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"Russland ist nicht Irak" – US-Militärberater zu möglicher Flugverbotszone in der Ukraine

Für den Pentagon-Berater Doug Macgregor ist der Ukraine-Krieg schon zugunsten Russlands entschieden. Die ukrainischen Einheiten, die derzeit noch einsatzfähig sind, seien vollständig von russischen Truppen umzingelt. Macgregor hat auch eine Erklärung, warum die russische Operation in der Ukraine relativ langsam vonstattengeht.
"Russland ist nicht Irak" – US-Militärberater zu möglicher Flugverbotszone in der UkraineQuelle: RT © Screenshot - Youtube

Douglas Macgregor, ein ehemaliger Berater des US-Verteidigungsministers, traf sich virtuell mit dem US-Journalisten Max Blumenthal und dem kanadischen Journalisten Aaron Maté zu einer Live-Diskussion über den Ukraine-Krieg. Macgregor ist ein pensionierter Colonel der United States Army und Militärexperte. Im Juli 2020 nominierte der ehemalige US-Präsident Donald Trump Macgregor als Nachfolger von Richard Grenell für das Amt des Botschafters der Vereinigten Staaten in Deutschland. Er wurde aber nicht vom US-Senat bestätigt.

Zum vorherrschenden Narrativ in den USA, wonach der Ukraine-Krieg militärisch bislang für Russland eine Katastrophe gewesen sei, da die Ukraine erbitterten Widerstand geleistet habe, erklärte Macgregor, die ukrainischen Einheiten, die derzeit noch einsatzfähig sind, seien vollständig von der russischen Armee umzingelt und in verschiedenen Städten und Gemeinden abgeschnitten und isoliert. Insofern "ist der Krieg im Grunde entschieden". Macgregor führte aus:

"Die Frage für die Russen war von Anfang an, wie vorgehen, ohne eine große Anzahl von Zivilisten zu töten und viel Sachschaden zu verursachen. Putin gab von Anfang an sehr strenge Befehle, um Schaden zu vermeiden."

Das Problem bei dieser Strategie bestehe darin, dass die Operation so weit verlangsamt wurde, dass dies bei den Ukrainern falsche Hoffnungen über den Verlauf des Krieges geweckt habe. Nach Macgregors Worten haben die Ukrainer diesen Krieg bereits verloren.  

In Washington argumentieren einige Beamte, wenn mehr Waffen in die Ukraine geschickt werden, würde sich das Blatt zugunsten der Ukraine wenden. Nach Ansicht von Macgregor werde es aber keine solche Wende geben. Die Beamten in Washington seien ihren Geldgebern gegenüber verantwortlich. Und die Lobbyisten im US-Kongress wollten den Krieg weiter anheizen und eskalieren, mit der Annahme, dass die Russen irgendwie schwach seien, oder dass Präsident Putin "auf einem wackeligen Thron" sitze. Das sei aber nicht wahr, glaubt Macgregor:

"Wenn wir tatsächlich in irgendeiner sinnvollen Weise gegen die russischen Truppen vor Ort in der Ost-Ukraine eingreifen würden, werden wir mit Russland in den Krieg geraten. Der Krieg wird dann sowohl horizontal als auch vertikal eskalieren, also bis hin zum möglichen Einsatz von Atomwaffen."

Atomwaffen hätten in der modernen Welt aber nur in Bezug auf ihr Potenzial zum Schutz der territorialen Integrität einen Wert, zur atomaren Abschreckung. Das bedeute, der mögliche Einsatz einer Atomwaffe in jedem anderen Kontext sei ganz destruktiv, da er schreckliche Folgen haben würde.

B-52 Bomber seien in letzter Zeit mehrfach entlang der russischen Grenze geflogen und hätten sich dem russischen Luftraum genähert. Die USA hätten ihre U-Boote nahe an die russischen Hoheitszonen herangebracht, wobei die Russen die US-Präsenz an ihrer Grenze aufgespürt und US-Jets mehrfach abgefangen hätten. Vor dem Hintergrund dieser Provokationen betonte Macgregor, dass die Gefahr eines atomaren Konfliktes weiterhin bestehe. Die Russen hätten nämlich keine Informationen, ob die US-Flugzeuge oder U-Boote Atomwaffen oder konventionelle Waffen trügen. Und gerade deswegen habe Putin seine Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt, was sehr gefährlich sei, so der Trump-Berater. Bei einem möglichen Einsatz der nicht konventionellen Waffen werde sich der Ukraine-Krieg auf Nordamerika und zwar die USA ausweiten.

Polen hat sich unlängst zur Übergabe seiner Kampfflugzeuge vom Typ MiG-29 an die USA bereit erklärt. Die Jets sollen am US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein stationiert werden. Berichten zufolge sollen die Maschinen anschließend der Ukraine geliefert werden, deren Piloten auf diesen Typ geschult sind. Offenbar hatten einige US-Abgeordnete Druck auf Bidens Regierung gemacht, die Übergabe von Flugzeugen von Polen an die USA zu erleichtern. Diesbezüglich soll die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi kürzlich ihren Wunsch nach der MiG-29-Lieferung aus Polen angedeutet haben, um russische Konvois in der Ukraine zurückzudrängen. 

Der US-Präsident habe aber einige sehr gute Entscheidungen getroffen, erklärte Macgregor. Die Biden-Regierung, die sich verpflichtet hat, die Vereinigten Staaten von einem direkten Kampf mit den russischen Streitkräften abzuhalten, habe letzte Woche den Vorschlag zur Lieferung von Kampfflugzeugen vom Typ MiG-29 abgelehnt. Biden habe zudem ganz klar gesagt, "wir werden keine Bodentruppen in die Ukraine schicken" und das Leben von US-Amerikanern aufs Spiel setzen. Denn, wenn eine Flugverbotszone in der Ukraine eingerichtet und der Westen NATO-Flugzeuge in den ukrainischen Luftraum schicken würde, sei völlig klar, dass die Russen sie abschießen würden. Damit befänden wir uns dann in einem Krieg mit Russland. Und deswegen habe Biden solchen möglichen Schritten eine absolute Absage erteilt, fügte Macgregor hinzu.

Außenminister Antony Blinken, der mutmaßlich darauf drängt, dass der Westen im Ukraine-Krieg in die Offensive gehen sollte, gehe von der falschen Annahme aus, dass Russland auf die westlichen Schritte nicht reagieren würde.

Macgregor erklärt, es gebe aber auch noch rationale Abgeordnete im US-Senat, denen bewusst sei, dass Russland nicht der Irak sei: "Wir können keine Flugverbotszone in der Ukraine einrichten." Die Schlüsselfrage dabei sei, ob Biden seine "Geistesgegenwart" bewahren könne und weiterhin "Nein" zu solchen dummen Ideen sage, meint der ehemalige Berater des US-Verteidigungsministers.

Das Problem liege laut Macgregor darin, dass Spender und Lobbyisten das Sagen in Washington hätten: "Die Abgeordneten kümmern sich nicht um ihre Wähler, die sie ins Amt gewählt haben, sondern um ihre Geldgeber. Und Lobbyisten wollen den Konflikt anheizen."

Nach Darstellung des US-Journalisten Blumenthal scheint es eine bestimmte Fraktion in der Biden-Administration zu geben, die diesen Krieg eskalieren wolle. Sie sei "die wahre Kriegspartei" und im US-Außenministerium angesiedelt. Es soll interne Spannungen zwischen dem Außenministerium und dem Pentagon geben, was der Idee der Lieferung von MiG-29 zu widersprechen scheint. Zu diesem möglichen internen Streit sagte Macgregor:

"Das Verteidigungsministerium wird von Menschen dominiert, die zum größten Teil keinen echten Krieg gegen einen echten Feind führen wollen, der in der Lage ist, sich zu wehren. Sie wissen, dass wir darauf nicht vorbereitet sind."

Man sollte das Thema aber nicht auf die Ebene der staatlichen Institutionen und Verwaltungen reduzieren, erklärte Macgregor. Es handele sich auch nicht um einen Konflikt Demokraten versus Republikaner. Das sei ganz irrelevant. Denn alle Parteien handelten auf Basis der Großspenden von Hitzköpfen. Und diese Spender wollten Konflikte und diese Kriegstreiber profitierten von einer Verschärfung der Eskalation, da sie sich daran bereichern könnten.

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