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Wo uns Leid nicht interessiert: Liste der am wenigsten beachteten Krisenländer veröffentlicht

Einmal jährlich veröffentlicht die Norwegische Flüchtlingshilfe (NRC) ein Ranking der am stärksten vernachlässigten Länder. Schon zum zweiten Mal führt die ehemalige deutsche Kolonie Kamerun das Ranking an. Auch Venezuela ist dabei.
Wo uns Leid nicht interessiert: Liste der am wenigsten beachteten Krisenländer veröffentlichtQuelle: Reuters © /Kolawole Adewale

Jeden Tag kämpfen Menschen weltweit ums Überleben, fliehen vor Hunger, Verfolgung, Terror und Krieg. Die Öffentlichkeit in Europa bekommt davon wenig mit. Nur selten schaffen es die katastrophalen Lebensumstände Einzelner oder ganzer Bevölkerungsgruppen in die internationalen Schlagzeilen. Die Norwegische Flüchtlingshilfe (NRC) veröffentlicht jedes Jahr eine Liste der am wenigsten beachteten humanitären Katastrophen. Dabei werden drei Hauptkriterien beleuchtet: Wer berichtet, wer bemüht sich um Verbesserung der Situation und wer schickt Hilfsgelder?

Kamerun hält traurigen Rekord

Schon zum zweiten Mal führt die ehemalige deutsche Kolonie Kamerun das Ranking an. Dessen Bevölkerung ist von mehreren Krisen betroffen: Im Norden kämpft die islamistische Terrormiliz Boko Haram gegen Regierungstruppen, zugleich harren rund 300.000 Flüchtlinge aus der seit 2013 im Bürgerkrieg zerfallenden Zentralafrikanischen Republik (Platz 9 des Rankings) im westlichen Teil des Landes aus. Die wohl gefährlichste Krise in Kamerun aber ist ein teils brutal ausgetragener Konflikt zwischen englisch- und französischsprachiger Bevölkerung, der auf die koloniale Spaltung der Region nach dem Ersten Weltkrieg zurückgeht. Auch in Kamerun droht nun ein Bürgerkrieg.

Kongo: Fast vier Millionen Kinder mangelernährt

In der Demokratischen Republik Kongo (Platz 2 des Rankings) leiden die Menschen unter mehreren Krisen. Das Land, dessen Einwohnerzahl mit 84 Millionen jener Deutschlands gleicht, hatte 2019 mit fast 1,7 Millionen die weltweit höchste Zahl an neuen Binnenflüchtlingen. Abgesehen von diversen gewalttätigen Konflikten seit der Wahl 2018 gab es im darauffolgenden Jahr den weltweit zweitgrößten Ebola-Ausbruch und die größte Masernepidemie, die das Land seit Jahrzehnten gesehen hat. Nach dem Jemen spielt sich im Kongo die zweitgrößte Hungerkatastrophe der Welt ab. Über 15 Millionen Menschen waren 2019 nicht dazu in der Lage, sich selbst ausreichend mit Nahrung zu versorgen, und fast vier Millionen Kinder unter fünf Jahren waren akut mangelernährt.

40 Geheimbünde bereichern sich am Ölreichtum Nigerias

Nirgends ist Boko Haram so aktiv wie in Nigeria (Platz 8 in der Liste), dem mit über 200 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land Afrikas. Doch die terroristische Gruppierung und ihre Abspaltungen sind bei Weitem nicht die einzigen bewaffneten Gruppen, die in dem rasant wachsenden Land ohne Rücksicht auf die Bevölkerung um Einfluss kämpfen. Beispielsweise bereichern sich allein 40 Geheimbünde – meist aus studentischen Gruppen hervorgegangene, nun schwerkriminelle Organisationen mit mehreren Tausend Zellen – am Reichtum des Landes, das pro Jahr etwa 100 Millionen Tonnen Öl fördert. Schwere Dürren und Überschwemmungen verschlimmerten die Situation 2019 zusätzlich.

Im Nordwesten Nigerias, dem Sahel, sind vor allem Mali (Platz 6), Burkina Faso (Platz 3) und Niger (Platz 10) von gewaltsamen Auseinandersetzungen und Hungersnöten betroffen. Entstanden ist auch in diesen Gebieten südlich der Sahara eine schwer zu durchblickende Gemengelage. Der Wegfall der Lebensgrundlagen verschärft sich durch den Klimawandel stetig, die allgegenwärtige Gewalt, die hier vor allem von islamistischen Gruppen ausgeht, führt zu einer unerträglichen Situation für die Bevölkerung.

Venezuela: Korruption, Misswirtschaft, politische Konflikte

Das einzige nicht-afrikanische Land im NRC-Ranking ist Venezuela (Platz 5). Seit 2013 ist die venezolanische Wirtschaft ununterbrochen geschrumpft. Das Land mit den weltweit größten Erdölreserven ist wie kein anderes von den fallenden Ölpreisen betroffen. Exporteinbrüche und Hyperinflation waren die Folge. Hinzu kommen zahlreiche völkerrechtswidrige Sanktionen der US-Regierung und durch die EU. Vor allem die katastrophale Versorgungslage treibt die Menschen ins Ausland. Seit 2015 sind pro Jahr etwa eine Million Menschen aus dem Land geflohen.

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