Deutschland

Steigende Suizidrate unter Bauern – Psychische Untersuchungen von Landwirten geplant

Baden-Württemberg will gegen steigende Selbstmorde bei Bauern intervenieren. Behörden und Nachbarn sollen melden, wenn Landwirte psychische Probleme haben. Bis vor ein paar Jahren waren erhöhte Suizidraten nur in den Ländern des Südens bekannt. Indische Bauern trinken dafür zumeist Glyphosat von Monsanto.
Steigende Suizidrate unter Bauern – Psychische Untersuchungen von Landwirten geplant© Felicitas Rabe

Von Felicitas Rabe

Das Landwirtschaftsministerium in Baden-Württemberg ist alarmiert: Es gibt immer mehr Selbstmorde unter Landwirten im "Ländle." Aber nicht nur in Deutschlands Süden steigt die Suizidrate unter Bauern, das "Phänomen" häuft sich in ganz Europa. In Reaktion darauf plant Baden-Württemberg psychische Untersuchungen der Bauern.  

Lange Zeit waren Suizid-Epidemien unter Bauern hauptsächlich als Phänomen aus Entwicklungsländern bekannt. Beispielsweise verübten indische Bauern vor einigen Jahren Selbstmorde in epidemischem Ausmaß, nachdem sie zuvor auf Versprechungen von Monsanto hereingefallen waren.

Sie hatten für Saatgut einer angeblichen Hochertragsbaumwolle von Monsanto hohe Kredite aufgenommen und das Saatgut als Kombipräparat mit dem zugehörigen Monsanto-Pestizid gegen den Baumwollschädling erworben. Zum Erwerb von Roundup Ready Baumwolle hatten sie sich bei den Banken verschuldet. Von Monsanto kam keine Entschuldigung, als die Baumwolle Missernten ergab und die indischen Bauern nicht mehr wussten, wie sie ihre Familien ernähren sollten.  

In der Studie "Die Auswirkungen von Monsanto auf die Suizidraten indischer Farmer" heißt es zu Beginn: "Leider werden die Samen unter Monsantos Kontrolle zu einem hohen Preis verkauft, und es müssen zudem von Monsanto hergestellte Düngemittel und Pestizide verwendet werden. Die gestiegenen Produktionskosten und der gesunkene Marktpreis für Baumwolle haben zu unvorstellbaren Schulden für die Bauern geführt. Baumwollbauern haben nicht einmal die Wahl zwischen Bt- und Nicht-Bt-Saatgutsorten, da das Nicht-Bt-Saatgut nicht mehr erhältlich ist. Die Bauern, verschuldete Bauern, werden gedemütigt und wählen den Selbstmord als Ausweg."

Zumeist würden die indischen Bauern sich durch das Trinken von Glyphosat selbst töten, so die Studie zur häufigsten Methode bei den Selbstmorden der Landwirte in Indien. Nun steigt die Suizidrate unter Bauern seit einiger Zeit auch im reichen Westen. Laut offiziellen Zahlen bringen sich beispielsweise in Frankreich pro Jahr rund 650 Bauern um, also zwei Bauern pro Tag.

Aus Scham und aus Versicherungsgründen würden aber vielfach andere Gründe beim plötzlichen Tod von Bauern angegeben, berichtete Agrarheute bereits im Jahr 2021. Insofern dürfte die Suizidrate unter französischen Landwirten noch viel höher sein. Weltweit liegt die Suizidrate bei Bauern 50 Prozent über dem Durchschnitt der Bevölkerung.

Das Fachmagazin nannte am Mittwoch die Gründe der steigenden Bauernselbstmorde in Deutschland: steigender existenzieller Druck auf die Bauern. Die Kosten für die Betriebe würden "explodieren", die Einnahmen "fallen". Gleichzeitig würde der bürokratische Arbeitsaufwand mit immer mehr Auflagen für die Landwirte seitens der Regierungen kontinuierlich in die Höhe getrieben.

Doch jetzt wolle Baden-Württemberg etwas gegen die Bauernselbstmorde unternehmen: Und zwar investiere man 350.000 Euro in die Untersuchung der mentalen Gesundheit der Bauern, so der Plan. Bei Agrarheute hieß es dazu: 

"In Baden-Württemberg haben mehrere Suizide von Landwirten die Landesregierung aufgeschreckt. Nun wird die Politik aktiv. Die Agrarminister der Bundesländer fordern eine Untersuchung zur mentalen Gesundheit von Landwirten. [...] Das Land will 350.000 Euro für Vertrauensleute bereitstellen. Die neuen 'Kümmerer' sollen auch auf Hinweis von außen, etwa von nahestehenden Personen oder Ämtern, aktiv werden."

Mit anderen Worten: Ämter und Nachbarn können oder sollen zukünftig veranlassen, dass Bauern psychisch behandelt werden. Der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk fragte sich, was schief laufe, und erklärte zum Hintergrund der Maßnahme: 

"Wir haben uns die Frage gestellt, ob im System etwas schief läuft. [...] Es kann und darf nicht sein, dass es so weit kommt, dass sich jemand das Leben nimmt." 

Bei den psychischen Problemen der Bauern spiele auch die ökonomische Krise eine Rolle, bewertete Agrarheute das Suizidphänomen. Die Wirtschaftskrise würde sich zudem zuspitzen: extrem hohe Dieselpreise, extrem teure Dünger und fallende Getreidepreise.

In der ARD-Tagesschau erklärte Landwirt Elias Lehr die Kosten für seinen Dieselverbrauch an besonders fahrintensiven Arbeitstagen: "Wir haben letztens einen Tag gefahren, da waren 2.000 Euro weg". Aus existenziellen Sorgen könne er oft nicht schlafen. Mit der Aussaat könne er nicht warten, bis der Diesel wieder billiger wäre. Im Frühjahr und bei der Ernte sei der Energiebedarf der Landwirte besonders hoch.

Zahlen zu Suiziden in der Landwirtschaft gebe es in Deutschland nicht, so das Fachblatt. Aber nachdem eine steigende Rate unübersehbar sei, will man in Baden-Württemberg das Problem endlich anpacken. Ein Sprecher des dortigen Landwirtschaftsministeriums teilte mit: 

"Nach mehreren Suiziden in den vergangenen zwei Jahren hat der Minister sich vorgenommen, die psychische Lage der Landwirte in den Blick zu nehmen."

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