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Nach "Kameltreiber"-Eklat: Noch keine Entschuldigung vom deutschen Team beim Radfahrer Lagab

Nach dem Rassismus-Skandal reagierte der Deutsche Olympische Sportbund zwar und suspendierte den Sportdirektor Moster. An den betroffenen algerischen Athleten Lagab ist bislang aber keine Entschuldigung gegangen. Lagab betont: Rassismus ist im Radsport kein Einzelfall.
Nach "Kameltreiber"-Eklat: Noch keine Entschuldigung vom deutschen Team beim Radfahrer LagabQuelle: AP © Christophe Ena / AP

Der algerische Olympia-Radrennfahrer Azzedine Lagab ist nach dem Rassismus-Skandal um den deutschen Funktionär Patrick Moster noch nicht persönlich von Moster oder dem deutschen Team kontaktiert worden. Das sagte der Algerier in einem Spiegel-Interview. Es habe zwar ein offizielles Statement gegeben, aber "eine persönliche Nachricht und Entschuldigung habe ich bisher weder von Moster noch vom deutschen Team erhalten".

Der deutsche Radsport-Direktor Patrick Moster hatte beim Einzelzeitfahren den deutschen Teilnehmer Nikias Arndt angefeuert und dabei die zwei vor diesem fahrenden Athleten verunmglipft – einer davon war Azzedine Lagab. Moster formulierte: "Hol die Kameltreiber! Hol die Kameltreiber! Komm!". Seine Worte wurden von der Kamera eingefangen und waren live im Fernsehen zu sehen und zu hören.

Als Reaktion auf den Aufschrei in den sozialen Medien suspendierte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) Moster und schickte ihn zurück nach Deutschland. Moster beteuerte, dass ihm die Aussagen leidtäten und er kein Rassist sei. Im offiziellen Statement spricht der DOSB davon, dass Mosters Äußerungen "gegen die olympischen Werte" verstoße und für den deutschen Verband ("Team D") "Fairplay, Respekt und Toleranz nicht verhandelbar" seien.

Lagab hatte sich unmittelbar nach dem Rennen über Twitter zu Wort gemeldet. Er schrieb:

"Es gibt bei den Olympischen Spielen kein Kamelrennen. Deshalb habe ich mich für den Radsport entschieden. Zumindest war ich in Tokio dabei."

Im Interview beschreibt der algerische Radprofi die Situation als keinen Einzelfall. Er selbst sei insbesondere in Europa schon häufig rassistisch beleidigt worden. Meistens finde das abseits der Kameras statt und es bekomme selten jemand mit. Lagab betont:

"Oft ist es allerdings viel aggressiver, dann werde ich Araber oder Afrikaner genannt, manche sagen auch Terrorist zu mir."

In den meisten Fällen suche der Algerier das direkte Gespräch mit den Beteiligten. Er wolle "kein Opfer sein" und bevorzugt "den direkten Kampf gegen Rassismus". In dem aktuellen Fall habe er allerdings erst nach dem Rennen von den rassistischen Äußerungen gehört. Dennoch wundere er sich, dass es bislang keine persönliche Aussprache gegeben hat.

Es habe zwar ein Statement von dem DOSB und dem Radsport-Dachverband UCI gegeben. Allerdings betonte Lagab, dass es in diesem Fall auch live im Video zu sehen gewesen sei – "man kann jedes Wort hören – und es ist viral gegangen". Er wünscht sich, dass solche Vorfälle in Zukunft auch Konsequenzen haben, "wenn es sie mal nicht auf Video geben sollte".

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