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WHO spricht sich gegen geplante EU-Impfpässe aus

Der Europadirektor der WHO äußerte deutliche Einwände gegen die Einführung eines EU-Impfpasses. Man verstehe jedoch, dass Regierungen "mit der politischen Realität" konfrontiert seien. Mit dem Ende der Pandemie könne man zudem erst im Jahr 2022 rechnen.
WHO spricht sich gegen geplante EU-Impfpässe ausQuelle: www.globallookpress.com © Christoph Hardt

Am 17. März will EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen Gesetzentwurf für einen "digitalen grünen Impfpass" vorlegen, in dem Corona-Impfungen, COVID-19-Erkrankungen und negative Testresultate vermerkt sein sollen. Der digitale Impfpass soll innerhalb von drei Monaten technisch vorbereitet werden. Doch nun spricht sich die Weltgesundheitsorganisation WHO gegen die Einführung eines EU-Impfpasses aus. Hans Henri Kluge, der Europadirektor der WHO, äußerte im Interview mit der Welt deutliche Einwände gegen die Einführung eines Corona-Impfpasses im Sommer. Bisher wisse man nicht, wie lange eine Immunität nach einer COVID-19-Impfung anhalte:

"Zudem verschärft der Impfpass die Ungleichheit. Wer geimpft ist, bekommt den Impfpass, wer keine Impfung hat, bekommt keinen."

Kluge wies zudem darauf hin, dass es vor allem junge Leute seien, die einen Impfpass benötigten, wenn sie "irgendwo den Sommer genießen wollen". Diese seien allerdings bei den Massenimpfungen nicht zuerst an der Reihe. Man verstehe jedoch, dass die Regierungen mit der politischen Realität konfrontiert seien:

"Es ist wohl unvermeidlich. Aber es ist keine Empfehlung der WHO."

Kluge rechnet zudem damit, dass die von der WHO ausgerufene Pandemie erst im Jahr 2022 vorbei sein werde:

"Ich gehe davon aus, dass 2021 ein weiteres COVID-Jahr wird."

Das Jahr 2020 sei "Terra incognita" gewesen, in dem "wissenschaftliche und politische Dunkelheit" geherrscht habe. Er gehe aber davon aus, dass 2022 wieder mehr Normalität einkehrt:

"Was nicht heißt, dass das Virus weg ist. Aber hoffentlich braucht es dann keine der disruptiven Interventionen mehr."

Der WHO-Direktor riet weiterhin, die "Erfahrungen" der Corona-Krise nicht zu vergessen. Bei Ebola habe man gesehen, dass dem "Panikzyklus" eine Phase des Vergessens folgte. So etwas sollte jedoch eine "bleibende" Erinnerung sein. Man könne zudem mittlerweile einen gewissen "Pandemiefrust" bei den Menschen beobachten. Für Einige seien die Impfungen nun mit "großen Hoffnungen" verknüpft. Man müsse jedoch realistisch sein, da man nicht den gesamten Planeten auf einmal immunisieren könne:

"Deshalb führen wir auch Verhaltensstudien durch, um zu sehen, wo die Leute besonders der Einschränkungen müde sind."

Kluge warb auch für mehr europäische und weltweite Solidarität im Hinblick auf die Massenimpfungen, denn niemand sei sicher, solange "nicht alle sicher sind":

"Wir müssen uns gedulden. Das ist das größte Impfprogramm der Weltgeschichte."

Laut dem WHO-Direktor müsse man auch die Mutationen des SARS-COV-2-Erregers ernst nehmen, da sich diese schneller verbreiten. Wenn dies mit einer langsamen Impfkampagne zusammenfalle, "verlieren wir das Momentum". Dann könne das Virus wieder "die Oberhand gewinnen".

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