Deutschland

Die Deutschen verlieren Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen

Laut dem aktuellen RTL/n-tv-Trendbarometer haben gesellschaftliche Institutionen in Deutschland einen massiven Vertrauensverlust bei den Bürgerinnen und Bürgern erlitten. Am schlimmsten betroffen ist das Vertrauen in den Papst und in die Bundeswehr.
Die Deutschen verlieren Vertrauen in gesellschaftliche InstitutionenQuelle: AFP © Sebastien Bozon

Die vom Meinungsforschungsinstitut forsa durchgeführte und von RTL/n-tv beauftragte Umfrage wurde vom 19.12.2018 bis zum 02.01.2019 durchgeführt. Befragt wurden insgesamt 2.515 Personen, die sich zu Institutionen wie Polizei, Schule, Presse, Ärzte, Kirchen, Radio oder Fernsehen äußern sollten.

Demnach genießt wie im Vorjahr die Polizei mit 78 Prozent das allergrößte Vertrauen der Deutschen, nur knapp vor den Universitäten und Ärzten mit jeweils 77 Prozent. Allerdings schrumpfte der Vertrauensvorschuss bei der Polizei um 5 Prozent, bei den Universitäten um 3 Prozent und bei den Ärzten um 1 Prozent. Zwar stehen die eigenen Arbeitgeber der Befragten mit 66 Prozent direkt hinter den Ärzten, aber offensichtlich läuft es nicht mehr so rund, wie in den vergangenen Jahren: Um satte 9 Prozent ist der Wert bei den Arbeitgebern eingebrochen.

Den Negativrekord hält allerdings der Papst und mit ihm die Katholische Kirche. Nach den vielen Missbrauchsvorfällen, in die katholische Geistliche verwickelt waren, und weiteren Skandalen im Vatikan sind die Zustimmungswerte für Papst Franziskus um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr zusammengeschmolzen (auf jetzt 34 Prozent). Und bei der Kirche selbst sieht es nicht viel besser aus: Insgesamt 9 Prozent verlor die größte christliche Kirche und rangiert mit 18 Prozent Zustimmung auf dem gleichen schlechten Niveau wie die Banken. Die Evangelische Kirche steht im Vergleich zur katholischen Schwester mit 38 Prozent (-10 Prozent) deutlich besser da. Dem Zentralrat der Juden wird mit 34 Prozent (-3 Prozent) ein viel größeres Vertrauen als dem Zentralrat der Muslime mit 9 Prozent (-4 Prozent) entgegengebracht.

Während die Polizei bei den Deutschen trotz Verlusten hoch im Kurs steht, sieht es bei der Bundeswehr ganz anders aus. Ob es am Führungsstil von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, den vielen negativen Berichten aus dem Bereich von "Pleiten, Pech und Pannen" oder an etwas anderem liegt, geht aus der Umfrage leider nicht hervor. Tatsache ist aber, dass das Vertrauen in die eigene Armee der Bundesrepublik Deutschland um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingesackt ist und die Bundeswehr somit aus dem oberen Drittel der Beliebtheitsskala der Deutschen an das untere Ende der Mitte mit 40 Prozent geworfen wurde. Da steht sogar die Presse mit 41 Prozent (+1 Prozent) noch vor der Bundeswehr. Der Chef der forsa, Prof. Manfred Güllner, blickt mit Sorge auf diese Entwicklung: "Seit über einem Jahrzehnt fragen wir die Deutschen, wieviel Vertrauen sie zu den relevanten gesellschaftlichen Institutionen haben. Eine derart flächendeckende Vertrauens-Erosion wie in diesem Jahr haben wir in diesem Zeitraum noch nie gemessen."

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