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Medienbericht: Produktion im BASF-Werk in Ludwigshafen durch Gasmangel bedroht

Der Chemiekonzern BASF könnte laut einem Bericht im "Wall Street Journal" die Produktion in seinem größten Werk in Ludwigshafen wegen reduzierter Bereitstellung von Erdgas aus Russland einstellen müssen. US-Farmer beklagen bereits die Knappheit von und Rekordpreise bei Herbiziden und warnen vor Ernteverlusten.
Medienbericht: Produktion im BASF-Werk in Ludwigshafen durch Gasmangel bedrohtQuelle: Gettyimages.ru © Uwe Anspach / picture alliance

Der deutsche Chemiegigant BASF könnte gezwungen sein, die Produktion in seinem weltgrößten Chemiewerk in Ludwigshafen einzustellen, berichtete das Wall Street Journal am Montag unter Verweis auf die Verknappung des in Deutschland bisher billigen und reichlich verfügbaren Erdgases aus Russland. Aktuell arbeiten in dem betroffenen Stammwerk rund 39.000 Menschen.

Der Konzern bezieht seit Jahren russisches Erdgas sowohl zur Stromerzeugung als auch andererseits als Rohstoff für die Produktion diverser Chemieprodukte. Im BASF-Stammwerk in Ludwigshafen werden sowohl medizinische Produkte wie Desinfektions- oder Reinigungsmittel als auch Produkte hergestellt, die etwa in der Autoindustrie oder für Verpackungen in der Lebensmittelindustrie gebraucht werden.

Dem Bericht der US-Wirtschaftszeitung zufolge würden sich allerdings nun die weiter sinkenden russischen Gaslieferungen als ernste Bedrohung für das riesige Produktionszentrum des weltgrößten Chemie-Unternehmens erweisen. In der Zeitung wird der BASF-Chefökonom und Vizepräsident Dr. Peter Westerheide mit den Worten zitiert: "Die Produktion an diesem Standort zu drosseln, wird eine gewaltige Aufgabe sein."

"Eine solche Situation haben wir noch nie erlebt. Es ist schwer, sich so etwas vorzustellen."

Der Chemiekonzern hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, sollte die Gasversorgung unter etwa 50 Prozent des maximalen Bedarfs sinken, müsste der Betrieb bei BASF komplett eingestellt werden.

Erst Ende April hatte der BASF-Chef Martin Brudermüller auf der Hauptversammlung des Unternehmens erklärt, dass Russland bisher rund 50 Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs deckte. "Damit bilden die russischen Gaslieferungen die Basis für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie. Auch für BASF in Ludwigshafen", wurde Brudermüller in einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa zitiert. Das seien Realitäten, so BASF-Chef. Er sprach sich damals entschieden gegen ein von vielen EU-Ländern gefordertes Embargo gegen russisches Erdgas aus. Brudermüller warnte damals bereits: 

"Wenn über Nacht die Erdgaslieferungen aus Russland wegfallen, würde das zu einer irreversiblen Schädigung der Volkswirtschaft führen."

Mit einer Fläche von etwa zehn Quadratkilometern entfallen auf den Ludwigshafener BASF-Anlagenkomplex mit rund 200 Werken etwa 4 Prozent des gesamten Erdgasbedarfs von Deutschland. Etwa 60 Prozent des in diesen Anlagen verwendeten Energieträgers sind für die Stromerzeugung bestimmt, während die restlichen 40 Prozent als Ausgangsmaterial für die Herstellung von chemischen Produkten dienen, wie etwa Ammoniak und Acetylen in Größenordnungen.

Anfang dieses Monats mussten die russischen Gaslieferungen nach Deutschland durch die seit über zehn Jahren erfolgreich betriebene Unterwasserpipeline Nord Stream 1 aufgrund technischer Probleme im Zusammenhang mit den westlichen Sanktionen gegen die Lieferungen von Siemens-Anlagenteilen aus Kanada nach Russland um bis zu 60 Prozent gekürzt werden. Als Reaktion auf diese Krise sprach die Bundesregierung von willkürlichen Liefereinschränkungen durch Russland und verhängte die sogenannte zweite "Alarmstufe" eines dreistufigen Gas-Notfall-Plans. Die Bundespolitiker in Berlin warnten davor, dass Deutschland angesichts der abnehmenden Gaslieferungen aus Russland mit einer ernsthaften Verknappung konfrontiert werde. Die deutschen Erdgas-Speicher seien erst wieder zu 58 Prozent gefüllt. 

Die Folgen der Energieknappheit bei BASF könnten die ohnehin zuletzt gestiegenen Preise bei Pflanzenschutzmitteln weiter in die Höhe gehen lassen. Schon vor Monaten hatten Analysten davor gewarnt, dass es bei einer Unterbrechung der Erdgasversorgung der großen Hersteller von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden auch zu einer Unterbrechung der Wirkstoffproduktion kommen könne.

Die Pflanzenschutzmittel sind bereits jetzt auf dem Weltmarkt sehr knapp und sehr teuer. Wie es in einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters heißt, hätten US-Landwirte den Einsatz gängiger Unkrautvernichtungsmittel bereits eingeschränkt und ihre Anbaupläne wegen der anhaltenden Verknappung von Agrarchemikalien geändert. Unter Verweis auf Äußerungen von Branchenvertretern berichtet Reuters, dass die Preise für die Herbizide Glyphosat und Glufosinat im Vergleich zum letzten Jahr um mehr als 50 Prozent gestiegen seien. Die Kosten für Glyphosat stiegen demnach von weniger als 20 US-Dollar pro Gallone (rund 4,5 Liter) Mitte 2021 auf mittlerweile 50 bis 60 US-Dollar pro Gallone.

Auch in Deutschland seien die Preise für Herbizide zuletzt um rund 16 Prozent gestiegen

Das Sprühen kleinerer Mengen von Herbiziden und die Verwendung weniger wirksamer Fungizide werden laut Farmern das Risiko erhöhen, dass Unkraut und Krankheiten die Getreideproduktion zu einem Zeitpunkt beeinträchtigen, zu dem die weltweite Getreideversorgung ohnehin bereits knapp sei.

Shawn Inman, Inhaber eines Vertriebsunternehmens in Bundesstaat Indiana, erklärte gegenüber Reuters, dass das Angebot an Pflanzenschutzmitteln derzeit so knapp sei wie seit 24 Jahren nicht mehr.

Einer der Gründe dafür seien auch die Null-COVID-Strategie Chinas und die verhängten Lockdowns, die auch Lieferverzögerungen zur Folge hatten. Das Land in Fernost zählt zu den größten Herstellern von Pflanzenschutzmitteln. BASF seinerseits erklärte diesbezüglich gegenüber Reuters, dass sich die Versorgungslage mit Glufosinat und anderen Herbiziden im nächsten Jahr nicht wesentlich verbessern werde.

Die US-Landwirte haben allerdings zudem auch mit dort ungewöhnlich hohen Kraftstoffpreisen zu kämpfen. Vor allem die Rekordpreise für Dieselkraftstoff machen den Farmern zu schaffen. Demnach hätten diese Preise auch zu einer Verdoppelung der Kosten für die Aussaat geführt.

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