
Medien zu Grönland: Europäische Länder könnten US-Truppen Nutzung von Stützpunkten verbieten

Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedsländer hätten in ihren Bemühungen, sofern sie es denn damit ernst meinen, eine ganze Palette an Antworten auf zehnprozentige Zölle auf Waren und Dienstleistungen aus acht europäischen Ländern zur Auswahl, die der US-Präsident ihnen als Bestrafung für mangelnde Kooperationsbereitschaft in der Grönland-Frage am 17. Januar 2026 angedroht hatte. Davon schreibt das Wall Street Journal am 19. Januar. Bei den Ländern geht es um Dänemark, dem die halbautonome Insel angehört, Deutschland, Finnland, Frankreich, Norwegen, Schweden und das Vereinigte Königreich. Falls bis zum 1. Februar keine Bewegung in die Sache kommt, werden die Zölle erhoben, und sollte bis zum 1. Juni 2026 keine für Washington zufriedenstellende Einigung erzielt worden sein, ist eine Erhöhung der Zölle auf 25 Prozent vorgesehen.
Was den besagten Ländern als radikalste Option einer Vergeltung offenstehe, umreißt das US-Börsenblatt wie folgt:
"Der letzte Ausweg wäre, die Nutzung von US-Militärbasen in ganz Europa einzuschränken oder ganz einzustellen."
Ähnlich sieht man es auch bei The Telegraph.
Ein solcher Schritt jedoch würde die ohnehin schon bestehenden Spannungen verschärfen und Donald Trump möglicherweise dazu veranlassen, die US-amerikanischen Truppen gänzlich aus Europa abzuziehen – auch von den durch die Antwort der Europäer eigentlich unberührten Stützpunkten.

Beide Seiten halten es jedoch für hochgradig unerwünscht, die Lage derart eskalieren zu lassen, heißt es im WSJ-Artikel. Bevor es dazu kommt, scheint man es in Europa zunächst ebenso mit Handelsmaßnahmen versuchen zu wollen. Einen dahingehenden Kurs soll dem Economist zufolge Frankreichs Präsident Emmanuel Macron favorisieren: Das britische Magazin schrieb, er wolle als Reaktion auf Trumps Drohung den europäischen Verbündeten vorschlagen, das "Instrument zur Bekämpfung von Zwangsmaßnahmen" (im Original: "Anti-Coercion Instrument") der EU zu aktivieren. Dieses Maßnahmenpaket, auch als "Handels-Bazooka" bekannt, sieht es vor, zuvor an US-Firmen und ‑Konzerne vergebene Lizenzen zu suspendieren oder von besagten Unternehmen erbrachte Dienstleistungen zu besteuern, erinnert CNN. Allerdings gibt es auch hier Probleme – nicht zuletzt lasse sich das Instrument, oder auch einzelne Teilmaßnahmen daraus, nur schwer auf die Schnelle in Gang setzen: Dem Experten Dan Hamilton von der US-Denkfabrik Brookings Institution zufolge können hierfür mehrere Monate anfallen.
Eine weitere Option, Trumps Zöllen zu begegnen, erscheint deutlich weniger kämpferisch und daher weniger medienwirksam, dafür aber potenziell praktikabler. CNN merkt an, dass es möglich sei, eine von dem US-Präsidenten seinen europäischen Partnern möglicherweise absichtlich offengelassene Lücke auszunutzen: Da seine Zölle lediglich einige ausgewählte Länder und nicht die gesamte EU oder gar Europa betreffen, könnten die Logistikwege und Dienstleistungsketten auf dem Kontinent derart umgestaltet werden, dass als Endlieferanten für Dienstleistungen und Waren, an deren Herstellung beziehungsweise Erbringung die acht genannten Länder beteiligt sind, Körperschaften mit Sitz und Gerichtsbarkeit in anderen, nicht betroffenen Ländern fungieren.
Zudem stelle Macron das Handelsabkommen der EU mit den USA infrage, das in diesen Tagen ratifiziert werden soll, schreibt der Tagesspiegel. Die EU und die USA hatten sich im vergangenen Jahr im Zollkonflikt auf einen Deal verständigt, dem das EU-Parlament noch zustimmen muss. Demnach soll der US-Zoll von 15 Prozent für die meisten europäischen Produkte gelten. Zölle auf US-Industriegüter dagegen sollen vollständig abgeschafft werden, und Barrieren für den Import von bestimmten Lebensmitteln sollen fallen. Macron sei derzeit damit beschäftigt, die europäische Reaktion auf die "inakzeptablen Drohungen von Präsident Trump" zu koordinieren, hieß es in Paris weiter.
Seit Beginn der zweiten Amtszeit Donald Trumps als US-Präsident hat das Weiße Haus wiederholt erklärt, Grönland solle Teil der USA werden – und nach der Entführung des Präsidenten Nicolás Maduro aus Venezuela wurde diese Forderung nochmals offen bekräftigt. Trump behauptet, russische und chinesische U-Boote seien angeblich um die autonome Region innerhalb des Königreichs Dänemark unterwegs, während die Verteidigung der Insel lediglich aus "zwei Hundeschlitten" bestehe.
Dies hat in Grönland selbst scharfe Kritik hervorgerufen, wo sich die Behörden und die Mehrheit der Bevölkerung bislang gegen einen Beitritt zu den USA aussprechen. Auch in Europa konnte der Vorstoß keine Unterstützung finden.
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Von Pierre Lévy
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