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Trumps Drohungen gegenüber Grönland – werden sie China und Europa einander näherbringen?

Laut der chinesischen "South China Morning Post" haben Trumps Drohungen gegenüber der EU auch Potenzial für eine bessere Kooperation zwischen China und Europa. Dagegen schreibt der German Marshall Fund, dass sich der Kampf zwischen Brüssel und Peking verschärfen wird.
Trumps Drohungen gegenüber Grönland – werden sie China und Europa einander näherbringen?© Urheberrechtlich geschützt

US-Präsident Donald Trump hat erklärt, die US-Kontrolle über das dänische Territorium Grönland sei eine Frage der nationalen Sicherheit. Wie die South China Morning Post (SCMP) am Donnerstag berichtete, könnten Trumps erneute Drohungen, Grönland zu annektieren, auch Chinas Pläne in der Arktis gefährden.

Gleichzeitig hätten Trumps Drohungen aber auch Potenzial für eine wachsende Kooperation zwischen China und Europa. Die chinesische Zeitung äußerte sich dazu etwas vorsichtig mit den Worten:

"Manche sagen, dass das auch die Tür für mehr Zusammenarbeit mit Europa öffnen könnte."

Nachdem der US-Präsident seine Drohungen gegenüber Grönland kurz nach der Entführung des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro ausgesprochen habe, habe Washington die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit zügig auf das selbstverwaltete dänische Territorium gelenkt. Zumal Donald Trump den Grönländern indirekt auch mit einem militärischen Angriff gedroht habe.

Am Sonntag, dem 4. Januar hatte der US-Präsident erklärt, er brauche Grönland "jetzt sofort" aus Gründen der nationalen Sicherheit. Schließlich seien da "überall russische und chinesische Schiffe" unterwegs, so seine Begründung. Wortwörtlich sagte Trump, dass "natürlich der Einsatz des US-Militärs immer eine Option ist, die dem Oberbefehlshaber zur Verfügung steht."

Die chinesische Regierung verurteilte Trumps Erklärung zu Grönland. Sie forderte die USA auf, die UN-Charta zu befolgen. Die SCMP zitierte auch den Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lin Jian. Dieser forderte die USA auf, "die sogenannte China-Bedrohung nicht länger als Vorwand zu nutzen, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen."

Am Montag, dem 5. Januar, fand die erste Pressekonferenz des chinesischen Außenministeriums im Jahr 2026 statt. Dabei wurde der Sprecher des Außenministeriums, Lin Jian, von einem Vertreter des Senders China Arab TV gefragt, wie die chinesische Regierung Trumps Aussage "Wir brauchen Grönland, ganz klar!" bewerte. Lin Jian antwortete:

"China vertritt stets die Auffassung, dass die Beziehungen zwischen Staaten im Einklang mit den Zielen und Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen gestaltet werden sollten."

Zeitnah meldete sich auch der German Marshall Fund of the United States (GMF) zu Wort – eine US-amerikanische Stiftung zur Förderung der transatlantischen Beziehungen. In einer GMF-Analyse vom 6. Januar stellte auch der Marshall Fund die bisherige transatlantische Zusammenarbeit infrage. Deutlicher als die chinesische Zeitung SCMP erklärte die US-Stiftung, dass der neue Kurs der Vereinigten Staaten sich auf die europäischen Beziehungen zu China auswirken werde.

In der GMF-Analyse heißt es:

"Trumps Ambitionen in Bezug auf Grönland stellen für die transatlantischen Beziehungen im Jahr 2026 ein ebenso großes Risiko dar wie das Schicksal der Ukraine."

Außerdem sollte mittlerweile klar sein, dass "Stabilität und Vorhersehbarkeit in den Beziehungen Europas zu den Vereinigten Staaten, wie es die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen nach ihrem Zollabkommen mit Trump im Juli letzten Jahres formulierte, ein Wunschtraum sind."

Nicht nur Grönland, sondern ganz Europa werde im Jahr 2026 verschärft von den USA unter Druck gesetzt werden, prognostiziert der German Marshall Fund. Die USA würden in diesem Zusammenhang EU-Institutionen untergraben, rechtsextreme Parteien stärken und Brüssel zur Aufhebung seiner digitalen Vorschriften zwingen. Diese Ziele seien in der US-amerikanischen Nationalen Sicherheitsstrategie im Dezember 2025 formuliert worden. Der damit einhergehende enorme Druck seitens Washingtons auf Europa werde die europäischen Beziehungen zu China verändern. Der Autor der GMF-Analyse, Noah Barkin, schreibt dazu:

"Dies dürfte wichtige Auswirkungen auf die Beziehungen Europas zu China haben. Wie mir ein EU-Beamter sagte: 'Die USA haben im letzten Jahr alles andere in den Schatten gestellt. Wie wir mit China weiter vorgehen, wird davon abhängen, ob es eine gewisse Stabilität mit den USA gibt.'"

Allerdings geht Barkin davon aus, dass sich die Länder der EU in einen verschärften Wettbewerb mit China begeben werden. "Deutschland verliert derzeit monatlich 10.000 Arbeitsplätze in der Fertigungsindustrie, während sich der industrielle Wettbewerb mit China verschärft. Immer mehr deutsche Unternehmen fordern von Brüssel Handelsschutzmaßnahmen und Beschränkungen für lokale Inhalte. Selbst der Vorstandsvorsitzende von BASF, dem deutschen Chemiekonzern, der wie kaum ein anderes Unternehmen auf China gesetzt hat, sprach sich kürzlich für die Einführung von Zöllen aus", so der Analyst.

Noch seien die Konsequenzen der veränderten US-Politik gegenüber den ehemals Verbündeten bei diesen nicht angekommen. So habe der Bild-Reporter Paul Ronzheimer in seinem Podcast über die Feiertage zwar die Herausforderungen, denen Deutschland im Jahr 2026 gegenüberstehen wird, thematisiert, aber das wirtschaftliche Verhältnis zu China sei nicht erwähnt worden. Stattdessen sei er auf Trump, Russland, den Aufstieg der AfD, Linksextremismus, den Nahen Osten und Venezuela eingegangen.

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