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Studie zur Immunabwehr: Frühere Erkältungen schützen bei COVID-19-Erkrankung

Was einige Mediziner bereits zu Beginn der Corona-Krise vermutet hatten, wurde nun durch eine Studie der Charité bestätigt: Einige Menschen besitzen durch den Kontakt mit früheren Coronaviren bereits Immun-Gedächtniszellen, die den SARS-CoV-2-Erreger erkennen.
Studie zur Immunabwehr: Frühere Erkältungen schützen bei COVID-19-ErkrankungQuelle: www.globallookpress.com © Alexander Limbach

Das, was einige Mediziner bereits zu Beginn der Corona-Krise prognostiziert hatten, wurde nun durch eine Studie der Charité bestätigt: Einige Menschen besitzen Gedächtnis-Immunzellen, die den SARS-CoV-2-Erreger erkennen und bekämpfen – und das, obwohl sie nie zuvor mit dem Erreger infiziert waren. Grund dafür ist eine frühere Ansteckung mit anderen, bereits bekannten Coronaviren. In der Studie, die im Fachjournal Science erschien, hatte ein Forscherteam um Lucie Loyal Personen untersucht, die in der Vergangenheit Kontakt mit bereits endemischen humanen Coronaviren hatten. Im Detail fokussierten sich die Forscher auf HCoV-OC43, HCoV-229E, HCoV-HKU1 und HCoV-NL63.

Bereits im letzten Jahr hatten Forscher der Charité und des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik festgestellt,dass einige Menschen, die noch nicht mit dem SARS-CoV-2-Erreger konfrontiert waren, Gedächtnis-Immunzellen besitzen, die auch den neuen Erreger erkennen. Die Wissenschaftler führten dies darauf zurück, dass die sogenannten T-Helferzellen sich in der Vergangenheit mit harmloseren Coronaviren, die Erkältungen verursachen, auseinandersetzen mussten. Aufgrund der ähnlichen Struktur auf der Oberfläche der Viren, die vor allem Teile des Spike-Proteins betreffen, können diese auch das neue Coronavirus angreifen. Mittlerweile wurde diese Kreuzreaktivität durch eine ganze Reihe von Studien bestätigt. Unklar blieb jedoch, wie die Immunzellen den Krankheitsverlauf beeinflussen und ob dies wirklich zu einem milderen Krankheitsverlauf führt. Bei manchen Viren könnte es nämlich auch zu einer fehlgeleiteten Immunantwort mit negativen Auswirkungen kommen.

Ab Mitte 2020 untersuchten die Wissenschaftler deshalb bei 800 Probanden, die bis dahin noch keinen Kontakt mit dem SARS-CoV-2-Erreger hatten, ob sich diese anstecken würden. Dies war bei 17 Personen der Fall. Bei diesen analysierten die Forscher vor und während der Infektion das Immunsystem im Detail. Dabei zeigte sich, dass die T-Helferzellen, die sich bei einer früheren Erkrankung gebildet hatten, auch gegen das neue Virus wirken. Das Team stellte auch fest, dass die Immunantwort besser ausfiel, je mehr kreuzreagierende Zellen bereits vorhanden waren. Die Zellen erkennen dabei vor allem einen bestimmten Bereich des Spike-Proteins, der denen der älteren Coronaviren sehr ähnlich ist. Claudia Giesecke-Thiel, eine der Autorinnen der Studie, erklärte:

"Bei Erkältungen mit harmloseren Coronaviren baut das Immunsystem also eine Art universelles, schützendes Coronavirus-Gedächtnis auf. Wenn es nun mit SARS-CoV-2 in Kontakt kommt, werden solche Gedächtniszellen wieder aktiviert und greifen nun auch den neuen Erreger an. Das könnte zu einer schnelleren Immunantwort gegen SARS-CoV-2 beitragen, die einer ungehinderten Ausbreitung des Virus im Körper zu Beginn der Infektion entgegensteht und so den Verlauf der Erkrankung vermutlich günstig beeinflusst."

Dem Team zufolge könnte dies erklären, warum die Krankheitsverläufe bei COVID-19 sehr unterschiedlich sind. Die Forscher betonen jedoch, dass nicht jeder zwangsläufig durch T-Helferzellen vor einem schweren Krankheitsverlauf geschützt ist. Laut Giesecke-Thiel ist die Impfung deshalb weiterhin wichtig. In Untersuchungen an 31 Probanden zeigte sich zudem, dass eine Kreuzimmunität durch Kontakt zu früheren Coronaviren auch die Zeitspanne verkürzen kann, in der eine Immunantwort nach einer Impfung erfolgt.

Im zweiten Teil der Studie stellten die Forscher bei Untersuchungen an 570 Teilnehmern aber auch fest, dass die Immunantwort bei einer Kreuzreaktion mit zunehmendem Alter sinkt. Nicht nur die Anzahl der T-Helferzellen war geringer, auch die Bindungsstärke war schwächer. Als Begründung führen die Studienautoren die natürlichen Veränderungen des alternden Immunsystems an. Andreas Thiel, einer der Studienautoren, sagte:

"Der Vorteil, den eine harmlose Coronavirus-Erkältung jüngeren Menschen bei der Bekämpfung von SARS-CoV-2 und auch beim Aufbau des Impfschutzes häufig bringt, fällt bei älteren Menschen leider geringer aus."

Nach Thiels Auffassung ist daher eine dritte Impfung für die hochbetagte Risikogruppe sinnvoll.

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