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Für bessere Geschäfte in China? Credit Suisse kündigt Ai Weiweis Stiftungskonto

In einem Kommentar auf der Plattform "Artnet" klagt der chinesische Künstler Ai Weiwei, dass Credit Suisse das Konto seiner Stiftung für freie Meinungsäußerung schließen wolle, weil er vorbestraft sei. Und weil er die Schweizer China-Politik kritisiert habe. Doch das dürfte nicht alles sein.
Für bessere Geschäfte in China? Credit Suisse kündigt Ai Weiweis StiftungskontoQuelle: AFP © Miguel Riopa

Der chinesische Künstler Ai Weiwei schreibt in seinem Kommentar vom 6. September dieses Jahres auf Artnet.com, dass die Schweizer Großbank Credit Suisse sein Stiftungs-Konto schließen wolle. Er habe am 24. Juni einen Anruf der Bank erhalten, bei dem ihm mitgeteilt worden sei, dass das Konto, das zu einer von ihm im Jahr 2016 gegründeten Stiftung für freie Meinungsäußerung und Kunst gehörte, "so bald wie möglich" geschlossen werde.

Als Grund habe die Bank ihre neue Geschäftspolitik angegeben, alle Konten von Personen zu schließen, die einen Strafregistereintrag hätten, also vorbestraft seien. Ai Weiwei schreibt:

"Sie glaubten (oder gaben vor zu glauben?), dass ich in China wegen eines Verbrechens verurteilt worden war. Mit ein paar Hausaufgaben hätten sie feststellen können, dass ich nie formell angeklagt, geschweige denn wegen eines Verbrechens verurteilt worden war. Als das Pekinger Regime mich verhaftete und meinen Namen in den Schmutz zog, wandte es lediglich seine üblichen Methoden zur Verfolgung politischer Gegner an."

Im April 2011 war Ai in China zunächst ohne Anklage drei Monate lang von Sicherheitskräften an einem unbekannten Ort festgehalten worden. Er wurde am 22. Juni 2011 entlassen, allerdings unter der Auflage, Peking ein Jahr lang nicht zu verlassen. Dem von Ai gegründeten Unternehmen Fake Cultural Development Ltd. wird vorgeworfen, rund 15 Millionen Yuan (knapp zwei Millionen Euro) an Steuern hinterzogen zu haben. Nach eigenen Angaben warfen ihm die chinesischen Behörden auch Bigamie, illegalen Devisenhandel und Verbreitung von Pornografie vor.

Nach der anschließenden Anklage und einem Verfahren, bei dem laut Ai Weiwei seine Anwälte keinen Einblick in das angeblich gegen ihn vorliegende Beweismaterial gehabt hätten, wurde der Künstler zu einem Bußgeld in Höhe von 15,2 Millionen Yuan verurteilt. Einen von Ai Weiwei angestrengten Berufungsprozess lehnte die chinesische Justiz im Jahr 2012 ab. Doch die Verwicklungen Ai Weiweis mit den chinesischen Strafbehörden sind offenbar nicht der einzige Grund für die Kontoauflösung.

Der chinesische Konzeptkünstler erwähnt in seinem Beitrag auf Artnet.com auch ein Interview, das er am 18. Juni der Schweizer Gratiszeitung 20 Minuten gegeben hatte. Die Bank habe in dem Telefonat mit Ai Weiwei das Interview explizit als weiteren Grund erwähnt, so der Künstler. In dem Interview hatte er der Schweiz vorgeworfen, eine "zutiefst scheinheilige" China-Politik zu betreiben:

"Die Schweiz hat ihre eigene Agenda. Heißt: Man einigt sich darauf, sich bei den Menschenrechten nicht einig zu sein, und folgt dann fröhlich weiter seinen Geschäften."

Was genau an den Vorwürfen Ai Weiweis gegenüber Credit Suisse stimmt, lässt sich jedoch nicht überprüfen, da die Schweizer Großbank die Anfragen mehrerer Medien lediglich mit einem Satz beantwortete:

"Die Credit Suisse äußert sich nicht zu möglichen oder bestehenden Kundenbeziehungen."

Es darf jedoch gemutmaßt werden, dass hinter dem Schritt von Credit Suisse sicher auch das Bestreben steckt, mehr Business in China zu generieren. Thomas Gottstein hatte im März angekündigt, das Personal der chinesischen Niederlassung von Credit Suisse zu verdreifachen.

"Wir planen, unsere Präsenz in China in den nächsten drei Jahren mehr als zu verdreifachen, und freuen uns darauf, unsere Position zu stärken", so Gottstein.

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