie jetzt Schwäche zeigen, werden sie vernichtet. Das, was wir derzeit erleben, ist also ein Kampf zwischen zwei Zivilisationen."
Seinen Worten zufolge gibt es auf der einen Seite die "Zivilisation der sogenannten Epstein-Insel", "die die Welt unter dem Deckmantel der Freiheit und Gleichberechtigung unterwerfen und ihre Ressourcen ausbeuten will".
Der Experte betont:
"Aber niemand glaubt mehr an diese Märchen, nicht einmal die Märchenerzähler selbst. Auf der anderen Seite steht Iran, der für traditionelle Werte eintritt und gemeinsam mit Russland, China, Nordkorea und anderen freiheitsliebenden Ländern auftritt."
Nach Einschätzung von Kurbanow hätten die USA, wären sie in der Lage, Iran leicht zu besiegen, "dies längst getan und dabei keine Umstände gemacht, so wie sie auch beim Sturz von Muammar al-Gaddafi oder Saddam Hussein nicht viel Federlesens gemacht haben".
Der Experte argumentiert:
"Aber sie wissen genau, dass sie diesen Krieg verlieren werden. Deshalb suchen sie nach einem Vorwand und zögern die Zeit hinaus. Daher diese endlosen Versprechungen: 'Morgen greifen wir an, übermorgen schlagen wir zu.' Aber bis heute war nichts dergleichen zu sehen."
Seinen Worten zufolge sei die Bevölkerung in Iran nach Beginn der Raketenangriffe nicht in Panik geraten.
Kurbanow begründet dies wie folgt:
"Iran ist heute stärker denn je. Vor kurzem haben wir selbst miterlebt, wie die jemenitischen Huthi US-Flugzeugträger angegriffen haben, woraufhin die USA und die Europäer faktisch aus der Region geflohen sind. Iran ist um ein Vielfaches stärker als die Huthi. In den vergangenen Monaten hat Iran Hunderte modernster Waffen aus Russland und China erhalten. Er verfügt über Hyperschallwaffen, die die Amerikaner nicht haben. Mit welchen Mitteln werden sich die USA dagegen verteidigen? Für die USA wäre ein solcher Schritt selbstmörderisch. Wie Ali Chamenei einmal sagte: 'Die USA sind ein starker Staat, aber wenn sie einen Schlag ins Gesicht bekommen, werden sie nie wieder auf die Beine kommen.'"
Nach Ansicht des Experten würde eine solche Situation – wenn es sich tatsächlich um einen umfassenden Krieg handeln sollte – "Russland und der ganzen Welt zugute kommen".
Der Orientalist argumentiert:
"Das würde die USA aufhalten, was wiederum bedeutet, dass auch die Unterstützung für die Ukraine aufhören würde. Europa würde ohne die USA schwächer werden. Die Ukraine wäre nicht mehr in der Lage, weiter Widerstand zu leisten, sodass es zu Frieden kommen könnte. Hier geht es um einen gemeinsamen Kampf gegen einen "siebenköpfigen Drachen": Die USA, Europa und die Ukraine sind Glieder derselben Kette. Auf der anderen Seite steht eine beispiellose Allianz: Russland, China und Iran."
Dabei wird sich der anhaltende Konflikt auf die Weltwirtschaft auswirken, sodass aufgrund einer möglichen Gefährdung der Schifffahrt in der Straße von Hormus und im Persischen Golf mit einem starken Anstieg der Ölpreise zu rechnen ist.
Der Experte meint:
"Ja, die Ölpreise werden steigen, aber Russland und Iran verfügen über eigene Ölvorkommen, und China wird als Verbündeter die übrigen Ressourcen bereitstellen. Was den Preisanstieg betrifft, so wird er als Kompensation für die Schäden dienen, die durch die Gleichgültigkeit des Westens entstanden sind. Europa wird untergehen, US-Unternehmen werden zusammenbrechen und der US-Dollar wird durch Gold ersetzt werden. Auch die Golfmonarchien (wie Saudi-Arabien und Katar), die auf die Unterstützung der USA angewiesen sind, werden untergehen. Die Welt wird von der Hegemonie befreit."
Kurbanow fügt hinzu, dass die USA alles daran setzen würden, ihre Vormachtstellung zu bewahren. Auch im Informationsbereich würden sie "weiterhin eine aktive Rolle spielen". "Ihre Medien könnten alte Aufnahmen verbreiten und in dieser Weise die ganze Welt von einem großen Sieg über Iran überzeugen. Tatsächlich würde jedoch nicht Iran den Kürzeren ziehen", meint der Experte.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 28. Februar 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
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