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Gefangen genommener Kommandeur: Ausländische Kämpfer suchen "Abenteuer" in der Ukraine

Seit Beginn der russischen Militäroperation in der Ukraine sollen sich Tausende Freiwillige aus dem Ausland der ukrainischen Armee angeschlossen haben. Ein ukrainischer Offizier zeigte sich gegenüber RT von der Begründung dafür seitens einiger britischer Kämpfer überrascht.
Gefangen genommener Kommandeur: Ausländische Kämpfer suchen "Abenteuer" in der UkraineQuelle: AFP © Yasuyoshi Chiba

Ausländische Kämpfer würden sich dem ukrainischen Militär auf der Suche nach "Abenteuer" anschließen, sagte der Kommandeur der 36. Brigade der ukrainischen Marineinfanterie in Kiew gegenüber RT. Er wurde während der Kämpfe in der Hafenstadt Mariupol von den russischen Streitkräften gefangen genommen.

Oberst Wladimir Baranjuk erklärte, dass es in den Reihen seiner Einheit Ausländer gebe und die ukrainische Gesetzgebung es Bürgern aus anderen Ländern erlaube, den Streitkräften beizutreten. "Sie unterzeichnen offizielle Verträge und dienen", führte er an.

Baranjuk berichtete unter anderem, dass mindestens zwei ausländische Kämpfer – "beide aus Großbritannien" – unter seinem Kommando gestanden hätten. Er sagte: "Einer hieß Aiden ... an den Namen des anderen kann ich mich nicht erinnern ... ein sehr kurzer Nachname." Baranjuk könnte sich auf die britischen Staatsbürger Aiden Aslin und Shaun Pinner bezogen haben, die im April in der Stadt Mariupol gefangen genommen wurden. Aslin und Pinner, bei denen es sich vermutlich um Söldner handelt, wird von der Volksrepublik Donezk vorgeworfen, Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung begangen zu haben.

Der britische Premierminister Boris Johnson hatte Ende April versprochen, "alles in unserer Macht Stehende zu tun", um das Duo durch einen Gefangenenaustausch zu befreien. Johnson wies jedoch darauf hin, dass die endgültige Entscheidung in dieser Angelegenheit bei der Ukraine liege. Aslin und Pinner "waren keine Geiseln und sie sollen nicht ausgetauscht werden, als wären sie Terroristen – sie sind Kriegsgefangene", fügte er hinzu.

Laut Baranjuk kamen bereits vor 2018 Ausländer in die Ukraine, um sich für das ukrainische Militär zu verpflichten. So erzählte er:

"Als ich das Kommando über die Brigade übernahm, habe ich versucht, sie zu fragen [warum]. Sie sagten, sie wollten, nun ja, dienen, sozusagen. Um ehrlich zu sein, war ich von ihrer Argumentation überrascht."

Er führte weiter an: 

"Ich fragte sie: 'Warum? Was ist der Sinn? Könnt ihr nicht anderswo Geld verdienen?' Sie sagten: 'Nein, so ist es nicht. Wir sind auf der Suche nach Abenteuer."

Es gebe nichts Besonderes an den ausländischen Soldaten, die alle "normale Positionen" in der Einheit innehätten, betonte Baranjuk. "Ich kann nicht sagen, dass sie etwas Außergewöhnliches getan haben, dass sie sich etwa von unseren Marinesoldaten unterschieden haben."

Baranjuk kritisierte im Interview auch bestimmte Waffensysteme, die von den USA und ihren Verbündeten Kiew zur Verfügung gestellt wurden. So bezeichnete er die US-amerikanischen Javelin-Panzerabwehrsysteme als "unbrauchbar, vor allem in der urbanen Kriegsführung", und erklärte, dass sich die Batterie des britischen Pendants NLAW bei kaltem Wetter zu schnell entleert, sodass die Waffe nicht eingesetzt werden könne.

Das russische Verteidigungsministerium hatte im vergangenen Monat mitgeteilt, dass schätzungsweise mehr als 6.800 ausländische Söldner aus 63 Ländern in die Ukraine gekommen seien, die damit einem Aufruf von Präsident Wladimir Selenskij gefolgt waren. Von diesen seien 1.035 "eliminiert" worden, während mehr als 900 aus dem Land geflohen seien, so Moskau.

Vor wenigen Tagen gab ein kanadischer Söldner namens "Wali", der von den westlichen Medien als "bester Scharfschütze der Welt" gefeiert worden war, ein Interview, in dem er seine Erfahrungen in der Ukraine als "schreckliche Enttäuschung" bezeichnete. So sagte er etwa, er habe beschlossen, nach Quebec zurückzukehren, weil die Kiewer Truppen nur unzureichend bewaffnet und schlecht ausgebildet seien und hohe Verluste hinnehmen mussten. Zudem käme es in ihren Reihen zu Plünderungen und Fahnenflucht.

Baranjuk und seine Soldaten hatten den Auftrag, den nördlichen Stadtrand von Mariupol, die strategisch wichtige Hafenstadt im Südosten der Ukraine, vor den vorrückenden russischen Streitkräften zu sichern, konnten ihn aber nicht erfüllen. Der Kommandeur wurde bei einem missglückten Fluchtversuch aus der Stadt gefangen genommen. Den habe er nach eigenen Angaben zusammen mit mehreren loyalen Männern unternommen, nachdem er demnach erkannt hatte, dass die Versprechen Kiews, seinen eingekesselten Einheiten Hilfe zu schicken, erlogen waren.

Mariupol ist Schauplatz der heftigsten Kämpfe im laufenden Konflikt zwischen Russland und der Ukraine und hat immense Zerstörungen erlitten. Die Stadt wird nun fast vollständig von den russischen Streitkräften kontrolliert, wobei das Stahlwerk Asowstal, in dem sich ukrainische Soldaten und ultra-nationalistische Kämpfer des berüchtigten Asow-Bataillons verschanzt haben, die letzte Bastion des Widerstands ist.

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