WHO schlägt Drosten für internationalen Beirat vor

Die Weltgesundheitsorganisation hat den deutschen Virologen Christian Drosten als Mitglied eines neuen Beirats vorgeschlagen. Dieser soll künftig Richtlinien für Studien über den Ursprung von Pandemien und Epidemien erarbeiten und entsprechende Untersuchungen beaufsichtigen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlug 26 Mitglieder aus zahlreichen Ländern vor, darunter China, die USA, Russland, Sudan, Saudi-Arabien und Kambodscha. WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan erklärte, dass politische Überlegungen bei der Auswahl angeblich keine Rolle gespielt hätten.

Dieser Beirat ist eine Reaktion auf die lange verschleppte WHO-Untersuchung zum Ursprung des erstmals Ende 2019 in Wuhan in China entdeckten Coronavirus. Eine Untersuchungskommission der WHO reiste erst mehr als zwölf Monate später nach China. Die Untersuchungen der WHO waren jedoch nicht unumstritten, da unter anderem der britisch-amerikanische Zoologe und Experte für Infektionsepidemiologie Peter Daszak Teilnehmer der Untersuchungskommission war. Dieser gilt als enger Kooperationspartner des Instituts für Virologie in Wuhan. Einige Experten vermuten, dass SARS-CoV-2 dort durch einen Unfall dort freigesetzt wurde. Andere Wissenschaftler gehen jedoch von einem natürlichen Ursprung des Virus aus. Mehrere Wissenschaftler, darunter auch Daszak und Drosten, bezeichneten die These vom Laborursprung des Virus in einem Meinungsbeitrag in der Fachzeitschrift Lancet recht früh als "Verschwörungstheorie".

Die US-Regierung wirft China außerdem vor, dem Expertenteam der WHO Informationen vorenthalten zu haben. Die chinesische Regierung lastet den USA hingegen an, die Frage nach dem Ursprung von SARS-CoV-2 für politische Zwecke zu missbrauchen. Der WHO zufolge sollen derartige Untersuchungen künftig über den Beirat vorbereitet werden, damit diese dann ohne politische Auseinandersetzungen stattfinden können. WHO-Chef Adhanom Ghebreyesus sagte:

"Es liegt in der Natur der Dinge, dass neue Viren mit dem Potenzial, Epidemien oder Pandemien auszulösen, auftauchen."

Er erklärte zudem, dass SARS-CoV-2 nicht der letzte Virus sein werde. Daher sei es wichtig zu verstehen, wo neue Pathogene herkommen. Dies sei wichtig, um künftige Pandemien und Epidemien zu verhindern. (rt/dpa)

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