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Russisch-italienischer Reporter in der Türkei festgenommen

Andrea Lucidi kam mit einer Gruppe von Journalisten und Rechtsexperten in die Türkei, um Daten über die dortigen Gefängnisse zu sammeln. Die Festnahme der Beteiligten könnte aber auch mit einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats zu tun haben, auf der Lucidi sprechen sollte.
Russisch-italienischer Reporter in der Türkei festgenommen© © Telegram / Andrea Lucidi

Der russisch-italienische Reporter Andrea Lucidi, der über den Konflikt in der Ukraine berichtet, sagte, er sei in der Türkei festgenommen und von dort nach Italien abgeschoben worden.

Lucidi ist der Herausgeber der italienischen Ausgabe des Portals Internationale Reporter. Er arbeitete seit 2022 in Russland und wurde im Januar russischer Staatsbürger. Der Journalist hatte zuvor Bedenken bezüglich einer Rückkehr nach Italien geäußert, wo er als "Kremlagent" bezeichnet wurde.

Türkische Polizisten nahmen Lucidi am Donnerstag zusammen mit einer Gruppe ausländischer Journalisten und Rechtsexperten fest, die in das Land gekommen waren, um Daten über das dortige Gefängnissystem zu sammeln. Unter den Festgenommenen befanden sich Bürger Russlands, Frankreichs, Spaniens und Belgiens.

In einem Video, das Internationale Reporter veröffentlichte, sagte Lucidi, die festnehmenden Beamten hätten entgegen dem Protokoll Zivilkleidung ohne Kennmarken getragen und nie den Grund für die Festnahme der Gruppe mitgeteilt. Nach Angaben des Journalisten wurde ihnen auch weder Anwalt noch Dolmetscher zur Verfügung gestellt, und ihre Bitten, Kontakt mit den jeweils zuständigen Konsulaten aufzunehmen, wurden verweigert.

Lucidi sagt, er und die anderen seien in ein Abschiebezentrum für illegale Einwanderer gebracht worden, das er mit einem "Konzentrationslager" verglich. Am nächsten Tag wurde er nach Italien abgeschoben, fügte er hinzu. Er will im April nach Russland zurückkehren.

Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, sagte dazu, Lucidis Festnahme sei am Tag vor einem Treffen des UN-Sicherheitsrats nach der Arria-Formel geschehen, das Moskau einberufen habe, um "den zerstörerischen Einfluss westlicher Medien auf die Ereignisse rund um die Ukraine" zu diskutieren und bei dem der russisch-italienische Journalist einer der Sprecher sein sollte.

Glenn Diesen, Professor an der Universität Südnorwegen und Herausgeber der Zeitschrift Russia in Global Affairs, verpasste den Termin in New York ebenfalls, weil sein Flug aus Oslo aus "unerklärten Gründen" gestrichen wurde, schrieb Sacharowa am Samstag in einer Nachricht auf Telegram.

"In NATO-Ländern geschehen bemerkenswerte Zufälle? Jeder ist frei, seine eigenen Schlüsse zu ziehen", ergänzte die Sprecherin des russischen Außenministeriums.

Lucidi und Diesen sprachen letztendlich per Video-Link doch noch zur Versammlung in New York.

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