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Präsident Selenskij will eine "rein ukrainische" Airline schaffen

Die Ukrainer wollen mit ihrer Luftflotte unabhängiger werden. Der Staatspräsident Wladimir Selenskij will eine "rein ukrainische" Airline, die also nur mit Antonow-Maschinen (Typ An-148 und An-158) aus dem Werk bei Kiew-Gostomel fliegt. Der Plan gilt unter Flugexperten derzeit als "sehr ambitioniert".
Präsident Selenskij will eine "rein ukrainische" Airline schaffen© Dmitry A. Mottl / Lämpel / Wikimedia Commons

Im nationalen Überschwang setzt die Ukraine neuerdings vermehrt auf Eigenproduktion. Nach einem Ausbauprogramm für ihre Flughäfen soll demnächst das Flugwesen nur noch mit der Hausmarke Antonow für die staatseigene Airline in die Lüfte gehen. Gegenwärtig fliegt die Flotte der Gesellschaft "Ukraine International Airlines" dagegen mit 35 modernen Flugzeugen: mit den Mittelstreckenflugzeugen vom Typ Boeing 737 -800 (19), Boeing 737 - 900 (4), Embraer-190 (5) und Embraer-195 (2) sowie mit Langstreckenflugzeugen von den Typen Boeing 767-300ER (2) und Boeing 777-200ER (3). 

Nach den neuen Plänen des ukrainischen Staatspräsidenten Selenskij solle dann künftig eine staatliche Airline nur noch mit Maschinen aus heimischer Produktion an den Start gehen. Dazu will er auch jede Menge Investitionsmittel locker machen. In der Flugrevue wird er von einer Pressekonferenz Ende Mai im Antonow-Werk am Flughafen Kiew-Gostomel zitiert: "Der Staat ist bereit, Gelder bereitzustellen, um eine nationale, staatliche Fluggesellschaft aufzubauen."

Auch der zuständige ukrainische Minister für Infrastruktur, Aleksander Kubrakow wolle damit die Konnektivität innerhalb des Landes stärken und zugleich Arbeitsplätze sichern. Geeignete Flugzeugtypen gäbe es genug: Die An-148 und An-158, angetrieben mit je zwei ukrainischen D-436-Turbofans, böten für 75 bis 92 Passagiere in der An-148 Platz, in der An-158 für 102 Passagiere.

Bisher diente die An-158 auch als Plattform für das Transportflugzeug vom Typ An-178. Im Dezember 2020 bestellte die Regierung davon drei Exemplare für die ukrainische Armee.

Bisher hat Antonow lediglich 47 Exemplare der beiden genannten Muster gebaut. Seit 2014 hatte Antonow mit neuen Partnern aus dem Westen die Pflege früherer sowjetischer Modelle und die Produktion neuer Flugzeuge hochgefahren. Nach Aussagen des früheren Antonow-Chefs Aleksander Donez könne die Firma jährlich etwa 10 bis 15 neue Maschinen fertigen. Allein die Ersetzung der gegenwärtig im Einsatz befindlichen 35 Flugzeuge würde also mindestens drei Jahre dauern, bis der Plan des Staatspräsidenten nach einer eigenen ukrainischen Airline mit Maschinen ausschließlich "made in the Ukraine" wahr werden könnte. Und dann würden sich noch die Fragen nach der Tauglichkeit und Wirtschaftlichkeit der Flugzeuge für Interkontinental-Verbindungen stellen. Flugzeugexperten haben da heute noch Zweifel.

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