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Taliban-Kopfgeld, Teil 3: Angriffe auf US-Truppen in Afghanistan angeblich von China beauftragt

Mit der Originalität eines Hollywood-Remakes hat die Geschichte über einen Staat, der Militanten in Afghanistan Kopfgelder für Angriffe auf US-Truppen zahlt, ein Comeback erlebt. Diesmal ist der Bösewicht aber nicht Russland oder der Iran, sondern China.
Taliban-Kopfgeld, Teil 3: Angriffe auf US-Truppen in Afghanistan angeblich von China beauftragtQuelle: www.globallookpress.com © Master Sgt. Alejandro Licea

Geheimdienste weisen darauf hin, dass laut Quellen "nichtstaatliche Akteure" in Afghanistan für Angriffe gegen US-Truppen bezahlt wurden. Präsident Trump soll darüber informiert worden sein. Die Kopfgelder wurden vermutlich zu einem sensiblen Zeitpunkt angeboten, als die USA und die Taliban Gespräche über ein Friedensabkommen führten.

Wenn Sie jetzt vermuten, dass dies eine Zusammenfassung der Geschichte "Russisches Kopfgeld auf US-Soldaten" aus diesem Sommer war, liegen Sie falsch. Es sind aktuelle Nachrichten von dieser Woche, die zuerst von der Nachrichtenwebseite Axios und später von allen anderen Medien vermeldet wurden, die Zugang zu – traditionell – ungenannten Quellen haben. Der Staat, der die Kopfgelder zahlte, soll China sein.

Die Verwirrung ist jedoch durchaus nachvollziehbar, da es in dieser Geschichte mindestens zwei Wendungen gab. In Berichten vom Juni hieß es, es sei Russland, das angeblich die Taliban dazu anregte, gegen seinen Feind zu kämpfen, obwohl der eigentliche Bösewicht laut US-Medien Trump war, weil er Moskau seinen Platz nicht gezeigt hatte. Im August wurde berichtet, dass das Kopfgeld aus dem Iran kam. Dieser Fall erregte in den US-Medien nicht so viel Aufsehen – möglicherweise, weil es selbst für Trumps größte Kritiker zu weit von der Realität entfernt gewesen wäre, ihn als "weich" gegenüber dem Iran zu bezeichnen. Die jüngsten Meldungen zu China erwähnen das iranische Remake nicht einmal.

Die dritte Folge der Geschichte wurde von der Trump-Welt mit Freude aufgenommen. Sie forderte die Medien auf, darüber genauso zu berichten, wie es bei der ersten Folge mit Russland der Fall gewesen war. Während der Präsidentschaftskampagne arbeitete Trump hart daran, seinen demokratischen Rivalen Joe Biden als Speichellecker Chinas erscheinen zu lassen, daher ist die politische Motivation hier ziemlich durchschaubar.

Wenn frühe Signale ein Indikator sind, werden die Trump-Anhänger aber wahrscheinlich enttäuscht sein. Quellen berichten ihren Medienkontakten bereits, dass die Spur zum chinesischen Geheimdienst "sehr dünn" ist, "Gerüchten" gleichkommt und "weniger" glaubwürdig ist als das, was sie über Russland hatten, sehr zum Leidwesen der Trump-Beamten.

Und die Sache mit dem russischen Kopfgeld ging nie so richtig auf. "Es ist einfach nicht mit einer Gewissheit bewiesen worden, die mich zufriedenstellt", sagte General Frank McKenzie, Kommandeur der US-Truppen in Afghanistan, im September.

Die neueste Meldung enthält das Versprechen, dass die USA alle Informationen, die sie haben, freigeben werden, um die Behauptung über Chinas Kopfgeld zu stützen. Sollte das stimmen, wäre dies für die breite Öffentlichkeit eine seltene Gelegenheit, sich selbst ein Urteil zu bilden, anstatt sich auf die vagen Geheimdiensteinschätzungen und Zusicherungen von Journalisten zu verlassen, die mit ungenannten Quellen arbeiten.

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