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"Eine Reihe von Unstimmigkeiten": Russland stellt an die EU neun Fragen zum Fall Nawalny

Die Ständige Vertretung Russlands bei der EU hat im Zusammenhang mit dem Fall Nawalny eine Reihe von Fragen an EU-Beamte und Mitglieder des Europäischen Parlaments gestellt. Unter anderem wiesen sie auf die Unwilligkeit der deutschen Seite zur Kooperation hin.
"Eine Reihe von Unstimmigkeiten": Russland stellt an die EU neun Fragen zum Fall NawalnyQuelle: Reuters © Michele Tantussi

"In den letzten Wochen beobachten wir in der EU – sowohl in offiziellen Kreisen als auch in den Medien – eine schnell zunehmende Informationskampagne über den Vorfall mit dem russischen politischen Aktivisten und Blogger Alexei Nawalny am 20. August 2020", erklärten die Diplomaten.

Wir betrachten uns nicht als Toxikologen, aber wir halten es dennoch für notwendig, Ihre Aufmerksamkeit auf eine Reihe von Unstimmigkeiten in diesem Zusammenhang zu lenken. Im Hinblick auf die bevorstehende Diskussion im Europäischen Parlament fordern wir EU-Beamte und Abgeordnete des Europäischen Parlaments dringend auf, die folgenden Fragen zu untersuchen.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur TASS wurde das entsprechende Dokument bereits an das Europäische Parlament weitergeleitet. Insgesamt wurden an die europäischen Politiker neun Fragen gestellt.

Als Erstes fragten sie: Ist es sinnvoll, dass die russischen Behörden Alexei Nawalny in einer Stadt mit einer halben Million Einwohner mit einem Nervengas "vergiften" und dann alles tun, um sein Leben zu retten und ihn zur Behandlung nach Deutschland abtransportieren zu lassen, wo Nowitschok identifiziert werden könnte?

Dann stellt sich die Frage nach der Zweckmäßigkeit der "Vergiftung" von Nawalny, den laut einer Umfrage der vom Staat unabhängigen Organisation Lewada-Zentrum etwa zwei Prozent der Bevölkerung in Russland unterstützen.

Die russischen Diplomaten fragten weiter, warum die deutschen Behörden nicht auf Moskaus Anfrage reagieren, die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchungen, die in einem Speziallabor der Bundeswehr durchgeführt wurden, an Russland zu übergeben oder sie zu veröffentlichen. Statt der Kooperation habe Berlin zunächst den Prozess verzögert und danach erklärt, dass keine Beweise vorgelegt werden.

Russlands Vertretung wies darauf hin, dass Moskau ständig aufgefordert wird, eine gründliche und transparente Untersuchung des mutmaßlichen Attentats durchzuführen, wobei einige der Personen, die Nawalny auf seiner Reise nach Sibirien begleiteten, nach dem Vorfall Russland verließen und nach Deutschland reisten.

Warum wird behauptet, dass das Nervengas der Nowitschok-Gruppe von der Sowjetunion und dann von Russland entwickelt worden sei, und dabei wird die Tatsache ignoriert, dass Fachleute aus westlichen Staaten und zuständige NATO-Organisationen seit mehreren Jahren chemische Stoffe entwickelten, die mit der Nowitschok-Gruppe in Zusammenhang stehen? Beispielsweise haben die USA mehr als 150 Patente für den Kampfeinsatz dieser Stoffe erteilt.

Die russische Seite wundert sich auch darüber, warum der Transport von Nawalny in die Berliner Klinik Charité unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt wurde, obwohl es zu diesem Zeitpunkt keine Berichte über die "Entdeckung" von Nowitschok gab.

"Bedeutet das, dass Berlin im Voraus etwas wusste, was niemand sowohl in Moskau als auch in Omsk wusste? Es sei darauf hingewiesen, dass im Krankenhaus von Omsk mehr als 60 biochemische Analysen durchgeführt wurden und keine davon jegliche Anzeichen einer Vergiftung zeigten", hieß es weiter.

Eine weitere Frage betrifft die Flasche Wasser, auf der nach Angaben der deutschen Seite Spuren des Giftstoffes nachgewiesen wurden. Es gibt dabei keine Foto- oder Videobeweise dafür, dass Nawalny aus einer solchen Flasche trank, bevor er den Flughafen in Tomsk verließ. Zudem ist unklar, wie die Flasche nach Berlin gelangt ist.

Warum vermeiden die deutschen Ärzte der Charité einen professionellen Dialog mit ihren russischen Kollegen, trotz der offensichtlichen Unstimmigkeit zwischen den Symptomen, den toxikologischen Analysen und der Diagnose von Herrn Nawalny?

Die Diplomaten deuteten zudem darauf hin, dass Berlin den Vorschlag ablehnte, ein gemeinsames unabhängiges Gremium zur Untersuchung des Falls einzurichten.

Schließlich folgte die Frage, warum weder ein deutscher Toxikologe (aus dem militärischen oder zivilen Bereich) noch die Ärzte der Charité eine kompetente Stellungnahme zu dem Vorfall abgaben, wie das die Ärzte in Omsk getan haben. Jegliche Hinweise darauf, dass die Offenlegung der medizinischen Daten nur unter der Zustimmung der Patienten erfolgt, widersprechen zahlreichen politischen Aussagen, die in Deutschland gemacht wurden, als Alexei Nawalny im Koma lag.

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