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Wildtiermärkte und Massentierhaltung: Auch Vietnam trifft Gegenmaßnahmen

Um die Gefahr von Pandemien einzudämmen, hat nun auch Vietnam den Handel mit Wildtieren verboten. China hatte dies bereits zuvor getan. Während westliche Stimmen den Umgang mit Tieren in Asien kritisieren, verweisen hiesige Stimmen auf eigene Missstände.
Wildtiermärkte und Massentierhaltung: Auch Vietnam trifft GegenmaßnahmenQuelle: Reuters © REUTERS / Stringer

Während einige westliche Politiker und Geheimdienstler von einer Labor-Theorie über den Ursprung der SARS-CoV-2-Pandemie nicht ablassen wollen, gehen asiatische Staatschefs pragmatische Schritte zur Vorbeugung künftiger Krankheitsausbrüche. So hat zuletzt Vietnams Premierminister Nguyễn Xuân Phúc eine Direktive erlassen, den Handel mit Wildtieren in dem südostasiatischen Land mit sofortiger Wirkung zu verbieten, um das Risiko neuer Pandemien zu verringern, hieß es in einer Regierungserklärung. Die Direktive verbietet die Einfuhr von lebenden Wildtieren und Wildtierprodukten, eliminiert Wildtiermärkte und setzt Verbote der illegalen Jagd und des Handels mit Wildtieren, einschließlich des Online-Verkaufs, durch, so die Erklärung, die am späten Donnerstag veröffentlicht wurde.

Berichten zufolge ist Vietnam im asiatischen Raum ein wichtiger Umschlagplatz für illegale Wildtierprodukte wie Pangolinschuppen und Elfenbein. Auch Nashorn-Hörner wurden beschlagnahmt.

Im Februar unterzeichneten 14 Naturschutzorganisationen in Vietnam ein gemeinsames Schreiben, in dem sie die Regierung aufforderten, "Märkte und andere Orte, an denen illegale Wildtiere verkauft werden, zu identifizieren und zu schließen". Das südostasiatische Land hat viele Märkte für Wildtiere und auch einen boomenden Online-Handel mit Tieren, wobei bestehende Gesetze bisher nur unzureichend durchgesetzt werden. Auch das benachbarte China hat sich nach dem Ausbruch des Coronavirus verpflichtet, den Handel und Konsum von Wildtieren zu verbieten.

Wissenschaftler vermuten, dass das Virus von Tieren auf den Menschen übertragen wurde, und einige der frühesten Infektionen wurden bei Menschen gefunden, die einem Wildtiermarkt in Hubeis Provinzhauptstadt Wuhan ausgesetzt waren, auf dem Fledermäuse, Schlangen, Zibetkatzen und andere Tiere verkauft wurden.

Die chinesische Stadt Wuhan hat bereits im Mai ein striktes Verbot des Handels mit, sowie Verzehr und Zucht von Wildtieren verhängt. Doch nicht nur in Asien soll aufgrund der SARS-CoV-2-Pandemie der Blick auf den Umgang mit Tieren neu justiert werden.

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt appellierte beispielsweise an Entscheider in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, den Zusammenhang zwischen Epi- oder Pandemien und dem Konsum von Tierprodukten stärker in den Fokus zu rücken.

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Nicht nur die Gefahren für die Entstehung von Pandemien sei durch die intensive Nutzung von Tieren erhöht. Zudem bedrohe die Massentierhaltung die Wirksamkeit von Antibiotika, was in Zukunft weitere ernsthafte Gesundheitskrisen nach sich ziehen kann.  Der Präsident der Albert Schweitzer Stiftung, Mahi Klosterhalfen, verwies auch auf die langjährigen Erkenntnisse des Lebensmittelwissenschaftlers und Geophysikers Dr. Kurt Schmidinger. Der warnt:

"Wir wissen es seit Jahrzehnten, dass uns aus der weltweiten Fleischproduktion in Massentierhaltung und auf Wildtiermärkten neue Seuchen blühen können. Wichtig ist jetzt, dass wir die Ursache bekämpfen. Kleine Kinder greifen nicht zweimal auf die heiße Herdplatte, und auch wir dürfen nicht lernresistent sein." Er beruft sich dabei auf langjährige Studien, welche von internationalen Organisationen bestätigt wurden, wonach ein überwiegender Großteil von mehr als 70 Prozent aller neu auftauchenden Krankheiten zoonotischen Ursprungs und somit auf den Umgang der Menschen mit Tieren zurückzuführen seien, darunter die Vogelgrippe sowie Schweinegrippe, Nipah-Virus, Ebola, HIV und andere. Auch Schmidinger betonte, dass beim Thema Antibiotikaresistenzen Gesellschaft und Politik seit Jahren ebenfalls nicht auf die Warnungen aus der Wissenschaft reagierten.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat bisher das Lippenbekenntnis gegeben, dass Fleisch "weder Ramschware noch Luxusgut" sein dürfe.

Der Deutsche Ethikrat kritisierte sie dafür, denn während Nutztieren hierzulande "unter den gängigen Zucht-, Haltungs-, Schlacht- und Verwertungsbedingungen oft routinemäßig Schmerzen und Leid zugefügt" würden, gebe die Politik angesichts vieler Missstände die Verantwortung an die Verbraucher zurück.

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