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Kroatien hat in zehn Jahren fast 400.000 Einwohner verloren

Dass Kroatien schon seit Jahren mit Abwanderung und Bevölkerungsschwund kämpft, ist bekannt. Nun liegen aktuelle offizielle Zahlen vor, die der kroatischen Politik Sorgen bereiten dürften. Einige Demografen fühlen sich in ihren pessimistischen Vorhersagen bestätigt.
Kroatien hat in zehn Jahren fast 400.000 Einwohner verloren© Bradley St Clair / EyeEm / Getty Images

Als "unglaubliche Katastrophe" bezeichnete der renommierte kroatische Demograf Stjepan Šterc die am Freitag in Zagreb veröffentlichten Zahlen des kroatischen Statistikamtes. Das Land an der Adriaküste hat, wie erste Ergebnisse der Volkszählung von 2021 zeigten, seit 2011 fast zehn Prozent seiner Einwohner verloren. Lebten noch vor zehn Jahren 4,2 Millionen Menschen in Kroatien, seien es derzeit noch etwa 3,8 Millionen. 

Zwei Faktoren nannten die Experten als Ursache für die derzeitige Lage: die zunehmende Abwanderung und ein Defizit der Geburtenzahl gegenüber den Sterbefällen.

Kroatien ist seit 2013 Mitglied der Europäischen Union. Seitdem ist der Arbeitsmarkt der EU auch für kroatische Bürger offen. Dies verstärkte die Emigration aus dem Land. Laut neuesten Schätzungen sollen bis zu 250.000 Menschen allein nach 2013 ins Ausland, vorwiegend nach Deutschland, Österreich und Irland, ausgewandert sein. Als Ursachen werden die schlechte wirtschaftliche Situation, Arbeitslosigkeit und niedrige Löhne sowie die mangelnden Chancen auf Weiterbildung und Karriere infolge der Vetternwirtschaft im eigenen Land genannt.

Neben der Hauptstadt Zagreb mit rund 770.000 Einwohnern gibt es nur noch zwei Städte mit mehr als 100.000 Bürgern – Split und Rijeka. Vor allem die ländlichen Gebiete im zentralen und östlichen Teil Kroatiens verzeichnen nach Angaben des Statistikamtes die stärksten Rückgänge bei der Bevölkerung. Die größten Verlierer sind die Gespanschaften Vukovar-Syrmien (Minus 19,5 Prozent), Sisak-Moslavina (Minus 18,5 Prozent) und Brod-Posavina (Minus 17,5 Prozent).

Weite Teile dieser Regionen litten seit Beginn der Jugoslawien-Kriege Anfang der 90er Jahre ohnehin an starkem Bevölkerungsrückgang durch Vertriebene und Flüchtlinge. Die Gebiete wurden bis 1995 überwiegend von ethnischen Serben bewohnt. Über 200.000 von ihnen waren jedoch im Zuge der Militäroperation "Sturm" vertrieben worden und flüchteten vorwiegend nach Serbien. Die große Mehrheit kehrte nie nach Kroatien zurück.

In den letzten 30 Jahren verlor Kroatien insgesamt fast 19 Prozent der Bevölkerung beziehungsweise rund 900.000 Bewohner. In der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik lebten im Jahr 1991 noch 4,78 Millionen Menschen.

Gegenüber dem kroatischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender HRT warnte Šterc eindringlich davor, dass dem Land ein weiterer Exodus bevorstehen könnte. Der Grund sei die Tatsache, dass Anfang dieses Jahres auch die Schweiz ihre Grenzen für Arbeitskräfte aus Kroatien geöffnet hatte. Laut Šterc sei eine weitere Auswanderungswelle zu erwarten, "und zwar vorwiegend von jungen und gut ausgebildeten Fachkräften".

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