Liveticker Ukraine-Krieg – Selenskij wendet sich an Putin: "Sie können Ihren Krieg stoppen"

4.06.2026 22:02 Uhr
22:02 Uhr
Damit beenden wir für heute den Live-Ticker zur Lage im Ukraine-Konflikt. Morgen früh ab 7 Uhr geht es mit der Berichterstattung weiter. Wir wünschen unseren Lesern trotz aller Spannungen in der Welt eine gute Nacht!
22:01 Uhr
Selenskij wendet sich an Putin mit offenem Brief: "Sie können Ihren Krieg stoppen"
Der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij wendet sich am späten Donnerstagabend mit einem offenen Brief an seinen russischen Amtskollegen. Ganz am Anfang macht der Politiker den Kremlchef auf die ukrainischen Drohnenangriffe gegen Ziele im Gebiet Leningrad während des Internationalen Wirtschaftsforums in Sankt Petersburg aufmerksam. Demnach seien die ukrainischen Waffen inzwischen fähig, eine Entfernung von mehr als 1.000 Kilometern zu überwinden.
Darüber hinaus wirft Selenskij dem russischen Präsidenten vor, seit fast 13 Jahen Krieg gegen die Ukraine zu führen. Dies sei fast die Hälfte der Zeit, seit Putin an der Macht sei. Der Krieg gegen die Ukraine sei grundlos und die persönliche Wahl von Putin, behauptet Selenskij.
Ferner schreibt der ukrainische Präsident, dass die russische Bevölkerung den Krieg allmählich müde werde. Die Russen seien mit den ukrainischen Angriffen, dem Preisanstieg und dem Benzinmangel immer mehr unzufrieden. Auch die Ukrainer wollten keinen endlosen Krieg.
Um dem Konflikt ein Ende zu setzen, schlägt Selenskij Putin ein persönliches Treffen vor. Das Treffen sollte dabei in einem Drittland stattfinden. Es gebe viele Länder, die ein solches Treffen gerne austragen würden. Auch die Beteiligung Europas und der USA sei notwendig, um die nachhaltige Sicherheit auf dem Kontinent und auf der Welt zu garantieren. Der beste Anfang für solche Friedensverhandlungen sei der Waffenstillstand. Die Ukraine sei zu einer Waffenruhe für die Zeit der Gespräche bereit. Außerdem wolle die Ukraine einen Gefangenenaustausch im Format "alle gegen alle".
"Wenn Sie persönlich in Ihren Gedanken doch nicht zur Idee kommen werden, dass es Zeit ist, diesen Krieg zu beenden, dann wird die Ukraine weiter für ihre Existenz kämpfen."
Open Letter to the President of the Russian Federation: https://t.co/mEvYqYiqus
— Volodymyr Zelenskyy / Володимир Зеленський (@ZelenskyyUa) June 4, 202621:42 Uhr
Tschechiens Regierungschef Babiš sieht Merz als Vermittler im Ukraine-Konflikt
Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš spricht sich für Bundeskanzler Friedrich Merz als Vermittler im Ukrainekrieg aus. Merz solle die EU in Gesprächen mit Russland über den Ukraine-Krieg repräsentieren, sagt Babiš laut der Nachrichtenagentur ČTK. Der Politiker wurde mit den Worten zitiert:
"Meiner Ansicht nach muss es eindeutig der deutsche Bundeskanzler Merz sein, der aufgrund der Mandate des EU-Rates und der EU-Kommission irgendeine diplomatische Mission anleiten wird."
Der Ukraine-Konflikt müsse möglichst schnell beendet werden, und die EU könne da eine bedeutende Rolle spielen, zumal sich US-Präsident Donald Trump jetzt in erster Linie mit der Nahost-Krise beschäftige, erklärt Babiš.
Za EU by měl o ukončení ruské agrese na Ukrajině jednat německý kancléř Friedrich Merz, řekl premiér Andrej Babiš před odletem do Černé Hory na summit.
— ČT24 (@CT24zive) June 4, 2026
📷 Reuters pic.twitter.com/dUd0OpFZW821:10 Uhr
Russland meldet mehr als 20 ukrainische Angriffe nahe AKW Saporoschje
Die Leitung des Kernkraftwerks Saporoschje bezichtigt die Ukraine einer massiven Attacke auf ein Gelände in der unmittelbaren Nähe der größten Atomanlage in Europa. Wie die Pressestelle des AKW auf der Plattform Telegram schreibt, habe das ukrainische Militär beim Angriff schwere Drohnen eingesetzt. Allein an diesem Donnerstag habe man mehr als 20 Attacken registriert. Im Statement heißt es weiter:
"Zum Ziel der Attacke wurde das Gelände des Wärmekraftwerks, wo sich kritisch wichtige Energieinfrastrukturobjekte befinden, die den Betrieb der 330-Kilotwatt-Stromleitung Ferrosplawnaja-1 ermöglichen."
Diese Hochspannungsleitung sei momentan die einzige, die die Stromversorgung des stillgelegten Kernkraftwerks gewährleiste. Sollte sie einmal ausfallen, müsste man Notstromaggregate einschalten, damit die Atomsicherheit garantiert werden könnte. Die AKW-Leitung betont in diesem Zusammenhang:
"Solche Attacken schaffen eine direkte Gefahr für die sichere Stromversorgung des AKW Saporoschje und zeigen ein übriges Mal die Missachtung der Grundsätze der Atomsicherheit."
Derzeit seien die Strahlenwerte im und um das AKW im Normalbereich. Die Situation werde rund um die Uhr kontrolliert, heißt es.
20:48 Uhr
Rubio: "Wir liefern Waffen nur an die Ukraine – verhängen Sanktionen nur gegen Russland"

Am Mittwoch hat sich der US-Chefdiplomat Marco Rubio im US-Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten gegen Anschuldigungen, "die Putin-Kriegsmaschinerie anzutreiben", verteidigt. Der Abgeordnete der Demokratischen Partei im US-Repräsentantenhaus, Bill Keating, zeigte sich empört darüber, dass Rubio den Ukraine-Krieg mit keiner Silbe erwähnte, als er von den außenpolitischen Errungenschaften der zweiten Trump-Administration berichtete.
Keating beklagte, wie "die Trump-Regierung in Iran nun eine allgemeine Lizenz an Russland erteilt, wodurch jeden Monat Ölgewinne in Milliardenhöhe, mehrere Milliarden jeden Monat, fließen", womit der US-Demokrat darauf anspielte, dass die republikanisch geführte US-Regierung mit Moskau gemeinsame Sache machen würde.
Darauf erwiderte der US-Außenminister:
"Wir sind, um fair und offen zu sein, keine unparteiischen Vermittler in diesem Krieg. Wir liefern keine Waffen an Russland. Wir liefern nur Waffen an die Ukraine. Wir verhängen keine Sanktionen gegen die Ukraine. Wir verhängen nur Sanktionen gegen Russland. Wir haben also eindeutig Partei ergriffen."
Das Video gibt es hier auf unserer Website zu sehen.
20:19 Uhr
Russische Diplomaten: Ukraine wollte mit Drohnenattacken während SPIEF Russland einschüchtern
Das russische Außenministerium wirft der Ukraine Terrorpraktiken vor, mit denen die Führung in Kiew versucht, das Internationale Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg (SPIEF) zum Scheitern zu bringen und Russland einzuschüchtern. Wie die Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa erklärt, lasse sich das Regime in Kiew von einer "terroristischen Logik" leiten. Die ukrainischen Attacken auf das Gebiet Leningrad während des Forums kommentiert die Diplomatin folgenderweise:
"Immer wenn sie verstehen, dass sie jene Erfolge, welche sie der eigenen Bevölkerung auftischen, auf dem Schlachtfeld nicht erreichen können, immer wenn sie verstehen, dass sie tatsächlich in der ganzen Welt zu Außenseitern geworden sind, gehen sie zu empfindsamen Schlägen gegen die Zivilbevölkerung über."
Ähnlich äußert sich auch Russlands Botschafter bei der OSZE Dmitri Poljanski, indem er warnt, dass solche Attacken in einem direkten militärischen Konflikt zwischen Russland und der NATO münden könnten. Der Diplomat verweist auf Berichte in ukrainischen Medien, wonach die Drohnen, die das Gebiet Leningrad und die Gebietshauptstadt Sankt Petersburg während des Wirtschaftsforums angegriffen hatten, von baltischen Ländern aus und von NATO-Schiffen in der Ostsee gestartet worden sein könnten.
"Dafür sprechen zahlreiche Videos in den sozialen Medien, auf denen zu sehen ist, dass die Drohnen die Stadt in einer extrem niedrigen Höhe und ausgerechnet vom Baltikum her anfliegen."
Poljanski räumt allerdings ein, dass diese Informationen zuerst gründlich geprüft werden sollten. Sollten sie sich aber bestätigen, wäre dies eine weitere Eskalation seitens der NATO.
19:43 Uhr
Putin zu Personalverlusten und Zwangsrekrutierungen in Ukraine: "Niemand will kämpfen"
Bei seinem Treffen mit ausländischen Journalisten am Rande des Internationalen Wirtschaftsforums in Sankt Petersburg kommentiert Russlands Präsident Wladimir Putin am Donnerstagabend unter anderem den akuten Personalmangen im ukrainischen Militär und die jüngsten Erfolge Russlands bei der militärischen Sonderoperation. Der Politiker stellte unter anderem fest, dass das größte Problem der ukrainischen Streitkräfte heutzutage der "katastrophale" Personalmangel sei. Der Kremlchef machte in diesem Zusammenhang auf Zwangsrekrutierungen in der Ukraine aufmerksam:
"Menschen werden zwangsweise geschnappt. Es gibt keine Motivation. Niemand will kämpfen."
Nach Putins Angaben desertieren jeden Monat im Durchschnitt 20.000 Mann von den ukrainischen Streitkräften. Hinzu kämen noch Personalverluste in Höhe von bis zu 40.000 Mann. Seit der letzten Zeit sei die Personalzahl der ukrainischen Streitkräfte um 100.000 Mann zurückgegangen.
Gleichzeitig erklärt Putin, dass die russischen Streitkräfte entlang der gesamten Kontaktlinie im Vormarsch seien. Im Gebiet der Sonderoperation kontrollierte Russland inzwischen eine Fläche von 2.440 Quadratkilometern. So werde die Volksrepublik Lugansk völlig von Russland kontrolliert, die Volksrepublik Donezk zu mehr als 85 Prozent und das Gebiet Saporoschje zu mehr als 80 Prozent.
19:16 Uhr
Dobrindt für Ende des Schutzstatus für Männer aus Ukraine
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt signalisiert Zustimmung für ein Ende des automatischen Schutzstatus für ukrainische Flüchtlinge im wehrfähigen Alter. Am Donnerstag sagt der CSU-Politiker zum Auftakt eines Treffens der EU-Innenminister in Luxemburg:
"Wir diskutieren die Frage folgendermaßen, dass wir die Massenzustromrichtlinie verlängern wollen, dass wir aber Zweifel haben, dass Ukrainer im wehrpflichtigen Alter darunter zu sehen sind."
Männer zwischen 23 und 60 Jahren könnten stattdessen ein reguläres Asylverfahren durchlaufen. Dafür zeichnet sich bei der EU eine Mehrheit ab. Schweden etwa wies darauf hin, dass die Ukraine mehr wehrfähige Männer im Kampf gegen Russland brauche. Auch Dobrindt nennt als einen Grund für die Debatte den gestiegenen Zuzug von Männern in dieser Altersgruppe.
Auf Basis der sogenannten Massenzustromrichtlinie erhalten derzeit Flüchtlinge aus der Ukraine vorübergehenden Schutz, ohne ein Asylverfahren durchlaufen zu müssen. Die EU-Innenminister beraten über diese Schutzregelung, die am 4. März 2027 ausläuft. Ein Vorschlag sieht eine Verlängerung vor, schließt davon jedoch ukrainische Männer im Alter von 23 bis 60 Jahren aus. Diese Änderung würde nur für Männer gelten, die neu in die EU einreisen.
In der Ukraine unterliegen Männer zwischen 18 und 60 Jahren der Wehrpflicht. Ein Ausreiseverbot gilt für Männer im Alter von 23 bis 60 Jahren, wobei es Ausnahmen etwa für alleinerziehende Väter gibt. Für den Kriegsdienst werden in der Ukraine aktuell Wehrpflichtige ab 25 Jahren eingezogen.
18:44 Uhr
Ukrainische Truppen greifen Passagierzug in LVR an – Ein Toter bei Drohnenangriff auf Auto
Das Oberhaupt der Volksrepublik Lugansk (LVR), Leonid Passetschnik, meldet neue ukrainische Angriffe auf die Zivilbevölkerung in der Region. Auf der Plattform MAX schreibt der Politiker, dass der Gegner am Donnerstag einen Vorortszug unter Beschuss genommen habe. Im Passagierzug, der von Lugansk nach Lantratowka unterwegs gewesen sei, hätten sich 13 Fahrgäste befunden. Da man sie rechtzeitig evakuiert habe, gebe es keine Opfer. Der Zugverkehr auf der von der Ukraine aus beschossenen Eisenbahnstrecke sei inzwischen wiederaufgenommen worden.
Zudem berichtet der Republikchef über einen Toten infolge einer Drohnenattacke. Ein Einwohner des Bezirks Troizkoje sei seinen Verletzungen erlegen, als das ukrainische Militär sein Auto mit einem unbemannten Luftfahrzeug angegriffen habe. Außerdem habe der Gegner in der Stadt Swatowo zugeschlagen. Dort sei ein parkendes Auto vor einem Supermarkt attackiert worden. Ein Passant habe dabei Splitterverletzungen erlitten.
18:13 Uhr
"Hier gibt es Kaffee": Warum BBC beim SPIEF ist – aber nicht in Starobelsk

Auf dem Sankt Petersburger Wirtschaftsforum (SPIEF) erklärte der britische Journalist Steve Rosenberg, warum die "BBC" nicht nach Starobelsk gereist war. Nach seinen Angaben sei eine geplante Reise in die Volksrepublik Lugansk aus Sicherheitsgründen abgesagt worden.
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, sieht darin blanken Zynismus: Während die BBC einen Besuch am Ort der Tragödie mit Verweis auf Sicherheitsbedenken ablehne, sei Rosenberg beim SPIEF präsent – dort, wo es "Kaffee, interessante Redner und keine weinenden Mütter" gebe.
Das Video gibt es hier auf unserer Website zu sehen.
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Am 24. Februar kündigte der russische Präsident Wladimir Putin an, gemeinsam mit den Streitkräften der Donbass-Republiken eine militärische Spezialoperation in der Ukraine zu starten, um die dortige Bevölkerung zu schützen. Die Ziele seien, die Ukraine zu entmilitarisieren und zu entnazifizieren. Die Ukraine spricht von einem Angriffskrieg. Noch am selben Tag rief der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij im ganzen Land den Kriegszustand aus.
Der Westen verurteilte den Angriff, reagierte mit neuen Waffenlieferungen, versprach Hilfe beim Wiederaufbau und verhängte Sanktionen gegen Russland.
Auf beiden Seiten des Konfliktes sind zahlreiche Soldaten und Zivilisten getötet worden. Moskau und Kiew haben sich gegenseitig verschiedener Kriegsverbrechen beschuldigt. Tausende Ukrainer sind mittlerweile aus ihrer Heimat geflohen.

