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Ifo-Studie: Deutlich mehr häusliche Gewalt während Lockdowns als bisher angenommen

Bereits relativ früh war bekannt, dass Lockdowns einen Anstieg häuslicher Gewalt verursachen. Doch Forscher des Ifo-Instituts haben nun eine neue Analyse mit erschreckenden Ergebnissen vorgelegt: Demnach könnte die Zunahme an häuslicher Gewalt deutlich höher sein, als bisher erwartet.
Ifo-Studie: Deutlich mehr häusliche Gewalt während Lockdowns als bisher angenommenQuelle: Gettyimages.ru

Während des ersten Corona-Lockdowns saßen viele Menschen über eine lange Zeit zu Hause fest. Eine Reihe von Daten deuteten bereits darauf hin, dass es in dieser Situation verstärkt zu häuslicher Gewalt in Familien und Partnerschaften gekommen ist. Nun zeigen Untersuchungen des Ifo-Instituts von Ökonomen aus Wien und London, dass die Zunahme von Fällen häuslicher Gewalt deutlich größer sein könnte, als bisher angenommen. Das Bundeskriminalamt hatte zuletzt eine Zunahme der Partnerschaftsgewalt um 4,4 Prozent verzeichnet. Doch wie Helmuth Rainer, Autor der veröffentlichten Ifo-Studie und Professor an der Universität München, gegenüber dem RadaktionsNetzwerk Deutschland erklärte, dürfte dies "nur eine Untergrenze des tatsächlichen Anstiegs darstellen".

Statt Polizeidaten analysierten die Ökonomen die Nutzung von Google-Suchbegriffen zu häuslicher Gewalt und verglichen diese mit den tagesaktuellen Daten der London Metropolitan Police zu angezeigten Fällen. Laut Google-Daten hat der erste Lockdown ab Mitte März 2020 zu einem Zuwachs an häuslicher Gewalt um 40 Prozent geführt. In der Studie heißt es diesbezüglich:

"Dieser Effekt ist sieben- bis achtmal stärker als der durch Polizeidaten gemessene Anstieg."

Da die Opfer zu Hause mit ihrem Partner isoliert waren, waren die Möglichkeiten, die Vorfälle bei der Polizei anzuzeigen, stark eingeschränkt gewesen. Suchanfragen im Internet, wie am besten mit der Situation umzugehen sei und wo man sich Hilfe holen könne, waren im Vergleich dazu jedoch seltener eingeschränkt. Daher dürften die Polizeidaten das Ausmaß der Gewalt unterschätzen, so die Forscher.

Das Team um Rainer hat in seinen Untersuchungen zudem auf einen langfristigen und daher aussagekräftigen Vergleich gesetzt. Die verwendeten drei Dutzend Google-Suchbegriffe wurden in der Studie mit polizeilichen Meldedaten aus der Zeit von 2015 bis 2019 abgeglichen. Dabei zeigte sich ein klar erkennbarer Zusammenhang. Die Forscher nutzten Daten aus London, da diese regelmäßig und schnell vorliegen und oftmals aktueller sind als beispielsweise Daten von deutschen Polizeidienststellen. In den Untersuchungen zeigte sich auch, dass während des Lockdowns im März 2020 die Zahl der Suchanfragen sehr viel stärker als die Zahl der Anzeigen bei der Polizei angestiegen sei, die Suchanfragen liegen somit sehr viel näher an den von den telefonischen Hilfsdiensten gemeldeten Daten. Dies sei ein deutlicher Hinweis darauf, dass Fälle häuslicher Gewalt zugenommen hatten, ohne dass sich das in den Polizeistatistiken zeigte.

Zwar könne man die Ergebnisse aus London nicht direkt auf Deutschland übertragen, aber auch hierzulande könne man davon ausgehen, dass der tatsächliche Anstieg der häuslichen Gewalt in der Corona-Krise stark unterschätzt wurde. Um die Ergebnisse zu überprüfen, haben die IFO-Wissenschaftler ihre Untersuchungen mit entsprechenden Daten aus Los Angeles verglichen. Dort zeigten sich ähnliche Ergebnisse. Die Daten zeigen deutlich, welche Folgen die strikten Lockdowns in der ersten Welle hatten:

"Ausschließlich auf Polizeidaten zu setzen, vermittelt kein genaues Bild vom Ausmaß und dem Anstieg des gesellschaftlichen Problems häuslicher Gewalt während Krisen wie COVID-19", sagte Rainer.

Die Ifo-Wissenschaftler betonen, dass die Nutzung von Google-Daten in Zukunft relevanter werden könnte. In der Corona-Krise hat die Ergänzung durch solche Daten einen großen Schub erfahren, da die Daten von Behörden immer erst mit erheblicher Verzögerung vorliegen. Helmuth Rainer erklärte:

"Viele Krisen – wie die derzeitige Pandemie, schwere wirtschaftliche Abschwünge oder Naturkatastrophen – bergen das Risiko, dass häusliche Gewalt zunimmt. Herkömmliche Datenquellen sind jedoch oft nicht aussagekräftig genug."

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