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Laut US-Sender kommen 70 Prozent der westlichen Waffen nicht bei Truppen an

Ein Bericht der US-Nachrichtensendung CBS News legt nahe, dass die Fehler, die bereits in Afghanistan, im Irak und in Syrien gemacht wurden, sich wiederholen und Waffen, die in die Ukraine geschickt werden, auf dem Schwarzmarkt landen. Mittlerweile hat CBS News seinen Bericht vom Netz genommen.
Laut US-Sender kommen 70 Prozent der westlichen Waffen nicht bei Truppen anQuelle: AFP © Sergei SUPINSKY / AFP

Während die USA und ihre Verbündeten der Ukraine eine beispiellose militärische Unterstützung leisten, deutet ein vergangene Woche ausgestrahlter Bericht von CBS News darauf hin, dass nur etwa 30 Prozent der vom Westen gelieferten Waffen tatsächlich die Front erreichen. Der Bericht stützt somit die anhaltenden Gerüchte über Korruption und Profiteure des Schwarzmarkts.

Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine im Februar haben die USA der Ukraine Wirtschafts- und Militärhilfe im Wert von mehr als 54 Milliarden US-Dollar zukommen lassen, während Großbritannien allein fast drei Milliarden US-Dollar und die EU weitere 2,5 Milliarden Dollar für Waffen für Kiew beigesteuert hat. Ein ganzes Spektrum an Ausrüstung, von Gewehren und Granaten bis hin zu Panzerabwehrraketen und Raketensystemen, hat die Waffenkammern des Westens in Richtung Ukraine verlassen, wobei der Großteil der Lieferung über Polen abgewickelt wurde. Dies scheint jedoch selten reibungslos vonstatten zu gehen, wie CBS News enthüllte.

"All diese Waffen gehen über die polnisch-ukrainische Grenze und ab da passiert irgendwas, so dass bloß ungefähr 30 Prozent davon ihr endgültiges Ziel an der Front erreichen", sagte Jonas Ohman, der Gründer einer in Litauen ansässigen Organisation, die für das ukrainische Militär Waffenlieferungen organisiert, gegenüber CBS News. Ohman betonte zudem, dass man, um die Waffen zu den Truppen zu bringen, durch ein komplexes Netzwerk von "Machthabern, Oligarchen und politischen Akteuren" navigieren muss.

"Es gibt absolut keine Informationen darüber, wo diese Waffen überhaupt landen", sagte Donatella Rovera, eine leitende Beraterin Krisensituationen bei Amnesty International, gegenüber CBS News.

"Wirklich besorgniserregend ist, dass einige Länder, die Waffen schicken, nicht der Meinung zu sein scheinen, dass es in ihrer Verantwortung liegt, einen robusten Kontrollmechanismus einzurichten."

Die Ukraine hingegen besteht darauf, dass jede einzelne Waffe verfolgt wird, sobald sie die Grenzen zur Ukraine passiert. Yuri Sak, ein Berater von Verteidigungsminister Alexei Reznikow, sagte letzten Monat gegenüber der Financial Times, dass Berichte über Waffen, die spurlos verschwinden würden "ein Teil von Russlands Informationskrieg ist, um internationale Partner davon abzuhalten, die Ukraine weiterhin mit Waffen zu versorgen".

Bei einigen Offiziellen im Westen läuten jedoch bereits die Alarmglocken. Eine Quelle im US-Geheimdienst offenbarte gegenüber CNN im April, dass Washington "so gut wie keine Ahnung" habe, was mit den gelieferten Waffen passiert und erklärte, dass diese Lieferungen "in ein großes schwarzes Loch" fallen würden, sobald sie in der Ukraine angekommen sind. Kanadische Quellen berichteten zudem im vergangenen Monat, sie hätten "keine Ahnung", wo ihre Waffenlieferungen tatsächlich landen.

Europol hat davor gewarnt, dass einige dieser Waffen in die Hände organisierter krimineller Gruppen innerhalb der EU gelangt sein könnten, während die russische Regierung befürchtet, dass Waffen bereits im Nahen Osten seien. Eine Recherche von RT im Juni fand im Darknet Online-Marktplätze, auf denen hochentwickelte westliche Waffen – wie die Panzerabwehrsysteme Javelin und NLAW oder Kamikaze-Drohnen von Typ Phoenix Ghost und Switchblade – zum Kauf angeboten wurden.

In Washington ist es bei beiden im Kongress vertretenen Parteien jedoch verpönt, auf diese Korruption aufmerksam zu machen. Victoria Spartz, eine in der Ukraine geborene Kongressabgeordnete, wurde Berichten zufolge von Parteikollegen und dem Weißen Haus zurückgepfiffen, nachdem sie vorgeschlagen hatte, dass der Kongress aufgrund der grassierenden Korruption in der Ukraine und innerhalb der Regierung von Wladimir Selenskij eine "angemessene Aufsicht" über die Waffenlieferungen einrichten sollte.

"Wenn man Nachschub und eine Logistik bereitstellt, muss eine gewisse Organisation dahinter stehen, oder?" fragte Andy Milburn, ein pensionierter Oberst der US-Marines, gegenüber CBS News rhetorisch. "Wenn also diese Organisation, zu der man sich bereit erklärt, sich daran zu beteiligen, an der ukrainischen Grenze endet, dann ist das Überraschende nicht, dass all das Zeugs nicht dort ankommt, wo es ankommen sollte – das Überraschende ist, dass alle genau das erwartet haben."

Ähnliche Szenarien haben sich bereits in anderen Kriegsgebieten der Welt abgespielt, mit verheerenden Folgen. "Wir haben 2003 mit der von den USA geführten Invasion des Iraks eine Menge Waffen ins Land strömen sehen", sagte Donatella Rovera gegenüber CBS News, "und dann kam 2014, als ISIS große Teile des Landes überrannte und riesige Bestände an amerikanischen Waffen erbeuten konnte, die eigentlich für die irakischen Streitkräfte bestimmt waren".

In ähnlicher Weise standen die US-Streitkräfte, die 2001 in Afghanistan einmarschierten, Kämpfern gegenüber, deren Vorgänger in den 1980er Jahren von den USA bewaffnet worden waren. Als sich die USA 2021 endgültig aus Afghanistan zurückzogen, mussten die Taliban die zurückgelassene militärische Ausrüstung im Wert von Milliarden von Dollar lediglich einsammeln.

Diese Ausrüstung war eigentlich für das afghanische Militär bestimmt, obwohl bereits ein Jahrzehnt zuvor Berichte darauf hindeuteten, dass Waffen, Fahrzeuge und Hilfsgüter für Afghanistan regelmäßig spurlos verschwanden, bevor sie überhaupt zu den eigentlichen Empfänger gelangten.

In Syrien landeten Waffen aus den USA, die für die sogenannten "gemäßigte Rebellen" bestimmt waren, in den Händen von ISIS und den Dschihadisten von Al-Nusra, während wiederum Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien bei den Huthi-Rebellen im Jemen endeten.

Michail Podoliak, ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij, sagte am Sonntag, es gebe "keinen Beweis" dafür, dass Waffen, die in sein Land gelangten, nicht registriert wurden. "Russland versucht, die Ukraine in den Augen der westlichen Gesellschaften mit Vorwürfen über 'Waffen für den Schwarzmarkt' zu diskreditieren", fügte er hinzu, in einem offensichtlichen Versuch, CBS News und andere Kritiker und Warner zu beschuldigen, Moskau politisch in die Hände zu spielen.

Überraschenderweise hat CBS News in der Nacht von Sonntag auf Montag (MEZ) sowohl den rund 30-minütigen Bericht vom Netz genommen, als auch den Tweet gelöscht, mit dem für den Bericht geworben wurde.

Ob dies auf Druck politischer Kreise geschah, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar. CBS News beruft sich bei seiner Entscheidung auf angeblich neue Erkenntnisse. Der Bericht soll jetzt überarbeitet werden und diese neuen Erkenntnisse sollen mit einfließen.

Währenddessen vermeldet das russische Verteidigungsministerium, dass man 45.000 Tonnen Munition, die von der NATO an die Ukraine geliefert wurden, vernichten konnte.

"Im Gebiet Wosnessensk in der Region Mykolajew wurde ein Depot zerstört, in dem 45.000 Tonnen Munition lagerten, die kürzlich von NATO-Staaten an die ukrainischen Streitkräfte geliefert wurden", erklärte das Ministerium und fügte hinzu, dass russische Streitkräfte zudem fünf weitere Munitionsdepots vernichten konnten.

Währenddessen führte die russische Armee Angriffe gegen den Bereitschaftsraum von Einheiten der 72. mechanisierten Brigade der Ukraine in einer landwirtschaftlichen Einrichtung in der Stadt Artemowsk in der Volksrepublik Donezk (DVR) durch. Beim Angriff wurden bis zu 130 Soldaten getötet und zudem acht gepanzerte Fahrzeuge vernichtet, hieß es in der Erklärung des Ministeriums weiter.

Das Ministerium ergänzte, dass die russischen Streitkräfte hochpräzise Lenkwaffen einsetzten, um eine Batterie von Haubitzen der 95. Luftangriffsbrigade der Ukraine im Dorf Dscherschinsk in der DVR anzugreifen. Laut der Erklärung tötete der Angriff bis zu 70 Soldaten und zerstörte drei Selbstfahrlafetten vom Typ 2S1 "Gwosdika" sowie vier Fahrzeuge.

Das russische Verteidigungsministerium stellte zudem fest, dass angesichts hoher Verluste "das Regime des ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij Maßnahmen ergreift, um den Mangel an Soldaten im Donbass auszugleichen". In der Erklärung hieß es, Kiew habe angeordnet, erst kürzlich einberufene ukrainische Soldaten, die sich noch in einem Ausbildungszentrum befinden, sowie verwundete Soldaten, die noch nicht vollständig genesen sind, an die Front zu schicken.

Am vergangenen Dienstag bezeichnete Selenskij in einer Videoansprache die Kämpfe im Donbass als "Hölle" und räumte ein, dass die ukrainischen Truppen jenen Russlands sowohl bei der Kampfkraft als auch zahlenmäßig stark unterlegen seien. Er appellierte an die USA und deren Verbündeten, noch mehr Waffen zu liefern, insbesondere die HIMARS-Raketenwerfer.

Moskau hat wiederholt an den Westen appelliert, keine Waffen mehr in die Ukraine zu schicken. Dies würde den Konflikt nur in die Länge ziehen und die Zahl der Opfer erhöhen sowie weitere langfristige Folgen nach sich ziehen.

Update: Mittlerweile hat CBS die Dokumentation vorerst zurückgezogen.

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