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Ein langer Weg: Eine Māori ist neue Außenministerin Neuseelands

Rund zwei Wochen nach ihrem deutlichen Wahlsieg hat Neuseelands Ministerpräsidentin Jacinda Ardern vor wenigen Tagen ihr neues Kabinett vorgestellt. Außenministerin wird die Māori Nanaia Mahuta. Ein Ereignis, das als historisch bezeichnet werden muss.
Ein langer Weg: Eine Māori ist neue Außenministerin NeuseelandsQuelle: Gettyimages.ru © Mark Tantrum

Die neuseeländische Politikerin Nanaia Mahuta schrieb diese Woche Geschichte, als sie zur ersten indigenen Außenministerin Neuseelands ernannt wurde. Nun wurde sie offiziell vereidigt.

Die 50-jährige Māori wurde erstmals 1996 ins Parlament gewählt. Bisher fielen ihr die Ressorts Māori-Entwicklung und Lokalverwaltung zu. Die Ministerin entstammt den Stämmen Waikato-Tainui, Ngāti Maniapoto und Ngāti Hine. Zuletzt erklärte sie u.a., dass Frauen mit Māori- und gemischter Abstammung im heutigen Neuseeland berufliche Möglichkeiten hätten, die ihnen zuvor lange verschlossen waren. Ihr neues Amt beschrieb sie als "riesiges Privileg".

Im Jahr 2016 wurde Mahuta, nachdem sie an einer Māori-Tätowierungszeremonie teilgenommen hatte, die erste weibliche Abgeordnete, die das Moko Kauae trug. Traditionelle Tätowierungen bieten "positive Möglichkeiten, kulturellen Ausdruck und Stolz darauf zu ermöglichen, Māori zu sein", twitterte sie im vergangenen Jahr.

Obwohl das Tätowieren in den polynesischen Gesellschaften seit Jahrhunderten praktiziert wird, entwickelten die Māori ihre eigenen spezifischen Techniken und Werkzeuge. Organische Pigmente – hergestellt durch das Verbrennen von Harz aus Kauribäumen und das Mischen des Rußes mit Öl oder anderen Flüssigkeiten – wurden mithilfe von aus Vogelknochen hergestellten Werkzeugen, meist denen von Albatrossen, behutsam unter die obersten Hautschichten gemeißelt. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde die Verwendung von Nadeln immer üblicher, während heute auch moderne Tätowiermaschinen verwendet werden.

Die Verbreitung von Gesichts-Moko ging nach der Ankunft der Europäer stark zurück – nicht zuletzt, weil die Köpfe tätowierter Māori-Krieger unter den Invasoren sehr beliebt waren.

Der neuen neuseeländischen Außenministerin ist es ein wichtiges Anliegen, gegen Vorurteile gegen die indigene Māori-Bevölkerung vorzugehen und entsprechende Aufklärungsarbeit zu leisten. Noch vor wenigen Wochen kritisierte sie etwa den Mangel an offiziellen Daten über das Unternehmertum der Māori und ihren Beitrag zur neuseeländischen Wirtschaft.

Unsere Vorfahren waren Unternehmer", erklärte Mahuta vor einer Schülerversammlung.

Die Tangata Whenua, die Ureinwohner Neuseelands, besiedelten vor mehr als 1.000 Jahren Neuseeland. Bei dem im Jahre 1840 unterzeichnete Vertrag von Waitangi handelt es sich um ein Abkommen zwischen der britischen Krone und den Māori. Auch als Schutz vor den Franzosen, die ebenfalls imperiale Begehrlichkeiten hegten, galt fortan britisches Recht, während den Māori die Souveränität über ihr Land und der Erhalt ihrer Kultur offiziell garantiert wurden. Der Vertrag gilt als Gründungsdokument Neuseelands.

Der Vertragstext ließ jedoch viel Spielraum für Interpretationen, insbesondere in Bezug auf die tatsächliche Bedeutung von Souveränität. Diese Diskrepanzen führten in den Jahrzehnten nach der Unterzeichnung zu massiven Meinungsverschiedenheiten und trugen schließlich zu den Neuseelandkriegen von 1845 bis 1872 bei.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verloren die Māori zunehmend die Kontrolle über einen Großteil ihres Landes, manchmal durch rechtmäßigen Verkauf, allzu oft jedoch besetzten britische Siedler unrechtmäßig Land. In anderen Fälle wurde Land beschlagnahmt.

In der Zeit nach den Neuseeländischen Kriegen ignorierte die angloneuseeländische Regierung den Vertrag weitestgehend, bis ihn ein Gerichtsurteil von 1877 für "nichtig" erklärte.

Erst ab den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts gestand die neuseeländische Regierung den Māori Schritt für Schritt mehr Rechte zu.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann das öffentliche Bewusstsein für den Charakter des Vertrags und die Marginalisierung der Māori zu wachsen. In den 1970er- und 1980er-Jahren häuften sich die Proteste zur Anerkennung der verankerten Vertragsrechte der Māori.

Mit dem Gesetz über den Vertrag von Waitangi von 1975 wurde schließlich das Waitangi-Tribunal eingerichtet, das Behauptungen, die Regierung habe den Vertrag gebrochen, prüfen und Empfehlungen an die Regierung aussprechen sollte. Die Grundsätze des Vertrags – eine Partnerschaft zwischen der Regierung und den Māori – begannen in anderen neuseeländischen Gesetzen Erwähnung zu finden, und die allgemeine Akzeptanz des Vertrags wuchs weiter. Die Lösung von Missständen im Rahmen des Vertrags blieb jedoch ein fortlaufender Prozess.

Heute machen die Māori noch etwa 14 Prozent der Gesamtbevölkerung Neuseelands aus.

Neben der neuen Außenministerin gibt es eine wachsende Zahl hochrangiger Persönlichkeiten mit Gesichtstattoos in der neuseeländischen Gesellschaft, wie z.B. die Journalistin Oriini Kaipara, die im vergangenen Jahr als erste Frau mit Moko Kauae die Nachrichten auf einem reichweitenstarken Fernsehsender präsentierte.

Das 20-köpfige Kabinett der wiedergewählten neuseeländischen Premierministerin Ardern beinhaltet fünf Māori. Damit besteht das neue Kabinett aus 40 Prozent Frauen, 25 Prozent Māori und 15 Prozent Personen der sogenannten LGBT+-Gruppe.

Dies ist ein Kabinett, das auf Verdiensten basiert und unglaublich vielfältig ist. Darauf bin ich stolz", sagte die 40-Jährige.

Bei der Parlamentswahl am 17. Oktober hatte die Labour-Partei nach vorläufigen Ergebnissen eine absolute Mehrheit von 64 der 120 Parlamentssitze in dem südpazifischen Inselstaat errungen. Obwohl sie allein regieren könnte, hatte Ardern am Wochenende angekündigt, ihre Zusammenarbeit mit den Grünen fortzusetzen. Beide Parteien hätten sich auf ein Kooperationsabkommen geeinigt.

Wir haben in der vorigen Regierung gezeigt, dass wir gut zusammenarbeiten können. In Umwelt- und Wohlstandsfragen sind wir uns in vielen Punkten einig, die gut für Neuseeland sind", zeigte sich Ardern überzeugt.

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