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Bill Gates warnt vor der nächsten Pandemie: "Zehnmal so schlimm"

Gates kritisierte "Impfnationalismus" und Leichtfertigkeit im Umgang mit der Pandemie. Er warnte zudem, die Menschen seien nicht auf die nächste Pandemie vorbereitet. Diese Pandemie sei schlimm, aber eine künftige Pandemie könne "zehnmal" so schlimm werden.
Bill Gates warnt vor der nächsten Pandemie: "Zehnmal so schlimm"Quelle: Reuters © Jason Lee

Der Microsoft-Gründer Bill Gates sieht die Welt in einer "wirklich harten Phase" und fordert eine "gerechte Verteilung" von Impfstoffen auch an arme Länder. Er warnte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, nun gehöre COVID wie Erdbeben und Wirbelstürme zur neuen Normalität.

"Die Müdigkeit wegen der wirtschaftlichen Einschränkungen ist in vielen Ländern gigantisch. Gott sei Dank kommen jetzt die Impfstoffe 'raus, aber auch da sind alle herausgefordert bei Logistik und Nachfrage", sagte Bill Gates.

Die wissenschaftliche Arbeit sei fantastisch. Die Erfindung von mRNA-Impfstoffen, die großartige Arbeit von BioNTech mit Pfizer, Moderna – das seien Meilensteine. "Ein nationalistischer Blick hilft uns aber nicht weiter", sagte Gates. Die Impfstoffe müssten so schnell wie möglich an die Mitarbeiter im Gesundheitswesen und an ältere Menschen "auf der ganzen Erde" verteilt werden.

Auf die Frage nach dem Export der Impfstoffe sagte Gates, dass sich die Länder frei entscheiden könnten, welchen Impfstoff sie nutzen wollen. Da gebe es erst einmal keine Abhängigkeiten. Manche dieser Impfstoffe hätten ein strenges regulatorisches Verfahren hinter sich, manche nicht, erklärte er.

"Deswegen sind Länder frei darin zu entscheiden, ob sie den Goldstandard bei Sicherheit und Effektivität wollen oder ob sie ohne diese Sicherheit weitermachen. Wenn die Versorgung mit dem Goldstandard sichergestellt ist, wird die Entscheidung leichtfallen", meinte Gates in der Süddeutschen Zeitung

Der Gesundheits-Mäzen behauptete, in Russland etwa sei die Nachfrage nach dem eigenen Impfstoff gar nicht "super hoch". Seine Stiftung habe auch mit chinesischen Firmen zusammengearbeitet, um bessere Informationen zur Sicherheit und Effektivität zu erhalten. 

Bezüglich der wachsenden Unruhe unter den Menschen aufgrund der Corona-Maßnahmen sagte Gates, die Geduld der Menschen sei definitiv "strapaziert". Und das betreffe alle Dimensionen von Ungleichheit:

"Wer in einer kleinen Wohnung wohnt, wer kein Internet hat, wessen Schule keinen Online-Unterricht anbieten kann. Wir haben ganz schön was zu schaufeln, um da wieder rauszukommen. Selbst im besten Fall wird es nahezu das ganze Jahr brauchen, um das Leben wieder ins Laufen zu bringen."

Gates warnte zudem, dass die Menschen nicht auf die nächste Pandemie vorbereitet seien. "Ich hoffe, dass es in zwei Jahren anders aussieht. Impfstoffe, Tests, Medikamente, Epidemiologie, Monitoring – es gibt viel, was man tun kann", unterstrich der Microsoft-Gründer.

"Diese Pandemie ist schlimm, aber eine künftige Pandemie könnte zehn Mal so schlimm sein. Es muss also eine globale Antwort geben", warnte Gates.

In einem weiteren Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters  äußerte sich Gates am Mittwoch auch zu seiner Rolle von grassierenden Verschwörungstheorien. "Glauben Menschen solches Zeug wirklich?", fragte Gates in Bezug auf kursierende Gerüchte unter "Corona-Leugnern", er wolle Menschen bei der Impfung "chippen". Nie hätte er geglaubt, dass er selbst eine so große Rolle bei diesen "wirklich bösen Theorien" spielen würde.

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