
Studie: Gendersprache teilt Deutschland

Gegenderte Sprache wird von zahlreichen Menschen als Zeichen der Bevormundung wahrgenommen, weil sie inzwischen hauptsächlich von Behörden und Großunternehmen ausgeht. Zu diesem Schluss kommt Matthias Heine, studierter Linguist und Redakteur der Welt. In einer am 31. August erschienenen Analyse stellte er fest:
"Die Richtung, aus der das Gendern kommt, hat sich dabei geändert. Es kommt von oben. Von der Obrigkeit, von Konzernen, vom Staat, von den Lehrern und Oberlehrern, von der Bürokratie, von den Chefs. Was als Jargon linksgrüner Graswurzelbewegungen begann, ist zur Sprache der Macht geworden."
Heine bezieht sich auf eine Studie des Marktforschungsservice Listflix vom Nürnberger Softwareunternehmen Datamego. In deren Rahmen wurden 2.328.734 Webseiten von Unternehmen auf die Verwendung der "geschlechtergerechten" Sprache analysiert. Betrachtet wurden dabei allerdings nur solche Wortkonstruktionen, die durch kreative Auslegung der deutschen Rechtschreibung, etwa Verwendung von Doppelpunkten, Sternchen, Schräg- oder Bindestrichen oder des großen Binnen-I hergestellt werden. Verwendungen von Partizipkonstruktionen wie "Studierende" oder Doppelformen wie "Bürgerinnen und Bürger" wurden nicht berücksichtigt, womit die quantitative Verbreitung der Gendersprache noch größer sein dürfte, als die Datenanalyse anzeigt.

Dennoch lässt die Studie qualitative Trends bei der Verwendung der Gendersprache erkennen. Demnach gendern 20,7 Prozent der Großunternehmen, 15,8 Prozent der mittelständischen Betriebe und nur 8,8 Prozent der Kleinstbetriebe. Besonders anschaulich sei das Gefälle in der Medizin, wo 70,3 Prozent der inzwischen zu großen Konzernen gehörenden Krankenhäuser, aber nur 15,6 Prozent der Arztpraxen gendern. Auch geografisch liegen die Schwerpunkte des Genderns tendenziell in Großstädten, wobei im Westen und Norden im Allgemeinen mehr als im Osten und Süden gegendert werde. Dazu Heine:
Unter den Bundesländern haben die Stadtstaaten den höchsten Anteil an Unternehmen mit Gendersprache. Berlin (13,5 Prozent), Bremen (13,3) und Hamburg (12,9) liegen weit vorn, gefolgt von Niedersachsen (10,0), Nordrhein-Westfalen (9,8) und Schleswig-Holstein (9,0). Die niedrigsten Genderquoten haben Sachsen (7,7), Thüringen (6,8) und Mecklenburg-Vorpommern (6,5).
Spitzenreiter beim Gendern ist allerdings die Grünen-Hochburg Freiburg im Breisgau, wo 15,7 Prozent der Unternehmen gendern, während das thüringische Suhl mit 4,5 Prozent das Schlusslicht bildet.
Die eingangs von Heine aufgestellte These, wonach "gendergerechte Sprache" nicht mit Gerechtigkeit, sondern mit Macht und Bevormundung assoziiert wird, wird somit durch statistische Angaben gestützt. Der Linguist betont in diesem Zusammenhang:
"Die sogenannte 'geschlechtergerechte Sprache' ist der Herrschaftston, den die großen kapitalistischen Strukturen gegenüber dem renitenten Kundenvolk anschlagen."
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