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Kapitulieren die BVG und der Berliner Senat vor dem Vandalismus?

In Berlin werden immer mehr U-Bahn-Wagen mit Graffiti beschmiert. Die Wirtschaftssenatorin hat jetzt vorgeschlagen, diese Wagen nicht mehr zu reinigen, sondern im Betrieb zu belassen, um "mehr Züge auf dem Gleis" zu haben. Die BVG macht genau das schon jetzt.
Kapitulieren die BVG und der Berliner Senat vor dem Vandalismus?© Screenshot: Youtube / AGGRO TV

Ramona Pop, Bürgermeisterin von Berlin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, hat vorgeschlagen, mit Graffitis besprühte U-Bahnzüge nicht mehr zu reinigen und im Betrieb zu lassen. In der rbb-Abendschau vom Montag sagte die Senatorin, die von Amts wegen auch Aufsichtsratsvorsitzende der BVG ist: "Man kann sich fragen: Sollen wir die besprüht fahren lassen? Dann hätten wir auf jeden Fall mehr auf der Schiene."

Hintergrund dieses Vorschlags ist der immer offensichtlich werdende Mangel an einsatzfähigen Zügen bei der BVG. Die U-Bahn sei voll, so Pop. Gründe seien das Wachstum der Stadt und der überalterte Wagenpark. Die Wagen seien im Schnitt fast 30 Jahre alt. "Jetzt rächt sich die Sparpolitik der letzten Jahrzehnte."

Immerhin kämen bis 2021 200 neue Wagen, danach stehe eine Beschaffung von 1.500 Wagen an, die bis 2035 ausgeliefert werden sollen. Bis dahin könne man sich überlegen, besprühte Züge nicht mehr zu reinigen und weiterfahren zu lassen, so Pop weiter. "Dann hätte man deutlich mehr Züge auf dem Gleis."

Nach Informationen der Berliner Zeitung ist die BVG allerdings bereits dazu übergegangen, verschmutzte Züge weiterfahren zu lassen. Sigrid Nikutta, Vorstandsvorsitzende der BVG, sagte demnach bei einer Diskussionsrunde mit Fahrgästen, dass es anders nicht möglich sei, eine ausreichende Zahl von Zügen anzubieten. Das Problem mit den Schmierereien nimmt ihren Angaben nach zu: "Morgens haben bis zu fünf Prozent unserer U-Bahn-Züge Graffiti." Angesichts dieser Größenordnung müsse man in zunehmendem Maße dazu übergehen, beschmierte Wagen durch die Stadt fahren zu lassen.

Während der Diskussion übten Fahrgäste heftige Kritik an der BVG. Der U-Bahn-Betrieb erfolge mittlerweile eher zufällig als nach Fahrplan, Züge bestünden oft nur noch aus vier Wagen. BVG-Mitarbeiter berichteten, dass jeden Tag eine dreistellige Zahl von U-Bahn-Wagen nicht einsatzfähig sei. Darüber hinaus fehle es nicht nur an Zugmaterial, sondern auch an Fahrern.

Der Einsatz verschmutzter Züge kann natürlich als pragmatische Lösung für den Mangel an einsatzfähigen U-Bahn-Wagen verstanden werden. Grundsätzlich stellt sich allerdings die Frage, warum diese Stadt nicht in der Lage ist, das Eigentum ihrer Verkehrsgesellschaft zu schützen oder wenigstens die Schmierer, die sich und ihr Tun gern ausgiebig auf YouTube präsentieren, zu ermitteln und zur Rechenschaft zu ziehen. Vielleicht sollten sich der Senat und die BVG einmal in anderen Städten ansehen, wie man dort mit diesem Problem umgeht.

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