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Raketenbedrohungen aus dem Westen: Moskau schließt Gegenmaßnahmen nicht aus

Großbritannien und die USA haben den Einsatz bodengestützter Raketen mittlerer und kürzerer Reichweite in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum geplant. Russland schließt Gegenmaßnahmen als Reaktion auf die Raketenbedrohungen aus dem Westen nicht aus.
Raketenbedrohungen aus dem Westen: Moskau schließt Gegenmaßnahmen nicht ausQuelle: AFP © Yuri Kadobnov

Die Pläne des Vereinigten Königreichs und der USA, bodengestützte Raketen mittlerer und kürzerer Reichweite einzusetzen, erschwerten die Verhinderung möglicher Eskalationen erheblich, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Marija Sacharowa, am Montag.

"Das Ministerium schließt auch den Einsatz militärischer Maßnahmen als Reaktion auf Raketenbedrohungen aus dem Westen nicht aus."

In den letzten Wochen gab das Pentagon mehrere Erklärungen zu den praktischen Schritten zur Stationierung von Raketen ab, die zuvor durch den inzwischen aufgelösten Mittelstrecken-Nuklearstreitkräfte-Vertrag (INF) verboten waren, und "das britische Militär hat sich den offen feindseligen und destabilisierenden Erklärungen und Aktionen angeschlossen".

"Die Umsetzung solcher Militärprogramme gewinnt zunehmend an Bedeutung, was offensichtlich zu einer Verengung des Verhandlungsraums für eine politische und diplomatische Lösung des Post-INF-Problems und zur Verhinderung einer ernsthaften Eskalation im Raketenbereich führt", sagte Sacharowa.

"Wir schließen sicherlich nicht die Tür zu einem Dialog, aber angesichts der sich verschärfenden Lage schließen wir nicht aus, dass Russland gezwungen sein wird, seinen Fokus zunehmend auf eine militärische und technische Antwort auf die sich abzeichnenden Raketenbedrohungen zu verlagern."

Die USA kündigten im Februar 2019 den Vertrag über das Verbot nuklearfähiger bodengestützter Mittelstreckenraketen (INF-Vertrag) und setzten eine Testreihe einer neuen Generation bodengestützter ballistischer Mittelstrecken- und Marschflugkörper fort. Mehrere Medien berichteten bereits, dass das US-Verteidigungsministerium seine Präsenz im Indopazifik mit einem Netzwerk von bodengestützten Raketen auf militärischen Einrichtungen in der Region verstärken will.

"Wir werden die praktischen Maßnahmen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum zur Schaffung eines Arsenals landgestützter Mittelstrecken- und Kurzstreckenraketen weiterhin genau beobachten, insbesondere unter Berücksichtigung der von Großbritannien angekündigten Absichten."

Großbritannien hat mittlerweile seine Glaubwürdigkeit in Fragen von Abrüstung und Nichtverbreitung von Atomwaffen aufs Spiel gesetzt, da es seine Obergrenze für Nuklearsprengköpfe erhöhen will. Die britische Regierung kündigte im vergangenen Monat an, die Obergrenze für nukleare Sprengköpfe von derzeit 225 auf 260 zu erhöhen, statt wie geplant auf 180 zu verringern. 

Der INF-Vertrag wurde am 8. Dezember 1987 anlässlich des Gipfeltreffens von Washington unterzeichnet und nach seiner Ratifizierung am 1. Juni 1988 während des Gipfeltreffens in Moskau in Kraft gesetzt. Er wurde auf unbeschränkte Dauer geschlossen, ist jedoch seit dem 2. August 2019 außer Kraft gesetzt.

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