International

Liveticker zum Ukraine-Krieg: Kiew glaubt immer noch, die Krim zurückerobern zu können

Russland führt gemeinsam mit den Streitkräften der Donbass-Republiken eine Militäroperation in der Ukraine durch. Der Westen reagiert mit immer neuen Waffenlieferungen an die Ukraine und beispiellosen Sanktionen. Hier lesen Sie die neuesten Entwicklungen.
Liveticker zum Ukraine-Krieg: Kiew glaubt immer noch, die Krim zurückerobern zu könnenQuelle: AFP © Yasin AKGUL / AFP
  • 8.08.2022 20:31 Uhr

    20:31 Uhr

    Dmitri Peskow: Ukrainische Delegation von Unterhändlern ist "vom Radar verschwunden"

    Nach Berichten von TASS und Interfax scheint Moskau zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Hoffnung, mit Kiew zu einer Verhandlungslösung zu kommen, aufgegeben zu haben.

    Demnach sei die ukrainische Verhandlungsdelegation "vom Radar verschwunden", es gebe keinen Verhandlungsprozess zwischen Moskau und Kiew mehr. Doch die militärische Sonderoperation in der Ukraine gehe weiter und werde fortgesetzt, bis die Ziele erreicht seien, habe der russische Präsidentensprecher Dmitri Peskow am Montag vor Reportern erklärt.

    "Die ukrainische Verhandlungsdelegation ist, wie man so schön sagt, von der Bildfläche verschwunden. In dieser Hinsicht gibt es derzeit keinen Verhandlungsprozess. Die spezielle Militäroperation wird fortgesetzt, bis die beschlossenen Ziele erreicht sind",

    so Peskow.

    Auf die Frage, ob es heute noch eine Möglichkeit gäbe, die Verhandlungen mit der Ukraine fortzusetzen, oder ob das Thema abgeschlossen sei, habe Peskow geantwortet:

    "Hier kann ich nur sagen: Im Moment gibt es weder Verhandlungen noch bestehen die Voraussetzungen dafür",

    so der russische Präsidentensprecher Peskow vor Journalisten.

  • 20:06 Uhr

    Erstes Tribunal gegen Asow-Kämpfer soll in Mariupol stattfinden

    Die erste Sitzung des Tribunals gegen Angehörige des neonazistischen Asow-Regiments soll in Mariupol stattfinden. Dies bestätigte das Oberhaupt der Donezker Volksrepublik, Denis Puschilin. In einer Sendung des Fernsehkanals Rossija-1 sagte er:

    "Das Tribunal ist unausweichlich – und ja, eines der ersten Tribunale wird in Mariupol stattfinden. Wir bereiten uns in jeder Hinsicht vor. Man bereitet einen Raum und auch alle Beweise vor."

    Über 2.000 Angehörige des im Jahr 2014 gegründeten Asow-Bataillons sind im Mai bei der Kapitulation der ukrainischen Garnison des Asow-Stahlwerks in Mariupol gefangen genommen worden. Am 2. August stufte Russlands oberstes Gericht "Asow" als eine terroristische Organisation ein. Den Angehörigen der Einheit werden neben der Verwendung neonazistischer Symbole und Ideologie auch Kriegsverbrechen gegen Zivilisten, darunter in Mariupol selbst, angelastet.

  • 19:28 Uhr

    Selenskij-Berater Podoljak: "Natürlich wollen wir auch die Krim zurückerobern"

    Michailo Podoljak, engster Berater des ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij, hat dem Handelsblatt ein Interview in Kiew gegeben. Das Gespräch soll im Amtssitz von Selenskij stattgefunden haben.

    Podoljak, der sich im Präsidentenpalast häuslich eingerichtet zu haben scheint (der Reporter erwähnt neben dem Schreibtisch befindliche sieben Paar Schuhe, einschließlich Pantoffeln, auf dem Schreibtisch eine Pistole, weiter hinten Helme und schusssichere Westen), erklärte, er werde "so lange bleiben, wie es nötig ist".

    Es gäbe "keine Demoralisierung der Bevölkerung", dafür aber "eine große Übereinkunft, dass dieser Krieg nicht zu den Bedingungen Russlands, nicht zu Bedingungen, die die Bevölkerung nicht akzeptiert, beendet werden" dürfe.

    "Der Krieg kann nur durch einen Sieg der Ukraine beendet werden."

    Auf die Frage, was denn ein Sieg der Ukraine sei, geht Podoljak nicht sofort und direkt ein. Man sei in Kiew auf einen langen Krieg vorbereitet, die Ökonomie auf "eine Art Kriegswirtschaft umgestellt" worden. Man habe sich auf eine unbestimmt lange Zeit eingestellt, "bis wir gewonnen haben".

    Nach einigen Abschweifungen Podoljaks über das Wesen, die Politik und die Kriegsführung des russischen Staates fragte der Reporter noch einmal nach dem ukrainischen Sieg. Darauf Podoljak:

    "Wir wollen die Ukraine in den Grenzen von 1991 zurückbekommen, als die Ukraine unabhängig von der Sowjetunion geworden ist."

    Und ergänzte auf Nachfrage, ob es nicht nur um die Rückeroberung des Donbass, sondern auch der Krim ginge:

    "Ja, natürlich einschließlich der Krim. Nur die vollständige Wiederherstellung der territorialen Integrität der Ukraine wird ein wirkliches Ende des Krieges ermöglichen."

    Podoljak, der im März 2022 zur ukrainischen Delegation gehörte, die Gespräche mit der russischen Seite in Istanbul geführt hat, meinte zu den Sondierungsbemühungen von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD):

    "Herr Schröder versteht in keiner Weise, was Russland wirklich tut, wie es agiert. Russland will keine Verhandlungen, Russland will eine Eroberung von Gebieten, die sie mit ihrem großen militärischen Apparat dann besetzen."

    Russland wolle gegenwärtig Zeit gewinnen, sich neu organisieren, um den "Druck auf die Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten zu erhöhen, um ihre Moral zu brechen".

  • 18:31 Uhr

    Russlands Außenministerium: Ukrainische Angriffe auf AKW in Saporoschje nehmen ganz Europa in Geiselhaft

    Das russische Außenministerium hat erklärt, dass die Ukraine durch ihre Angriffe auf das Atomkraftwerk im Gebiet Saporoschje ganz Europa in Geiselhaft nehme. Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti zitierte eine Erklärung des russischen Außenamtes wie folgt:

    "Die russische Seite ruft schon lange über unterschiedliche Kanäle und auf unterschiedlichen Ebenen die internationale Gemeinschaft dazu auf, die ständigen Angriffe, die Kiews Regime gegen das Atomkraftwerk von Saporoschje unternimmt, entscheidend zu verurteilen. […] Kiew hat nicht nur die Völker Russlands und der Ukraine als Ziel gewählt. Faktisch nehmen sie ganz Europa in Geiselhaft und haben, wie es scheint, nichts dagegen, es zur Freude ihrer nazistischen Idole 'anzuzünden'."

    Die Lage werde mit jedem Tag gefährlicher und dürfe nicht ignoriert werden, betonte das Ministerium. "Indem sie mit Artillerie laufende Reaktoren und das Spaltstofflager angreifen, greifen die Ukrainer sich selbst an", fügte die Behörde hinzu. Die Verwaltung der Stadt Energodar erklärte RIA Nowosti, dass im Falle einer technischen Katastrophe vorwiegend Gebiete westlich des Kraftwerks, insbesondere in der Westukraine, betroffen wären, da die Windrose in der Region eine Ausrichtung nach Westen hat.

  • 18:08 Uhr

    Stromausfall im Atomkraftwerk Saporoschje aufgrund des Beschusses durch ukrainisches Militär

    Eine Hochspannungsleitung des Atomkraftwerks Saporoschje wurde infolge des erneuten Beschusses durch ukrainische Truppen beschädigt. Es kam zu einem Stromausfall, so der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums Igor Konaschenkow, wie RIA Nowosti berichtete.

    "Im Kernkraftwerk Saporoschje kam es zu einem Stromstoß, der Rauch an den offenen Schaltanlagen des Kraftwerks verursachte. Außerdem wurde ein Schutzsystem ausgelöst, das die Stromzufuhr unterbrochen hat. Die Feuerwehr ist eingetroffen und hat es geschafft, die Rauchentwicklung zu beseitigen",

    so Konaschenkow.

    Ihm zufolge hat das technische Personal die Leistung des fünften und sechsten Kraftwerksblocks auf 500 Megawatt reduziert, um eine Störung des Kraftwerks zu verhindern.

    Zuvor hatte der Leiter der Regionalverwaltung von Saporoschje, Jewgeni Balizki, am Montag erklärt, dass zwei Kraftwerke in Saporoschje nach dem Angriff der ukrainischen Streitkräfte nicht mehr mit voller Leistung arbeiten. Er forderte Delegationen der IAEO (Internationale Atomenergie-Organisation) und der UNO auf, die Anlage zu besichtigen und die Fakten und die Richtung des Beschusses zu dokumentieren.

    Am 5. August griff das ukrainische Militär mit Artillerie das Gebiet des Kernkraftwerks Saporoschje an und feuerte 20 Granaten des Kalibers 152 mm ab. Infolgedessen geriet eine Wasserstoffleitung in Brand, der von den Einsatzkräften schnell gelöscht werden konnte. Ein Teil der Ausrüstung des Kraftwerksblocks 3 wurde stromlos geschaltet, und die Leistung des Kraftwerksblocks 4 wurde reduziert.

    Darüber hinaus griff die ukrainische Armee in der Nacht zum 7. August die Anlage erneut mit "Uragan"-Mehrfachraketenwerfern an. Nach Angaben der Energodar-Behörden fielen Granatsplitter und ein Raketentriebwerk etwa 400 Meter von dem in Betrieb befindlichen Kraftwerksblock entfernt herunter. Das Atomkraftwerk Saporoschje steht seit März unter Kontrolle des russischen Militärs, wird aber von einem ukrainischen Unternehmen betrieben.

  • 17:39 Uhr

    US-HIMARS-Raketenwerfer bei Kramatorsk zerstört

    Wie der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, mitgeteilt hat, wurden in der Nähe von Kramatorsk Kampffahrzeuge mit US-Mehrfachraketenwerfern vom Typ HIMARS zerstört. Darüber berichtet Interfax:

    "Eine Batterie von ukrainischen 'Uragan'-Mehrfachraketenwerfern in der Nähe von Otscheretino und eine Batterie von selbstfahrenden Artillerieeinheiten 'Akazija' in der Nähe von Krasnoje wurden während des Gefechts mit Gegenbatterien getroffen, ebenso wie die amerikanischen Raketenwerfer HIMARS in der Gegend von Kramatorsk",

    sagte Konaschenkow.

    Er berichtete des Weiteren, dass drei Züge von "Grad"-Raketenwerfern in der Nähe der Siedlungen Kodema, Majaki und Adamowka sowie vier Artilleriezüge von "Msta-B"-Geschützen der ukrainischen Truppen vernichtet worden sind.

    Ferner wurden zwei Züge von mit "Giazint-B"-Kanonen bestückten Feuerstellungen in der Nähe der Siedlungen Soledar, Artjomowsk, Wessjoloje, Dserschinsk, Maximilianowka und Antonowka (Donezker Volksrepublik) zerstört, so Konaschenkow.

  • 17:11 Uhr

    Ukrainisches nationalistisches Bataillon "Kraken" durch Russland gefechtsunfähig gemacht

    Das ukrainische nationalistische Bataillon "Kraken" ist durch russische Raketenschläge, die schwere Personalverluste und zahlreiche Desertionen verursachten, gefechtsunfähig geworden. Dies teilte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Generalleutnant Igor Konaschenkow, während seines täglichen Presseberichts mit:

    "Am Charkower Frontabschnitt verlor der nationalistische Verband 'Kraken' als Ergebnis von Präzisionsschlägen der russischen Luft- und Raketenstreitkräfte auf die Stellungen der ukrainischen Nationalisten durch Massenverluste und Desertion von Söldnern die Kampffähigkeit."

    Konaschenkow fügte hinzu, dass die Nationalisten versucht haben, ihre Verluste durch Zwangsrekrutierungen von Einheimischen auszugleichen, allerdings seien diese Versuche erfolglos geblieben.

  • 16:42 Uhr

    Seit Februar mehr als 3,2 Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine und dem Donbass nach Russland eingereist

    Die Zahl der Flüchtlinge aus der Ukraine und dem Donbass, die seit Februar in Russland angekommen sind, hat 3,2 Millionen überschritten. Dies teilten Vertreter der Sicherheitsbehörden der Nachrichtenagentur TASS mit:

    "Mehr als 3,2 Millionen Menschen, darunter 507.000 Kinder, haben seit Februar die Grenze nach Russland überquert. Die Hälfte der Gesamtzahl der Flüchtlinge sind Bürger der Volksrepubliken Donezk und Lugansk."

  • 16:02 Uhr

    Gebiet Kursk verlängert hohe Terrorwarnstufe um 15 Tage

    Im Gebiet Kursk an der Grenze zur Ukraine wurde die hohe Terrorismuswarnstufe um 15 Tage verlängert. Das erklärte der Gouverneur des Gebietes Roman Starowoit am Montag auf einer operativen Sitzung der Gebietsverwaltung.

    Wie der Chef des Gebietes feststellte, gibt es Risiken der Sabotage durch Spionage- und Terrorgruppen. Die Festlegung einer hohen terroristischen Bedrohungsstufe ermöglicht es den Nachrichtendiensten im Gebiet, die operative Situation unter Kontrolle zu halten und die Sicherheit zu gewährleisten.

    Mit dem Beginn der russischen militärischen Sonderoperation in der Ukraine wurde das Gebiet Kursk wiederholt von ukrainischen Streitkräften beschossen. Seit dem 11. April besteht im Gebiet hohe Terrorgefahr. Seit Februar werden Grenzkontrollpunkte des Gebietes beschossen. Den russischen Luftabwehrkräften gelang es bereits, mehrere ukrainische Drohnen abzuschießen.

  • 15:00 Uhr

    Botschafter: Anstehende Geberkonferenz für Ukraine in Dänemark ist "eine Investition in Blutvergießen"

    Am 11. August soll in Kopenhagen eine "Geberkonferenz" für die Ukraine stattfinden – ein Treffen, auf dem weitere Waffenlieferungen an die Ukraine und deren Finanzierung besprochen werden sollen. Nach Aussagen des dänischen Außenministeriums sind die Gastgeber die Verteidigungsminister von Großbritannien, der Ukraine und Dänemarks. Regierungsvertreter mehrerer nord- und osteuropäischer Staaten sollen an dem Treffen teilnehmen.

    Der russische Botschafter in Dänemark, Wladimir Barbin, hat jetzt dieses Treffen scharf verurteilt. "Das ist eine Investition in weitere Feindseligkeiten und Blutvergießen. Mehr Waffenlieferungen und andere militärische Unterstützung werden den Verlauf der Ereignisse auf dem Schlachtfeld nicht ändern, aber sie werden für die Ukrainer zu einer neuen Tragödie werden."

    In seiner Erklärung fuhr er fort: "Die Lieferung von Waffen, die Ausbildung ukrainischen Militärpersonals, die Lieferung von Aufklärungsdaten und die Entsendung von Militärberatern und Söldnern bringen allen die Gefahr einer weiteren Eskalation des Konflikts in der Ukraine. Kiew hat ein Interesse daran, westliche Länder, vorrangig NATO-Länder, zu direkten Teilnehmern des Konflikts in der Ukraine zu machen. Dänemark ignoriert diese Gefahren."