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US-Waffenhersteller warnen Pentagon: Raketenvorräte können nicht zeitnah ersetzt werden

Während der Ukraine-Konflikt weitergeht, liefern die USA und ihre Verbündeten weiterhin große Mengen an Waffen für die Ukraine. Nun werden Sorgen lauter, dass die Vorräte an bestimmten Waffen gefährlich knapp werden. Führende US-Waffenproduzenten betonen, es werde eine ganze Weile dauern, diese Bestände wieder aufzufüllen.
US-Waffenhersteller warnen Pentagon: Raketenvorräte können nicht zeitnah ersetzt werdenQuelle: AP © Vadim Ghirda

Während die Ukraine die von den USA nach Kiew gelieferten Panzerabwehr- und Flugabwehrraketen aufbraucht, warnte der CEO von Raytheon, einem führenden US-Waffenhersteller, am Dienstag, das werde Unternehmen nicht in der Lage sein, die Bestände des US-Militärs für mindestens mehrere Jahre aufzustocken, und er verwies dabei auch auf einen Mangel an elektronischen Komponenten.

Nach Angaben von Defense One sagte der CEO von Raytheon Technologies Greg Hayes während der vierteljährlichen Konferenz zur Ertragslage des Unternehmens den Investmentanalysten:

"Wir müssen einen Teil der Elektronik des Flugkörpers und des Suchkopfes neu entwickeln. Das wird uns ein wenig Zeit kosten."

Hayes bezog sich dabei insbesondere auf die tragbare Luftabwehrrakete FIM-92 Stinger, die das Pentagon in Stückzahlen an die ukrainischen Truppen geliefert hat. Die Panzerabwehrrakete FGM-148 Javelin, welche die USA ebenfalls nach Kiew geliefert haben, wird gemeinsam mit Lockheed Martin produziert, einem weiteren führenden US-Waffenhersteller. Ukrainische Beamte teilten Washington im letzten Monat mit, sie würden täglich 500 Raketen vom Typ Stinger sowie Javelin benötigen.

Raytheon hatte nun seit fast 20 Jahren keine Stinger mehr für das US-Militär produziert, und die Waffen, die in die Ukraine geliefert wurden, stammen aus den Lagerbeständen des Pentagon. Die stellvertretende US-Verteidigungsministerin Kathleen Hicks sagte, Raytheon verfüge über "einen sehr begrenzten Bestand an Material für die Stinger-Produktion" und das Pentagon versuche "aktiv, einige der Materialien zu beschaffen", so Defense One weiter.

Hayes sagte, er rechne nicht damit, dass das Pentagon vor 2023 oder 2024 "große" Nachschubaufträge für beide Raketen erteilen werde.

Zuvor hatte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin am Dienstag versprochen, "Himmel und Erde in Bewegung zu setzen", damit die USA und ihre Verbündeten die Ukraine beliefern und ihr helfen können, im Konflikt mit Russland zu "gewinnen". Er befand sich dabei im US-Stützpunkt von Ramstein in Deutschland und leitete ein Treffen von Vertretern aus fast 40 Ländern, die der Ukraine militärische Unterstützung zugesagt hatten. Bei seinem Blitz-Besuch in Kiew am Wochenende sagte Austin, dass die USA unbedingt Russland durch den anhaltenden Konflikt "geschwächt" sehen wollen.

Im vergangenen Monat spekulierte man im Pentagon, dass Russland seine lenkbaren Hyperschall-Flugkörper vom Typ Kinschal gegen ukrainische Nachschubdepots eingesetzt habe, weil auch Russland die Raketen ausgingen. Austin fragte sich am 20. März, ob Russland "wenig präzisionsgelenkte Munition" habe, während sein Sprecher John Kirby später sagte, der Einsatz der Kinschal "könnte sehr wohl mit Bestandsproblemen und Leistungsproblemen zusammenhängen, die sie in Bezug auf PGMs [Anm.: präzisionsgelenkte Munition, englisch precision-guided munition] haben". Das ist eine Behauptung, die von einem anderen Pentagon-Beamten aufgestellt worden war, für die jedoch nie ein Beweis vorgelegt wurde.

Der Stinger wurde erstmals 1981 in Dienst gestellt. Washington lieferte eine unbekannte Stückzahl dieser Raketen an die Mudschahidin in Afghanistan und behauptete, dass sie diesen islamistischen Guerillas dabei halfen, dort die sowjetische Lufthoheit erfolgreich zu beseitigen. Einige der Raketen wurden später gegen US-Truppen selbst eingesetzt, nämlich während der 20-jährigen US-Besetzung Afghanistans, die im vergangenen August mit einer teils chaotischen Luftbrücke aus Kabul beendet wurde.

Russland leitete am 24. Februar eine Militäroperation im Nachbarstaat Ukraine ein, nachdem Kiew die 2014/2015 unterzeichneten Minsker Vereinbarungen nicht umsetzte und Moskau schließlich die Donbass-Republiken Donezk und Lugansk im Februar 2022 anerkannte. Mit dem auch durch Deutschland und Frankreich vermittelten Protokoll Minsk II sollte diesen abtrünnigen Regionen in der Ostukraine ein Sonderstatus innerhalb des ukrainischen Staates verliehen werden.

Der Kreml hat seitdem gefordert, dass sich die Ukraine offiziell als ein neutrales Land erklärt, das niemals dem von den USA geführten NATO-Militärblock beitreten werde. Kiew beharrt darauf, dass die russische Offensive völlig unprovoziert war, und hat Behauptungen zurückgewiesen, man plane, die beiden Republiken mit Gewalt zurückzuerobern.

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