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"Außer Russland wird sich niemand drum scheren": Erneut Hinrichtungsvideo aufgetaucht

Die Serie von Hinrichtungs- und Foltervideos aus der Ukraine reißt nicht ab: Am Dienstag haben mehrere Journalisten ein weiteres Video veröffentlicht, das augenscheinlich die Erschießung von mindestens fünf am Boden liegenden Kriegsgefangenen zeigt.
"Außer Russland wird sich niemand drum scheren": Erneut Hinrichtungsvideo aufgetaucht

Der Journalist Alexander Kots und der russische Militärexperte und Blogger Boris Roschin haben am Dienstag unabhängig voneinander ein Video veröffentlicht, das offenbar die Erschießung weiterer russischer Soldaten in ukrainischer Kriegsgefangenschaft zeigt.

Das Video – vor dessen Betrachten dringend gewarnt sei, wenn man nicht die nötige Nervenstärke aufbringt, und das Personen unter 18 Jahren generell untersagt ist – zeigt mehrere (mindestens fünf) mit dem Gesicht nach unten am Boden liegende Personen in russischer Militäruniform. Zumindest der Körper, der rechts am nächsten zu dem Filmenden liegt, zeigt Lebenszeichen in Form von Bewegungen, die typischerweise das Atmen begleiten. Auf dem linken Oberarm trägt er eine rote Armbinde, man sieht das dunkelblonde Haar, kurz geschnitten. Daneben liegt ein aufgeschlagenes schwarzes Portemonnaie. 

Zwischen den am Boden Liegenden bewegt sich eine weitere Person, die eine Schusswaffe in der Hand trägt. Nacheinander schießt der Schütze auf die Personen am Boden. Zuerst auf den rechts Liegenden und anschließend der Reihe nach auf die anderen. Man hört jeweils kurze Salven, die Körper am Boden zucken kurz auf. Als die Kamera wieder auf den erstgenannten zurückschwenkt, gibt dieser noch Lebenszeichen von sich, es sind wieder die Atembewegungen, die ihn verraten. Der Schießende richtet den Gewehrlauf direkt auf den Kopf des Soldaten, man hört eine Gewährsalve, aus dem Kopf spritzt eine rote Flüssigkeit, vermutlich Blut.

Die Kamera wandert kurz durch die Umgebung, es ist vermutlich eine Lichtung im Wald, die Bäume und Sträucher tragen noch grüne Blätter. Es ist kein Schnee zu sehen. Derjenige, der geschossen hat, tritt vor die Kamera, sagt auf Russisch oder Ukrainisch (das ist anhand dieser Phrase nicht zu unterscheiden): "Das war's."

Warnhinweis zu dem Video: Es zeigt die Tötung von Menschen und ist verstörend. 

Woher das Video kommt und wann es aufgenommen wurde, lässt sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Es reiht sich in die Abfolge schon bekannter Erschießungsvideos ein, die offenbar Kriegsverbrechen der ukrainischen Seite an Zivilisten und russischen Militärangehörigen dokumentieren.

Kots schreibt dazu: 

"Ein weiteres Video, in dem unsere Gefangenen von ukrainischen Bestien erschossen werden. Warum Gefangene? Weil sich neben den Leichen keine Waffen befinden. Dies ist keine 'Überprüfung' eines besiegten Feindes im Kampf. Dies ist die kaltblütige Tötung von unbewaffneten Menschen."

Der ukrainische Journalist und Blogger Anatoli Scharij hält das Video für authentisch und hat es auf seinem Kanal veröffentlicht. Angaben zu Ort und Zeit der Aufnahme bedürften noch der Recherche, kommentiert er. In den letzten Tagen hatte sich Scharij mehrfach kritisch über die angebliche russische Passivität bei der internationalen Brandmarkung und Ahndung ukrainischer Kriegsverbrechen geäußert. In einem seiner neuesten Videos erinnerte er daran, dass prominente ukrainische Publizisten und Aktivisten seit März in ungesetzlicher ukrainischer Haft seien. Während die Ukraine tatsächliche oder vermeintliche Menschenrechtsverletzungen der russischen Seite stets propagandistisch effektiv ausnutze, kümmere sich Russland nicht um das Schicksal "prorussischer" Ukrainer. 

Scharij argumentiert weiter, es hätte keine weiteren Tötungen russischer Soldaten in ukrainischer Kriegsgefangenschaft gegeben, wenn Russland entschieden genug auf erste Vorfälle dieser Art im März des Jahres reagiert hätte. Damals hatten Videoaufnahmen, in denen ukrainische Soldaten russischen Kriegsgefangenen mutwillig in die Knie schießen, auf internationaler Bühne für Entsetzen gesorgt. Die kritischen Stimmen seien dann jedoch verstummt, als Russland sich aus der Region Kiew und dem Norden der Ukraine zurückgezogen habe und die ukrainische Propaganda das internationale Echo auf die Folterung russischer Kriegsgefangener mit der so genannten "Inszenierung von Butscha" neutralisiert habe. Die ukrainische Propaganda, bilanziert Scharij, sei "tausend Mal effektiver" als die russische. Wenn Russland, so das Resümee des ukrainischen Oppositionellen und Medienexperten, nicht energisch und nachhaltig auf die an seinen Bürgern und seinen Sympathisanten verübten Kriegsverbrechen reagiere und sich damit abfinde, dass das Thema jedes Mal in Vergessenheit gerate, werde sich "niemand darum scheren." 

Marina Achmedowa, Schriftstellerin und Mitglied des russischen Menschenrechtsrates, kommentierte am Dienstag das Video auf ihrem Telegram-Kanal mit den Worten: 

"Ein neues Video von der Erschießung unserer – weiterer – Kriegsgefangenen ist im Internet aufgetaucht. Das ist das, was auf Video aufgezeichnet wurde und uns erreicht hat. Und wie viele (Vorfälle dieser Art) tun das nicht?! Es hat sich herausgestellt, dass die Ukrainer nicht immer unsere Kriegsgefangenen leben lassen. Und wir tauschen deren Soldaten wiederholt aus. Ich frage mich, wie sich die ukrainischen Streitkräfte von der terroristischen ISIS unterscheiden, die Hinrichtungen vor laufender Kamera vornimmt?"

Erst in der zurückliegenden Woche hatte ein Hinrichtungsvideo Entsetzen erregt: Es zeigte am Boden liegende, erschossene russische Militärangehörige. Selbst die New York Times stufte diese Videos als echt ein. Die ukrainische Seite versuchte zunächst, dies als Folge eines Kampfes darzustellen. Später tauchte jedoch eine weitere Sequenz desselben Videos auf, das die vorausgehenden Ereignisse dokumentiert: Es zeigt, wie sich unbewaffnete Soldaten in russischen Tarnuniformen mit erhobenen Händen ergeben und sich auf den Boden legen, in etwa in derselben Stellung, in der sie später tot dalagen. Als die Gefangenen bereits am Boden liegen, setzt ein Schusswechsel ein, offenbar provoziert von einem anderen russischen Soldaten, der sich nicht ergeben wollte. Offenbar "zur Strafe" töteten die ukrainischen Militärangehörigen daraufhin auch die am Boden liegenden russischen Soldaten, die sich zuvor ergeben hatten.

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