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Neuseeland kritisiert Chinas "Provokation" gegen Australien

Neuseeland bietet Australien Rückenwind im Mem-Streit mit China. Die neuseeländische Regierungschefin kritisierte die vermeintliche Provokation des chinesischen Außenministeriums. Der Premierminister Australiens zeigte sich unterdessen von dem Mem empört.
Neuseeland kritisiert Chinas "Provokation" gegen AustralienQuelle: Reuters © Praveen Menon

Die Premierministerin Neuseelands Jacinda Ardern hat sich im Streit zwischen Australien und China auf die Seite Canberras gestellt, nachdem ein chinesischer Diplomat eine Illustration veröffentlichte, die einen australischen Soldaten zeigt, der ein afghanisches Kind mit einem Messer bedroht.

Ihre Regierung habe Peking für diesen Vorfall getadelt, so Ardern. Sie bezeichnete den Tweet als ungerecht und teilte Reportern am Dienstag mit, dass Wellington Peking direkt kontaktiert habe, um Einwände gegen das umstrittene Bild zu erheben, das am Sonntag vom Sprecher des chinesischen Außenministeriums Zhao Lijan gepostet wurde. Die neuseeländische Regierungschefin erklärte:

"Es findet ein Schlagabtausch zwischen Australien und China statt, der natürlich in Bereiche hineinreicht, in denen wir prinzipiell Bedenken haben können und diese auch zur Sprache bringen werden. In diesem Fall wurde ein Bild verwendet, das sachlich nicht korrekt ist, das kein echtes Bild ist. Wir haben das also direkt bei den chinesischen Behörden zur Sprache gebracht."

In Zhaos Tweet war ein australischer Soldat im Kampfanzug zu sehen, der einem kleinen Kind ein Messer an die Kehle hält. Der Diplomat schrieb hierzu:

"Schockiert über die Ermordung afghanischer Zivilisten und Gefangener durch australische Soldaten. Wir verurteilen solche Taten auf das Schärfste und fordern, sie zur Rechenschaft zu ziehen."

Der Beitrag folgte auf einen Mitte November veröffentlichten Bericht der australischen Behörden über Kriegsverbrechen einiger ihrer Soldaten. In dem Bericht heißt es, dass Mitglieder australischer Spezialeinheiten in den Jahren 2007 bis 2014 Dutzende von Zivilisten und Nicht-Kombattanten in Afghanistan hingerichtet haben.

Vertreter des australischen Militärs in Canberra halten den Bericht für "zutiefst beunruhigend". Der Chef der australischen Verteidigungskräfte bezeichnete die Untersuchungsergebnisse als "unserer moralischen Autorität abträglich". Unterdessen prangerte Australiens Premierminister Scott Morrison Zhaos Tweet als äußerst empörend an und verlangte von Peking eine Entschuldigung für die "schreckliche Beleidigung unserer großen Verteidigungskräfte".

China weigerte sich bisher, die Veröffentlichung zu widerrufen. Stattdessen forderte Hua Chunying, eine weitere Vertreterin des chinesischen Außenministeriums, Morrison auf, die für Kriegsverbrechen Verantwortlichen "vor Gericht zu bringen und dem afghanischen Volk eine offizielle Entschuldigung anzubieten". Sie hob hervor:

"War es nicht die australische Regierung, die Soldaten nach Afghanistan schickte? Es sind australische Soldaten, die solch grausame Verbrechen begangen haben. Sollte sich die australische Regierung nicht schämen? Sollte sie sich nicht dafür schämen, dass ihre Soldaten unschuldige afghanische Zivilisten getötet haben?"

Obwohl Ardern in ihren jüngsten Äußerungen Unterstützung für Canberra zum Ausdruck brachte, hielt sich Wellington generell von der wachsenden diplomatischen Kluft zwischen Australien und China fern. Das Land der Mitte ist mit einem jährlichen Handelsvolumen von über 23,2 Milliarden US-Dollar der größte Handelspartner Neuseelands. Gleichzeitig unterhält Neuseeland enge Beziehungen zu Australien. Beide Nationen gehören neben den USA, Großbritannien und Kanada der Geheimdienst-Allianz Five Eyes an.

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