
Wie man den Seehandel Russlands vor britischer Piraterie schützen kann

Von Alexander Timochin
Bekanntlich wurden Anfang 2026 bereits sechs Tanker mit Öl aus Venezuela von den USA gekapert. Die USA haben kein Recht, dies zu tun. Allerdings sind Rechtsnormen für die US-Amerikaner nicht existent – sie handeln aus einer Position der Stärke heraus und ratifizieren die UN-Seerechtskonvention bewusst nicht.
Das Wichtigste ist jedoch, dass das Beispiel Washingtons auch London zu ähnlichen Maßnahmen motivierte. Unmittelbar nach der Kaperung der Tanker Marinera, Sophia und Olina und noch vor der Kaperung des Tankers Galileo fiel Großbritannien plötzlich ein, dass auch es Sanktionen gegen die sogenannte "Schattenflotte" Russlands verhängt hatte – genauso, wie die USA dies gegenüber Venezuela getan hatten. Einige Hitzköpfe in London fanden in einem alten Gesetz mit dem Titel "Sanctions and Money Laundering Act 2018" (Gesetz über Sanktionen und Geldwäsche von 2018), das lange vor Beginn der militärischen Sonderoperation in der Ukraine verabschiedet worden war, eine Bestimmung, wonach Handelsschiffe, die unter dem Verdacht stehen, Sanktionen zu umgehen, vom britischen Militär angehalten und durchsucht werden dürfen.

In den Tiefen der britischen Staatsmaschinerie wird derzeit geprüft, wie man in die Fußstapfen der USA treten und Tanker mit russischem Öl – oder einfach Schiffe auf verschiedenen Sanktionslisten, die nach Russland fahren – mit Gewalt festhalten könnte. Bislang wurde noch keine Entscheidung getroffen, aber britische Spezialeinheiten bereiten sich bereits auf diese Aufgabe vor.
Zuvor hatte Estland versucht, in ähnlicher Weise vorzugehen. Dies führte dazu, dass Russland sich gezwungen sah, mit einem Su-35-Kampfflugzeug über dem Finnischen Meerbusen eine Machtdemonstration durchzuführen und einen Tanker mit estnischer Ladung für mehrere Stunden festzuhalten (ohne Einsatz von Inspektionsgruppen).
Was die Briten betrifft, so erwägen sie nicht nur die Option, Tanker mit Öl zu beschlagnahmen. Sie prüfen auch die Möglichkeit, die Ukraine mit dem so erbeuteten Öl zu finanzieren. Technisch gesehen haben sie alle Mittel dazu.
Die piratenhaften Wurzeln der britischen Seemacht sind heute allgemein bekannt. Zweifellos ist Großbritannien durchaus in der Lage, das zu wiederholen, was es einst zu dem gemacht hatte, was es heute darstellt. Das russische Außenministerium erklärt ganz offen, dass "die Behörden Großbritanniens, die seit Langem Seeräuberei betreiben, von räuberischen Absichten getrieben sind".
Die Briten demonstrierten bereits, wie sie in solchen Fällen vorgehen. Ein Beispiel dafür ist die Beschlagnahmung des iranischen Tankers Grace 1, der von den Iranern zur Lieferung von Treibstoff nach Syrien genutzt wurde, das sich damals unter massivem Sanktionsdruck des Westens befand.
Aus Sicht des Völkerrechts hatte Großbritannien dafür keinerlei Rechtsgrundlage – die UNO hatte keine Sanktionen gegen die Lieferung von Treibstoff nach Syrien verhängt. Dies hielt sie jedoch nicht davon ab, den Tanker am 4. Juli 2019 in der Straße von Gibraltar unter Einsatz von Marineinfanteristen der britischen Marine zu kapern.
Bemerkenswert ist die Wahl des Ortes – der Tanker wurde von den Briten so weit wie möglich sowohl vom Iran als auch vom russischen Marinestützpunkt in Tartus entfernt gekapert, wo ihnen niemand etwas entgegenzusetzen hatte. In gewisser Weise kann man dies als ein Musterbeispiel betrachten. Auf dieselbe Weise könnten sie auch gegen uns vorgehen.
Die Hauptabnehmer russischen Öls sind Indien und China. Die Haupttransportwege verlaufen von der Ostsee über den Ärmelkanal, den Nordwestatlantik, die Straße von Gibraltar, das Mittelmeer, den Suezkanal und weiter in den Indischen Ozean oder, als zweitwichtigster Weg, über das Schwarze Meer, die türkischen Meerengen und weiter wie die Hauptroute.
Dabei kann unsere Marine das Geleit von Tankern garantiert und problemlos in der Ostsee, im Ärmelkanal und im Mittelmeer – von den türkischen Hoheitsgewässern über das Mittelmeer bis hin zum Suezkanal und weiter ins Rote Meer – gewährleisten. Über diese Maßnahmen hinausgehende Aktivitäten würden entweder eine erhebliche Anstrengung erfordern, für die die russische Marine sich nicht vorbereitete, oder wären nur in Form einmaliger Einsätze möglich.
Die Briten verfügen hingegen über Stützpunkte in Gibraltar und im Indischen Ozean. Darüber hinaus sind die britischen Seestreitkräfte grundsätzlich mit globalen Militäroperationen auf See vertraut und verfügen über den dafür erforderlichen Schiffsbestand. Im Rahmen von Anti-Piraterie-Maßnahmen stationieren sie einfach Spezialeinheiten und Hubschrauber auf großen Versorgungsschiffen, auf denen es nicht schwer ist, gute Bedingungen für die Besatzung zu gewährleisten, und halten solche Schiffe monatelang in der entsprechenden Region. Dies reicht völlig aus, um Tanker abzufangen.
In Engpässen und Meerengen fernab seines Hoheitsgebiets könnte Großbritannien einen Teil seiner vorhandenen acht kleinen Patrouillenschiffe vom Typ River einsetzen. Für Einsätze auf offener See verfügt die britische Marine über sieben Fregatten und sechs Zerstörer sowie in einigen Fällen auch über Schiffe der engsten Verbündeten – Kanada und Australien. All dies reicht mehr als aus, um sicherzustellen, dass kein Tanker aus Russland sein Ziel erreicht.
Sollte es zu einer direkten Konfrontation mit Kriegsschiffen der russischen Marine kommen, könnte Großbritannien in bestimmten Situationen auch seine U-Boote und Luftwaffe einsetzen. Dies würde jedoch einen Extremfall darstellen – nämlich den Fall, dass wir uns auf einen offenen Krieg zubewegen. Dennoch wäre es äußerst gefährlich, Großbritannien als Gegner zu unterschätzen.
Nur die russische Kriegsmarine kann Tanker und Massengutfrachter auf See vor einer Kaperung schützen. Und sie muss bereit sein, sich zum Kampf zu stellen.
Großbritannien ist eines der wenigen Länder, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs über Kriegserfahrung auf See verfügen. Trotz erheblicher Probleme mit der Kriegsflotte sind die Traditionen der Royal Navy weiterhin intakt, und sie ist durchaus in der Lage, sich im Ernstfall zum Kampf zu stellen.
Sowohl die von ihren Schiffen eingesetzten Anti-Schiffs-Raketen als auch die Atom-U-Boote der Astute-Klasse, die nun wieder mehr oder weniger einsatzbereit sind, stellen eine reale Bedrohung dar. Dies erfordert nicht nur, dass die gesamte Bewaffnung moderner russischer Schiffe für den Kampfeinsatz entsprechend den taktisch-technischen Aufgabenbedingungen einsatzbereit gemacht wird, sondern auch, dass die Marineangehörigen unter realitätsnahen Bedingungen intensiv für den Kampfeinsatz ausgebildet werden.
Das Ausmaß an militärischen Ressourcen, über die die russische Marine derzeit zur Verteidigung der Schifffahrt verfügt, ist begrenzt. Ebenfalls nachteilig für Russland wirkt sich die Tatsache aus, dass all diese Tanker unter neutraler Flagge fahren und streng genommen nicht zu Russland gehören. Dennoch sind Exporte auf dem Seeweg für die russische Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Der Schutz von Handelsschiffen erfordert angemessene Reaktionsinstrumente in allen Bereichen – von der Vorbereitung der Marine auf Konvoi-Einsätze mit Stützpunkt in Tartus bis hin zur Klärung des rechtlichen Status dieser Schiffe und etwaigen asymmetrischen Gegenmaßnahmen.
An dieser Stelle sei daran erinnert, dass es dem Iran letztlich gelang, seinen Tanker freizubekommen, und zwar auf eine solche Weise, dass die Briten iranische Tanker nicht mehr anzurühren wagten. Die Iraner begannen einfach, Tanker von Unternehmen mit britischem Kapital zu kapern, und taten dies so lange, bis ihr Tanker befreit wurde. Sie fanden einen Ausweg aus der Situation. Russland wird dies ebenfalls tun müssen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 20. Januar 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.
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